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Überregional Tim Wiese kein Kapitän mehr bei Hoffenheim
Sportbuzzer Fußball Überregional Tim Wiese kein Kapitän mehr bei Hoffenheim
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14:46 17.01.2013
Foto: Kein Kapitän mehr: Torwart Tim Wiese hat beim 1899 Hoffenheim in der Vorrunde nicht die Leistung erbracht, die der Verein von einem Mannschaftskapitän offenbar erwartet.
Kein Kapitän mehr: Torwart Tim Wiese hat beim 1899 Hoffenheim in der Vorrunde nicht die Leistung erbracht, die der Verein von einem Mannschaftskapitän offenbar erwartet. Quelle: dpa
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Frankfurt am Main

Man kann Tim Wiese nicht vorwerfen, dass er in der Vorbereitung die Klappe aufgerissen hätte. Der Torhüter der TSG 1899 Hoffenheim gab fast keine Interviews und wenn, dann sichtlich ungern. Dabei ist der frühere Nationalkeeper als Kapitän eigentlich Sprachrohr der Mannschaft. Doch Wiese hat andere Sorgen. Auch wenn es ihm „scheißegal" ist, dass ihn seine Profi-Kollegen in der Fußball-Bundesliga zum Absteiger der Hinrunde gewählt haben.

Der 31-Jährige steht am Samstag (15.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach wieder zwischen den Pfosten - dafür spricht zumindest das letzte Testspiel (3:1 gegen den SC Heerenveen). In neun Pflichtspielen seit seinem Wechsel zu Saisonbeginn hat der langjährige Bremer 27 Gegentore kassiert, ein paar haarsträubende Patzer gemacht und war öfter an Flanken vorbeigesegelt. Ex-Trainer Markus Babbel hatte Wiese ausgerechnet dann zur Nummer 2 degradiert, als er wegen einer Knieverletzung ausfiel. Sein Vertreter Koen Casteels konnte allerdings auch nicht glänzen. Ursprünglich hatte Hoffenheim Wiese als aktuellen Nationalspieler geholt, doch Bundestrainer Joachim Löw sortierte ihn nach der EM aus.

„Hier wird alles auf mich projiziert. Ich werde immer stärker kritisiert als andere. Warum, weiß ich nicht. Vielleicht wegen meiner Tattoos und langen Haare. Aber die meisten Reporter haben sowieso keine Ahnung von Profi-Fußball", sagte Wiese in „Bild". In der „Rhein-Neckar-Zeitung" klagte er: Wenn es nach den Medien gehe, „habe ich hier ja alles zu verantworten". Mit den Begriffen moderner Torwart oder Oldschool-Torwart könne er ohnehin nichts anfangen, erklärte Wiese mal inmitten seiner größten Krise: „So was denken sich doch nur Journalisten aus."

Nach der miserabelsten Halbserie seit dem Aufstieg 2008 ist Hoffenheim nicht nur die Schießbude der Liga (41 Gegentore), sondern liegt als Tabellen-16. sieben Punkte hinter dem 15. VfL Wolfsburg und muss sich zumindest auf die Relegation einstellen. Wiese ist vom Klassenverbleib überzeugt – sagt er zumindest: „Das Trainingslager war super, die Truppe funktioniert, wir werden das schaffen."

Die Frage, ob Wiese auch Kapitän bleibt, hat der neue Chefcoach Marco Kurz bislang offen gelassen. In den Mannschaftsrat wurde der sechsmalige Nationalspieler jedenfalls gewählt - neben Sejad Salihovic, Marvin Compper, Chris und Andreas Beck. Dabei ist Wiese zwar derzeit Hoffenheims bekanntester Profi, gilt aber nicht gerade als der große Kommunikator.

So standen nach Niederlagen in der Hinrunde meist sein Stellvertreter Compper oder Ex-Spielführer Andreas Beck Rede und Antwort. Selbst Manager Andreas Müller hatte dem 1899-Schlussmann geraten, sich mehr zu öffnen. „Aber da bin ich nun mal vorsichtig, weil man mich eh am liebsten kritisiert. Warum sollte ich da auf jemanden zugehen?", sagte Wiese in seiner gewohnt charmanten Art.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.