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Überregional Stehen bleibt im Fußballstadion erlaubt
Sportbuzzer Fußball Überregional Stehen bleibt im Fußballstadion erlaubt
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11:51 18.07.2012
Bengalische Feuer, wie sie auf diesem Foto Anhänger von Hannover 96 im Europa-League-Spiel gegen den FC Kopenhagen zünden, sollen in deutschen Stadien verboten bleiben. Quelle: Archivfoto: dpa
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Berlin

In Berlin einigten sich 53 Profiklubs der 1., 2. und 3. Liga – Zweitligist Union Berlin boykottierte die Veranstaltung – auf Einladung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) darauf, die maximale Dauer von Stadionverboten von drei auf zehn Jahre zu verlängern. Das Nein zum Abbrennen von bengalischen Feuern wurde bekräftigt, ein von Politikern zuvor gefordertes Stehplatzverbot abgeschmettert.

„Das ist eine gute Nachricht für Millionen friedliche Fußballfans“, frohlockte Ligapräsident Reinhard Rauball, kündigte allerdings eine verschärfte Gangart für die Zukunft an. „Das ist die Auftaktveranstaltung, um Reformen einzuführen.“ Zur Winterpause sollen „weitere Beschlüsse“ gefasst werden. Zuvor sollen wieder einmal Arbeitsgemeinschaften tagen. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sprach von einer „geschlossenen Front gegen Gewalt“ und einer „Null-Toleranz-Politik“ gegenüber Krawallmachern.

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Die groß angekündigte Konferenz dauerte nicht einmal so lange wie ein Fußballspiel. Keine 90 Minuten tagten die Vertreter hinter den verschlossenen Türen des Versammlungsraums Charlottenburg in einem Berliner Nobelhotel. „Es gab eigentlich nichts Neues, nur dass wir gemeinsam entschlossen sind, der Problematik Herr zu werden“, wertete Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt, das Ergebnis.

„Ich bin sehr dankbar, dass ein Verhaltenskodex unterzeichnet wurde, in dem klargemacht wurde: keine Gewalt, keine Pyrotechnik, klare Grenzen mit klaren Sanktionen“, bejubelte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich dagegen das einseitige Papier. Auch der CSU-Politiker drohte mit neuen Konsequenzen, sollte es kommende Saison erneut zu Vorfällen kommen. Unter anderem könnte moderne Videotechnik zur Überwachung der Fans dann auch flächendeckend zum Einsatz kommen.

Abgesandte von Fanorganisationen waren zu der Konferenz selbst nicht geladen – anders als in der „Task Force Sicherheit“, die vorab Empfehlungen für den Gipfel erarbeitet hatte. So tagten die Anhänger wenige hundert Meter von den Funktionären entfernt und zeigten sich besonders von den verschärften Stadionverboten entsetzt. „Da verschlägt es einem die Sprache. Das sieht danach aus, dass die Repressalien erhöht werden“, sagte René Lau von der Arbeitsgemeinschaft Fananwälte. „Meines Erachtens ist der Gipfel für die Fans eine Katastrophe.“

Nur vereinzelt zeigten sich die Vereinsvertreter am Nachmittag noch bei den Anhängern. „Das war eine Veranstaltung für die Politik und die Liga“, bekannte ein Zweitligavertreter dabei über den Sicherheitsgipfel, „damit sie sich hinstellen können und sagen: Wir machen was.“

Gar von einer „Akklamationsveranstaltung“ sprach Union Berlin, das das Treffen als einziger Profiklub boykottiert hatte. Der Verhaltenskodex sei den Vereinen erst am Montag um 16.45  Uhr zugesandt worden, begründete Vereinssprecher Christian Arbeit diesen Schritt: „Bevor solch ein Kodex verabschiedet werden kann, sollten sich die Vereine zunächst auf einen Konsens einigen können. Innerhalb eines Tages ist dies nicht zu machen.“

Martin Kind mit Ergebnissen zufrieden

Auch 96-Klubchef Martin Kind war am Dienstag zu dem Treffen gereist.Solche Zusammenkünfte bezeichnet er gern einmal als lästig. Doch dieses Mal war der Klubchef von Hannover 96 voll des Lobes. Sein Weg nach Berlin zum Gipfeltreffen der deutschen Profivereine gegen Gewalt in Fußballstadien hatte sich nämlich aus seiner Sicht vollauf gelohnt. „Dieser Sicherheitsgipfel war notwendig und sinnvoll“, sagte der 68-Jährige. „Der Deutsche Fußball-Bund hat gezeigt, dass er Verantwortung übernimmt.“

Die Ergebnisse der Veranstaltung stellten ihn durchaus zufrieden, auch wenn es keine großartigen Neuerungen gegeben hat.  „Es ist ein deutliches Signal: Die Politik hat uns als Hausherren gegenüber klare Forderungen gestellt, denen müssen wir nachkommen, wenn wir dieses Hausrecht weiter behalten wollen“, sagte Kind. Darum lehnte er auch eine Kostenbeteiligung der Vereine an Polizeieinsätzen kategorisch ab: „Wir haben die Vereinsautonomie und damit auch die Verantwortung für die Sicherheit in den Stadien. Außerhalb der Arenen liegt das dagegen nicht in unserer Verantwortung.“

Froh sei er über das „entschiedene Verbot für das Abbrennen von Pyrotechnik. Dieser Kram hat uns schon so viel Geld gekostet (in der vergangenen Saison etwa 100 000 Euro, d. Red.)“, sagte er, „jetzt ist klar, dass das Abbrennen gesetzeswidrig ist.“ Bei Zuwiderhandlung müsse jetzt nicht mehr großartig diskutiert werden. „Wir werden künftig das Gewaltmonopol intern, also im Stadion, konsequent umsetzen“, sagte Kind.

Es werde intensiv darauf geachtet, wer dennoch gegen dieses Gesetz verstoße. Überführte Täter müssten für die Geldstrafen seitens des Fußballverbandes aufkommen – und mit weiteren harten Sanktionen rechnen.
Ausdrücklich begrüßt vom 96-Klubchef wurde der Erhalt der Stehplätze. „Die gehören zu unserer Fankultur, daran sollte man nicht rütteln“, sagte er.

dpa und Jörg Grußendorf

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