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Überregional „Obrigado Bahia“ – die Deutschen sind da
Sportbuzzer Fußball Überregional „Obrigado Bahia“ – die Deutschen sind da
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00:16 12.06.2014
Von Heiko Rehberg
Lukas Podolski und Mesut Özil mit einem Mann der indigenen brasilianischen Bevölkerung. Quelle: dpa
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Santo André

Gerade mal zwei Tage ist die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Brasilien, und schon überschlagen sich die Nachrichten aus dem beschaulichen Santo André, in dem Trainer und Spieler ihr Weltmeisterschaftsquartier bezogen haben: Zwei Tage im WM-Land, eine erste Pressekonferenz gestern – und die Menschen in der Heimat dürfen staunen.

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Eine kleiner Überblick, geordnet nach der Bedeutung für das erste WM-Spiel am kommenden Montag gegen Portugal: Assistenztrainer Hansi Flick berichtete, dass Manuel Neuer mittlerweile nicht nur „torwartspezifisches Training“ absolviert, im Klartext also Bälle fängt. Nein, Neuer, verletzt an der Schulter, hat sich gestern sogar „geworfen“, und zwar auf den Rasen des extra angelegten Platzes fünf Minuten vom Quartier „Campo Bahia“ entfernt.

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Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff erzählte, dass die Spieler die erste Nacht „alle sehr gut geschlafen“ haben und es nach dem öffentlichen Training vor 500 Einheimischen beim Tanz einiger Profis mit den in den Bergen hinter Santo André lebenden Pataxa-Indianern keine weiteren Verletzungen zu beklagen gegeben hat. Und Helmut Sandrock, Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), verblüffte mit der Feststellung, dass „wir auf einem anderen Kontinent sind“, was aber allgemeiner Konsens war.

Auftaktpressekonferenzen bei großen Turnieren sind immer wie ein runder Geburtstag, bei dem alle dem Gastgeber danken und dabei nicht davor zurückschrecken, dick aufzutragen. Der DFB ist in dieser Hinsicht Weltmeister. Kurz nach der Ankunft in Porto Seguro war der Bus der Nationalmannschaft auf der Fähre, mit der es zum „Campo Bahia“ geht, stecken geblieben. Eine kleine Panne, so etwas passiert nicht nur in Brasilien, passt aber nicht zum Satz vom „besten
WM-Quartier aller Mannschaften“, den Bierhoff in diesen Tagen vor jedem Mikrofon wiederholt. Da kommt eine öffentliche Trainingseinheit gerade recht, denn es gibt neue, schönere Bilder in den Medien, zumal Bierhoff bei der WM ein ehrgeiziges Ziel hat: Er will, dass die fußballverrückten Brasilianer nach ihrer „Selecao“ die Deutschen zu ihrer zweiten Lieblingsmannschaft machen.

Wir sind glücklich hier zu sein

„Feliz por estar aqui“ (Wir sind glücklich hier zu sein) stand vorne auf den Trainingstrikots, die die Spieler und Verantwortlichen trugen. Hinten stand „Obrigado Bahia“, ein Dankeschön an die Gastgeber des brasilianischen Bundesstaates. So macht man sich neue Freunde bei den Menschen in einem Land, die den teuren Neubau des „Campo Bahia“ in einem Naturschutzgebiet in der Vergangenheit kritisch begleitet haben. Bierhoff sprach von der „besonderen Atmosphäre“ und der „positiven Energie“ im streng bewachten Quartier am Atlantikstrand, von dem die Spieler in Kleinbussen zum Training gefahren werden, begleitet von einer Polizeieskorte, als wären Barack Obama und Wladimir Putin gleichzeitig auf dem Weg. Fahrräder für die Spieler gibt es auch, dürften aber wohl nicht zum Einsatz kommen. Wenn doch, will der DFB den Fotografen vorher Bescheid sagen.

Man habe mit dem Quartier „eine ganz große Chance, die wollen wir nutzen“, sagte Bierhoff, der alle Freunde und Bekannte zu Hause unterrichtet hat, dass er vermutlich fünf Wochen unterwegs sein wird. So elegant hat bislang keiner bei der Nationalmannschaft das Ziel Finale verkündet, ohne später darauf konkret festgenagelt werden zu können. „Realistisch ist der Weg bis zum Finale – zumindest in der gedanklichen Planung“, sagte Bierhoff.

Auch Flick, der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw, ist jemand, der ungern konkret wird, das wissen jetzt auch die Reporter aus dem Gastgeberland. Ein brasilianischer Kollege hatte sich wenigstens ein paar Einblicke in die Aufstellung erhofft, mit der Löw zum Auftakt die Portugiesen schlagen will, schließlich könnte im Halbfinale Brasilien der Gegner werden. „Wir haben 23 Spieler und werden daraus elf Spieler finden, die gegen Portugal antreten.“ Als eine junge Dolmetscherin den Satz fertig übersetzt hatte, war nicht zu übersehen, dass der Fragesteller nicht ganz sicher war, ob sich Flick einen kleinen Scherz mit ihm erlaubt hatte. Deutsche WM-Reporter konnten dem Mann helfen: Nein, Flick macht keine Scherze, erst recht nicht mit der Aufstellung.

Flicks Chef wird da die nächsten Tage vermutlich etwas mitteilsamer sein, ohne ebenfalls irgendwelche Geheimnisse zu verraten. Löw ließ gestern ausrichten, dass er froh sei, wenn es bald losgeht. „Das Kribbeln ist da“, sagte der Bundestrainer.

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