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Überregional Traumtore für den guten Zweck
Sportbuzzer Fußball Überregional Traumtore für den guten Zweck
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22:05 23.06.2013
Von Christian Purbs
Foto: Paul Janke (hinten) schiebt den Ball vorbei an Torwart Uli Stein (links) und Carsten Linke (rechts) ins Netz.
Paul Janke (hinten) schiebt den Ball vorbei an Torwart Uli Stein (links) und Carsten Linke (rechts) ins Netz. Quelle: zur Nieden
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Hannover

5560 Zuschauer wollten den Spaßkick für den guten Zweck sehen, die Einnahmen von 20.000 Euro gehen je zur Hälfte an die Robert-Enke-Stiftung und an die Opfer der Flutkatastrophe. Verlierer, das stand schon weit vor der ersten Parade des früheren Nationaltorwarts Uli Stein fest, wird es bei dieser Veranstaltung nicht geben.

Und so wird Steven Cherundolo auch nicht allzu traurig sein, dass er in seinem ersten Spiel nach der Sommerpause in Hannover nicht zu den Siegern gehörte. Der 96-Kapitän stand in der Elf von Andreas Kuhlage, der gemeinsam mit seinem Kollegen Jens Hardeland die N-JOY-„Morning-show“ moderiert sowie Namensgeber des Benefizspiel war und sich am Ende mit 5:7 nach Elfmeterschießen geschlagen geben musste.

Zehn Tore und ein Elfmeterschießen als krönender Abschluss, dazu reichlich Stars aus Sport und Unterhaltung: Keine Frage, die Fußballfans im Rudolf-Kalweit-Stadion in Bischofshol kamen Sonntagnachmittag beim Benefizspiel „Kuhlage vs. Hardeland“ auf ihre Kosten.

Für Cherundolo war die Partie eine willkommene Abwechslung, statt einer Laufeinheit als Vorbereitung für den Trainingsstart von Hannover 96 absolvierte der Rekordspieler der „Roten“ eine Trainingseinheit für den guten Zweck. „Ich bin in Hannover und habe ein bisschen Zeit. Da mache ich bei so einem Spiel gerne mit“, sagte Cherundolo, der mit seiner Mannschaft zur Pause noch mit 3:0 geführt hatte.

Ausgerechnet ein ehemaliger 96-Profi und Gegner, wenn es von August an wieder um Bundesligapunkte geht, leitete für das „Team Hardeland“ die Wende ein. Direkt nach dem Wiederanpfiff erzielte Jan Rosenthal, der in der kommenden Saison für Eintracht Frankfurt spielt, mit einem Schuss von der Mittellinie das 1:3. Für das schönste Tor des Tages sorgte allerdings „der Bachelor“. Bis zu seinem Traumtor zum 5:4 hatte sich Paul Janke, früher selbst einmal Spieler bei Arminia Hannover und immer noch ein guter Kicker, schon die Bezeichnung „Chancentod“ eingehandelt. Doch mit seinem Kunstschuss von der linken Seite in den rechten Torwinkel machte Janke alles wieder wett und sorgte für einen der Höhepunkte an diesem Nachmittag.

Tore, Fallrückzieher und spektakuläre Strafraumszenen gab es genug. Was ein bisschen fehlte, war die Unterhaltung außerhalb des Platzes, für die in der Vergangenheit Comedians wie Oliver Pocher und Elton gesorgt hatten. Dafür gab es gestern gute Live-Musik von Tonbandgerät und Iggy & The German Kids zu hören. Es war dieses Mal eine etwas andere Mischung aus Spaß und Spiel. Zufrieden waren dennoch alle.

„Werden noch viel erreichen“

Eine kurze Umarmung und ein paar Worte mit 96-Boss Martin Kind und Altin Lala, mehr Zeit blieb nicht, dann musste Teresa Enke arbeiten. Die Vorsitzende der Robert-Enke-Stiftung gab Interviews, nahm Schecks entgegen und bedankte sich bei den Zuschauern für die Unterstützung. „Es ist toll zu sehen, wie stark die Verbundenheit zu meinem Mann und der Stiftung ist. Ich bin gerne in Hannover, auch wenn es mir manchmal schwerfällt“, sagte die Witwe des 96-Torwarts, der sich im November 2009 das Leben nahm. „Ich fange an, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Meine Tochter hilft mir dabei“, meinte Enke, die das Benefizspiel von der Tribüne des Arminia-Stadions aus verfolgte, während sich die kleine Leila intensiv mit dem neuen Regenbogen-Teddy beschäftigte. „Sie hält mich ganz schön auf Trab.“

Viel zu tun gebe es auch nach wie vor, wenn es darum gehe, das Thema Depression in der Öffentlichkeit zu enttabuisieren. „Wir haben viel erreicht und werden noch viel erreichen“ sagte Enke, die mittlerweile in Köln lebt. Viel zur Aufklärung habe das Buch „Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben“ von Ronald Reng beigetragen. „Es gibt einen guten Einblick in das Krankheitsbild, zeigt aber auch, dass wir ein glückliches Paar waren und Robert auch ein glücklicher Mensch war. Viele Leute haben mir gesagt, dass sie beim Lesen auf ein Happy End gehofft haben. Aber es gab kein Happy End.“

23.06.2013
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Christian Purbs 23.06.2013