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Überregional Stiller Sieger Guardiola
Sportbuzzer Fußball Überregional Stiller Sieger Guardiola
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12:37 29.05.2011
Die Mannschaft vom FC Barcelona feierte ihren Trainer nach dem Sieg im Champions-League-Finale. Quelle: dpa
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Josep Guardiola stand auf Höhe der Mittellinie und hatte die Hände in den Taschen seines eleganten schwarzen Anzuges vergraben, als die siegestrunkenen Spieler vor dem rot-blauen Fahnenmeer zappelten, tanzten und hüpften. „Campeones, campeones“, sangen die Fans des neuen Champions-League-Gewinners FC Barcelona. Der Architekt dieses Fußball-Wunderwerks aus Katalonien beobachtete die Szenerie nach dem sagenhaften 3:1 (1:1)-Feuerwerk gegen Manchester United im Londoner Wembley-Stadion zunächst aus der Ferne.

Erst als die Zuschauer nach 23 Uhr immer lauter seinen Namen riefen, kannten auch Lionel Messi & Co. kein Erbarmen mehr mit ihrem Coach. Pep Guardiola wurde umzingelt, auf Händen getragen und wieder und wieder in die Luft geworfen. Seit Juni 2008 trägt der stille junge Mann die Verantwortung für die spektakulärste Mannschaft dieses Planeten. Die Gala gegen ManUnited bedeutete den Königsklassen-Triumph Nummer zwei und den zehnten Titel insgesamt für Guardiola. „Er ist ein sensationeller Typ“, sagte Dani Alves.

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Und dieser Typ, der Barça lebt und liebt wie kaum ein anderer in diesem Verein, ist noch nicht satt und ausgelaugt. Im April versetzte Guardiola die halbe Fußball-Welt mit seiner Aussage „Meine Zeit in Barcelona neigt sich dem Ende zu“ noch in Aufruhr, viele fürchteten den Abgang ihres Aushängeschilds schon nach dieser Saison.

Doch am Samstagabend, tief unten im Bauch des Fußball-Tempels im Norden Londons, sagte der Mann mit den tiefliegenden dunklen Augen und dem immer schütterer werdenden Haar eher beiläufig: „Ich habe die Absicht, auf alle Fälle noch ein Jahr weiterzumachen und meinen Vertrag zu erfüllen. Ich verspüre noch die nötige Leidenschaft.“

Im ungleichen Duell gegen das bedauernswerte Manchester hatte er sich nach 20 Minuten erstmals von der Bank erhoben und seine Profis von der Coaching Zone aus lautstark nach vorne dirigiert. Angespannt verfolgte der Denker und Stratege das Geschehen auf dem Rasen, erst nach dem Zaubertor von David Villa in den Winkel zum 3:1 (69.) huschte das erste erleichterte Lächeln über das Gesicht Guardiolas.

20 Minuten vor Schluss war auch dem lautesten englischen Fan unter den 87.695 berauschten Zuschauern klar, dass es an diesem Abend nur einen Sieger geben konnte. „Wir haben niemanden zurechtgestutzt“, versuchte Guardiola zu relativieren. „Ein so starkes Team wie Manchester United zu schlagen, ist nicht selbstverständlich. Die Art und Weise, wie wir gewonnen haben, macht mich besonders stolz.“

Sein Gegenüber Alex Ferguson hatte ihm nach dem Schlusspfiff kräftig auf die Schulter geklopft und gesagt: „Barça ist die beste Mannschaft, die es zur Zeit gibt. Der Fußball ist zum Genießen.“

dpa