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Überregional Schalke trennt sich von Trainer Di Matteo
Sportbuzzer Fußball Überregional Schalke trennt sich von Trainer Di Matteo
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11:31 25.05.2015
Bisher war die Bilanz von Di Matteo beim FC Schalke nicht besser als die seines Vorgängers Keller. Quelle: dpa
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Gelsenkirchen

Der Abgang von Roberto Di Matteo geriet so holprig wie die gesamte Saison. Nach nur 228 Tagen beendete Schalke 04 das teure Missverständnis mit dem Italiener, doch eine offizielle Bestätigung aus Gelsenkirchen blieb lange Zeit aus. Es ging um Geld, um Verträge, um eine saubere Lösung. Und um Zeit, die richtigen Worte zu finden für den nächsten Trainer-Fehlgriff.

Dabei hätte es großer Erklärungen gar nicht bedurft. Zu offensichtlich war seit Wochen, wie wenig der stets adrette Di Matteo und der Arbeiterklub aus dem Revier zueinander passten. Am Ende wirkte der 44-Jährige beinahe emotionslos, den freien Fall des Champions-League-Kandidaten nahm Di Matteo nur noch hin. Die Trennung war alternativlos - weiter offen bleibt dagegen die Zukunft von Sportvorstand Horst Heldt. Gegen Di Matteo sprach am Ende vor allem die desaströse Rückrunde.

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Kaum zu glauben: Anfang Februar lag Schalke noch vor Borussia Mönchengladbach auf Rang drei, am Saisonende hatten die Knappen satte 18 Punkte Rückstand auf Gladbach und retteten mit Mühe und Not Platz sechs. "Wenn einmal der Wurm drin ist...", sagte der Coach nach dem 0:2 am letzten Spieltag beim Hamburger SV, dem letzten von zahlreichen blutleeren Auftritten.

Di Matteo hatte erst im Oktober 2014 die Nachfolge von Coach Jens Keller bei den Königsblauen angetreten. Jener Keller, der die Knappen zuvor in die Königsklasse geführt hatte. Di Matteo, das klang nach Glanz. Der Champions-League-Triumph 2012 mit dem FC Chelsea 2012 gegen Bayern München hallte nach. Doch nun ist der Glanz verblasst.

Die Liste der möglichen Nachfolger ist lang. Schalkes "Jahrhunderttrainer" Huub Stevens wird nach der erfolgreichen Rettungsmission in Stuttgart ebenso gehandelt wie Armin Veh oder André Breitenreiter, dessen Zukunft bei Absteiger Paderborn offen ist. Möglich scheint auch eine unorthodoxe Lösung - der bei den Fans beliebte U19-Coach Norbert Elgert etwa. So oder so gilt: Einen weiteren Fehlschuss darf sich Heldt nicht erlauben. Der Sportdirektor ist angezählt, die Fans wandten sich zuletzt mit Transparenten wie "169 cm Inkompetenz" von dem 45-Jährigen ab. "Man muss jede einzelne Position hinterfragen", hatte Heldt zuletzt selbstkritisch angekündigt und meinte "alle, die sportlich verantwortlich sind, egal ob Trainer, Spieler oder Manager."

Gut möglich also, dass auch Heldt dem Großreinemachen in Gelsenkirchen zum Opfer fällt. Sein vermeintlicher Weckruf, der Rauswurf der Sündenböcke Kevin-Prince Boateng und Sidney Sam Mitte Mai, verpuffte jedenfalls nahezu wirkungslos. "Wir werden uns nach der Saison in Ruhe hinsetzen", hatte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies schon damals angekündigt und ergänzt: "Ich spreche ihn nicht heilig." Heldt wird also in irgendeiner Form liefern müssen, damit sich die Debatten rund um den Traditionsverein wenigstens bis zur Mitgliederversammlung am 28. Juni ein wenig beruhigen. Wenn der 45-Jährige bis dahin überhaupt noch selbst in Amt und Würden ist.

SID

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