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Überregional Um Uli Hoeneß wird es einsamer
Sportbuzzer Fußball Überregional Um Uli Hoeneß wird es einsamer
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20:09 11.07.2013
Foto: Der vorerst letzte große Auftritt: Uli Hoeneß präsentiert Pep Guardiola.
Der vorerst letzte große Auftritt: Uli Hoeneß präsentiert Pep Guardiola. Quelle: dpa
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München

Seinen letzten Auftritt in der Öffentlichkeit hatte er vor zweieinhalb Wochen, als der FC Bayern München seinen neuen Trainer vorstellte. Der Triple-Sieger engagierte mit Pep Guardiola den angeblich besten Trainer der Welt und setzte damit ein omnipotentes Signal: Mehr geht im Fußball nicht. Möglicherweise war es das letzte Mal, dass sich Vereinspräsident Uli Hoeneß im Bayern-Ruhm sonnen konnte. Die einen Beobachter sahen eine stille Zufriedenheit in seinen Gesichtszügen, die anderen eher Bedrückung. Denn ein Strafprozess gegen ihn wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe rückt näher. Und damit womöglich auch das Ende von Hoeneß als allmächtigem Bayern-Patriarchen.

Uli Hoeneß steht seit 40 Jahren im Fokus der Öffentlichkeit – als Fußballer und Reizfigur.

„Bild“ vermeldete am Dienstag, dass die Münchener Staatsanwaltschaft im Sommer Anklage gegen Uli Hoeneß erheben werde. Damit wäre die Hoffnung des 61-Jährigen zerschellt, dass er mit seiner Selbstanzeige wegen der nicht versteuerten drei Millionen Euro in der Schweiz einen Prozess verhindern kann. Der Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich bestätigt den Zeitungsbericht nicht. „Das Ermittlungsverfahren dauert an“, sagt er der HAZ. Alle weiteren Aussagen, ob Anklage erhoben wird oder nicht, seien gegenwärtig „unseriös“.

Während die Bayern-Kicker ihren neuen Trainer im Trainingslager am Gardasee allmählich kennenlernen, wird es um Hoeneß einsamer. Die Steuerhinterziehung hatte er in einem Interview als „größten Fehler meines Lebens“ bezeichnet. Von dem früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus hatte er einst 20 Millionen Mark geliehen bekommen, um an der Börse zu spekulieren. Hoeneß zockte heftig, so sagt er, zahlte das Geld zurück, zockte weiter. Die Erlöse ließ er auf dem Schweizer Konto liegen.

Es steht fest, dass die Staatsanwaltschaft in den nächsten Wochen über eine Anklageerhebung entscheidet. Vieles spricht dafür, dass Anklage erhoben wird. Denn Hoeneß’ Selbstanzeige vom Januar dieses Jahres war offenbar lückenhaft. Darauf weist die Hausdurchsuchung bei ihm am Tegernsee vom 20. März hin. Einer Verhaftung konnte Hoeneß nur entgehen, indem er fünf Millionen Euro Kaution hinterlegte. Seitdem ist er nur auf Kaution vorläufig frei. Im April war der Fall bekannt geworden. Das Steuergeheimnis war bei Hoeneß aufgehoben. Wo die undichte Stelle sitzt, die dem „Focus“ die Affäre berichtete, ist nicht bekannt. 

Man hat nur einen Schuss frei – wenn die erste Selbstanzeige nicht umfassend ist, wird ermittelt und in der Regel auch Anklage erhoben. Hoeneß’ Anwälte bemühen sich daher derzeit, den guten Willen ihres Mandaten hervorzukehren, der in seiner Selbstanzeige nicht absichtlich Dinge verschweigen wollte. Gerhard Wipijewski von der Bayerischen Finanzgewerkschaft meint allerdings: „Keiner will sich nachsagen lassen, den Hoeneß geschont zu haben.“

Wird Anklage erhoben, steht das Lebenswerk des „Mister FCB“ vor der Zertrümmerung. Hoeneß müsste sicherlich seine Posten als Präsident und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Vereins zumindest vorübergehend niederlegen. Ein Zeitplan lässt sich nicht zuverlässig aufzeichnen. Zwischen Anklageerhebung und Prozessbeginn dürften mehrere Monate liegen, ebenso bis zu einem Urteil. Bisher stand der Aufsichtsrat des FC Bayern einstimmig hinter Hoeneß. Bei einer Anklage jedoch müssten ihn die Mitglieder – darunter die Vorstandschefs von VW, Audi und Adidas sowie Edmund Stoiber – auf jeden Fall vorläufig bis zu einem Urteil fallenlassen.

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