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Überregional Stiller Protest beim VfL Wolfsburg
Sportbuzzer Fußball Überregional Stiller Protest beim VfL Wolfsburg
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18:40 11.10.2012
In der Kritik: Felix Magath.
In der Kritik: Felix Magath. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Die Pfiffe bei Spielschluss gehörten in Wolfsburg zuletzt schon zum Standard-Repertoire. Zudem gab es die ersten Rufe: „Magath raus!“ Der neueste Protest der enttäuschten VfL-Anhänger war indes subtiler: Sie demonstrierten beim Training schweigend ihren Unmut mit Plakaten und verweigerten anschließend ein angebotenes Gespräch mit Felix Magath.

Diego hat Verständnis für die Kritik und die Proteste der VfL-Anhänger geäußert. „Natürlich verstehe ich die Kritik“, sagte der Spielmacher des Fußball-Bundesligisten am Donnerstag. „Klar, dass sie nicht zufrieden und traurig sind.“ Der Regisseur des Tabellen-Vorletzten fügte an: „Als Botschaft an die Fans möchte ich sagen: Wir brauchen die Unterstützung, um besser spielen zu können.“

„Nachhaltigkeit?!“ lautete die Frage auf einem der selbstgemalten Plakate. Seit der Meisterschaft 2009 hat der Volkswagen-Konzern zig Millionen in sein Tochterunternehmen gepumpt. Spieler kamen und gingen, egal ob der Manager Dieter Hoeneß oder Felix Magath hieß. Von jenen Profis, die vor drei Jahren nach dem Titelgewinn geholt wurden, ist allein noch Thomas Kahlenberg im Kader - aber der Däne steht mit seiner zwischenzeitlichen Aussortierung und dem Gastspiel bei Evian Thonon Gaillard FC exemplarisch für die ausufernde Verleihpraxis beim Werksclub.

„Europapokal?!“ fragten die Anhänger auf ihren Plakaten. Der internationale Wettbewerb ist in jeder Saison das erklärte Ziel, auch aktuell. Doch seit dem einmaligen Champions-League-Gastspiel gab es die Platzierungen 8, 15 und 8 - und aktuell ist Wolfsburg als Vorletzter noch weiter von der eigenen Zielsetzung entfernt.

„Millionen verbrannt, die Lage verkannt, stets ’ne Ausrede zur Hand“, fassten die stillen Demonstranten ihre Sicht der Dinge zusammen. Tatsächlich stellt der VfL in Magaths zweiter Amtszeit kuriose Rekorde auf. Der Trainer und Sportdirektor holte zu Beginn des Jahres für fast 30 Millionen Euro acht neue Profis - und er stellte damit ebenso eine neue Bestmarke auf wie mit dem Einsatz von 36 Spielern in einer Spielzeit.

„Wir haben die Qualität noch einmal gesteigert. Deshalb bin ich sicher, dass wir uns weiter nach vorn arbeiten werden“, sagte der Wolfsburger Coach im Januar über die acht Zugänge. Nach mehr als einem Dutzend neuer Spieler im Sommer, ständig wechselnden Startaufstellungen und bereits 22 eingesetzten Profis musste Magath zuletzt einräumen, „dass wir mit unserer Mannschaft nicht den Erfolg haben, der gedacht war“.

Die Fans scheinen die Kommentierung des andauernden Missverhältnisses von Anspruch und Realität nicht mehr hören zu wollen. Nach der Übungseinheit lehnten die stummen Kritiker das Gesprächsangebot von Magath ab.

Der Trainer und Manager versucht sich im sensiblen Umgang mit dem unzufriedenen Anhang. Die Pfiffe bei den jüngsten Heimspielen nannte er „berechtigt“. Und zum stillen Protest sagte er nun: „Es ist vollkommen verständlich, dass die Fans mit der Situation unzufrieden sind.“ Und eine Gemeinsamkeit mit den Fans fand er auch: „Ich kann die Sorge über die aktuelle Situation nachvollziehen.“

dpa

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