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Überregional Klinsmann gegen Löw wird ein Endspiel
Sportbuzzer Fußball Überregional Klinsmann gegen Löw wird ein Endspiel
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14:48 22.06.2014
Wenn US-Coach Jürgen Klinsmann und DFB-Trainer Joachim Löw aufeinander treffen, geht es für beide Mannschaft ums Weiterkommen. Quelle: dpa
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Fortaleza

Jetzt gibt es doch ein Endspiel, das beide nicht haben wollten. Löw gegen Klinsmann, Bundestrainer kontra Vorgänger - und der Wahl-Amerikaner Jürgen Klinsmann wird seine US-Boys garantiert richtig heißmachen auf das Gruppenfinale gegen Deutschland. „Davon gehen wir aus. Aber wir sind auch richtig heiß darauf, ins Achtelfinale einzuziehen“, konterte Philipp Lahm kämpferisch.

Der Kapitän und seine Kollegen werden gemeinsam mit Joachim Löw aber vor dem Duell am Donnerstag in Recife zunächst intensiv über den zweiten Auftritt der Nationalelf bei der Fußball-WM in Brasilien debattieren müssen. „Das Spiel hat sich irgendwie so entwickelt, obwohl das nicht so geplant war“, gab Löw nach dem umkämpften 2:2 gegen Ghana leicht irritiert zu Protokoll.

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Hannovers Fußballfans beim Public Viewing in der Nordkurve und im Waterloo-Biergarten

Die Aufarbeitung der 93 Minuten in der heißen Arena Castelão in Fortaleza wird im Trainerstab, in der Scouting-Abteilung und im Mannschaftskreis sicher etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Eines war beim nächtlichen Rückflug nach Porto Seguro und der anschließenden Busfahrt einschließlich Flussüberquerung ins Campo Bahia schon klar: Gegen Klinsmann und die USA wird es noch einmal richtig heiß. Um sicher ins Achtelfinale einzuziehen, braucht das Löw-Team (derzeit vier Zähler) noch einen Punkt.

„Die Ausgangslage hat sich für uns nicht entscheidend geändert“, stellte der Bundestrainer zwar fest. Doch das erste Remis in einem Turnierspiel unter Löw überhaupt, hatte nach dem kapitalen 4:0-Auftakt gegen Portugal gezeigt, dass schon das kleinste Nachlassen bei dieser WM große Auswirkungen nach sich ziehen kann. „Natürlich müssen wir hundert Prozent an die Sache rangehen. Man sieht, wenn man ein bisschen nachlässig wird, dass man auch gegen Ghana direkt zwei Tore kassiert“, bemerkte der weiterhin um seine Topform ringende Mesut Özil.

Trotz der etwas kuriosen Führung durch Mario Götze, dessen Kopfball erst ans eigene Knie und dann ins Tor der Ghanaer ging, verlor das Löw-Team die Kontrolle über die Partie. Löw sprach von einem „irrsinnigen Tempo“, von „Dramatik und Spannung“ pur und von einem „offenen Schlagabtausch“, vor dem er noch ausdrücklich gewarnt hatte. 59 612 Zuschauer wurden hin- und hergerissen, als ein Doppelschlag von André Ayew und Asamoah Gyan die „Black Stars“ in Front brachte, dann aber Oldie Miroslav Klose zwei Minuten nach seiner Einwechslung seinen 15. WM-Treffer markierte. „Sonst wäre es wahrscheinlich noch wilder geworden“, räumte der rechtzeitig von einer Oberschenkelblessur genesene Mats Hummels ein.

Die Spieler sind weiter fest vom Weiterkommen überzeugt, und sie wollen weiter Gruppensieger werden. „Wenn wir unsere Leistung abrufen, wie im ersten Spiel und phasenweise heute, sehe ich keine Gefahr, dass wir nach Hause fahren“, meinte Kapitän Lahm, der sich ungewohnt viele Fehler erlaubte und das zweite Gegentor maßgeblich verschuldete. „Wir sind stark, keine Sorge“, betonte Toni Kroos. „Hinten raus wurde es einfach ein bisschen zu wild. Das ist nicht unser Spiel. Die letzte Viertelstunde war Harakiri.“

Über die Ursachen gingen die Meinungen auseinander. „Wir waren nicht so kompakt, haben das taktisch nicht gut gelöst“, erklärte Sami Khedira. „Ein Schritt zu wenig auf der einen Seite, ein Schritt zu wenig da. Die Mannschaft von Ghana hat nie aufgesteckt, sie waren aggressiv, laufstark. Da waren sie uns ein Stück weit überlegen“, ergänzte der Mittelfeldmann von Real Madrid.

Gegen die wuchtigen Afrikaner traten auch Khediras Defizite nach einer langen Verletzungspause zu Tage. „Bei diesem Tempo und bei diesen Bedingungen ist Sami Khedira körperlich ein bisschen an die Grenzen gekommen. Alle Mittelfeldspieler mussten viel arbeiten nach hinten“, analysierte Löw fest. „Wir wirkten nicht ganz so frisch und spitzig, um einfach den Gegner so unter Druck zu setzen, wie wir es eigentlich machen wollten“, kommentierte Teammanager Oliver Bierhoff.

Für Lahm waren fehlende Aggressivität und Cleverness sowie Probleme im eigenen Aufbauspiel die Gründe dafür, dass es lange nicht so gut wie gegen die Portugiesen lief. „Die Raumaufteilung hat nicht so gut funktioniert. Wir haben wenig Überzahl kreieren können in den entscheidenden Phasen“, bemerkte der Münchner, der Teil des Problems war. Dem 30-Jährigen, der bei seinem sechsten Turnier erstmals in der Mittelfeldzentrale agiert, gelang der Beweis in Brasilien noch nicht, dass er im DFB-Team dort wertvoller sein kann als auf der Außenverteidigerposition.

5000 Menschen haben am Sonnabend das Spiel der DFB-Nationalelf gegen Ghana an der Gilde-Park-Bühne verfolgt.

Eine System-Diskussion aber wollten weder Kapitän noch Bundestrainer zulassen. „Vor fünf Tagen war alles gut. Mal läuft es besser, mal schlechter. Es ist kein generelles Problem, wir haben gesehen, dass es funktioniert“, sagte Lahm. „Wir haben gute Moral gezeigt, sind bei diesen Temperaturen nach dem Rückstand nochmal zurückgekommen“, hob Löw hervor.

Zu den positiven Erkenntnissen zählte der Chefcoach auch die ersten WM-Minuten der Routiniers Klose und Bastian Schweinsteiger. Beide hätten der Mannschaft nochmal „einige frische Impulse“ gebracht und „neue Kräfte mobilisiert“, lobte Löw. Er hob zudem die historische Leistung des 36 Jahre alten Klose hervor, der mit dem Brasilianer Ronaldo als bester WM-Torjäger gleichzog. „20 Spiele, 15 Kisten ist schon nicht schlecht. Aber wichtig ist, dass wir gegen die USA gut auftreten“, erklärte der Rekordmann.

„Ich glaube, das bringt uns weiter“, beschrieb Per Mertesacker nach seinem 100. Länderspiel die erhoffte Wirkung der Harakiri-Partie gegen Ghana. „Das hält erstens die Spannung hoch und zweitens haben wir mal richtig gelitten unter diesen Bedingungen. Das war gut so, damit wir gerüstet sind für den weiteren Weg.“

dpa

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