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Überregional „Es kann eine überragende Saison werden“
Sportbuzzer Fußball Überregional „Es kann eine überragende Saison werden“
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00:15 05.04.2015
„Können gegen jeden Gegner gewinnen“: Dieter Hecking hat mit dem VfL viel vor.
„Können gegen jeden Gegner gewinnen“: Dieter Hecking hat mit dem VfL viel vor. Quelle: Torsten Silz
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Wolfsburg

Herr Hecking, was wird nach der Länderspielpause besser?

Noch besser? (schmunzelt) Jetzt geht es darum, die Ernte einzufahren.

In den nächsten Wochen geht es um alles.

Die ganze Saison ist bislang Freude pur. Wie wir in allen drei Wettbewerben agieren, ist außergewöhnlich gut. Ich glaube, dass wir gegen jeden Gegner gewinnen können. Die Dinge nacheinander anzugehen - das ist genau das, worauf es jetzt ankommt, was ich immer wieder predige.

Muss der VfL jetzt nicht einen Titel gewinnen - den DFB-Pokal oder die Europa League?

Nein, müssen wir nicht. Man kann auch mal ausscheiden - allerdings sollte man sich von diesen Gedanken frei machen. Wenn es passiert, bleibt es eine sehr gute Saison. Aber im Moment kann es eben auch noch eine überragende Saison werden, wenn wir einen der beiden Titel holen.

Und in der Liga?

Ich glaube, dass wir nicht mehr unter Platz 4 rutschen werden. Da müsste es schon mit dem Teufel zugehen.

Den Spagat zwischen Bundesliga und Europa League bekommt Ihr Team sehr gut hin - womöglich sogar besser, als Sie es selbst gedacht hatten?

Ja, absolut. Mein Trainerstab und ich hatten ja auch relativ wenig Erfahrung mit diesen englischen Wochen. Wir haben gelernt, dass sehr viel auf die Abläufe ankommt: Wann fliegst du zurück? Wann isst du? Wann sind Ruhephasen wichtig? Wie trainierst du?

Und was haben Sie verändert?

Wir haben diese lockere Trainingseinheit am Vormittag eines Spieltages irgendwann weggelassen, weil wir fanden, die Spieler sind am Abend noch heißer auf den Ball, wenn sie ihn vorher am Tag nicht gesehen haben.

Wurden Sie vor Ihrer Zeit beim VfL als Trainer unterschätzt?

Ich bin eben vom Typ her einer, der nicht großartig auffällt. Ich bin mit Aachen aufgestiegen, das war ziemlich spektakulär. In Nürnberg haben wir durchgängig unsere Ziele erreicht. Es gab auch immer mal Anfragen von anderen Klubs, aber erst als Ende 2012 der VfL kam, war die Gelegenheit da, und ich habe gesagt: Ich mache das jetzt. Weil ich mir auch selbst etwas beweisen wollte.

Richtig rausgeflogen sind Sie als Trainer noch nie ...

Nein. (lacht) Das ist auch eine Qualität.

Sie wirken meistens nicht so, als würden Sie gern im Mittelpunkt stehen. Oder täuscht das?

Das täuscht nicht, das ist mein Naturell. Ich bin auch auf Feiern eher der, der am Rand steht und sich alles anguckt. Ich kann auch mal lockere Sprüche machen und auch witzig sein.

Was machen Ihre Sprachkenntnisse?

Englisch wird immer besser. Ab und an fehlt mir die eine oder andere Vokabel. Meine Tochter ist jetzt in der 7. Klasse, und wenn sie in Englisch ein neues Chapter anfängt, setze ich mich zur Auffrischung ab und an dazu. Das ist auch nicht unwichtig, wenn du international unterwegs bist, denn der kleine Smalltalk am Rande findet eben meistens auf Englisch statt.

Viel Wirbel gibt es um Kevin De Bruyne, der mit vielen Topklubs in Verbindung gebracht wird.

Es wird ja so getan, als ob Kevin 2016 wechselt. Er hat Vertrag bis 2019. Er hat hier das gefunden, was er gesucht hat: ein bisschen Ruhe, viel Vertrauen - und jetzt ruft er seine optimale Leistung ab. Es wäre für ihn auch nächste Saison noch einmal eine neue Herausforderung, sich auf Champions-League-Niveau zu zeigen, wenn wir sie denn erreichen. Das muss er auch erst mal hinbekommen, für sich, für uns und für die, die sich vielleicht für ihn interessieren.

Interview: Andreas Pahlmann