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Überregional „Auch wir kämpfen gegen den Schwarzmarkt“
Sportbuzzer Fußball Überregional „Auch wir kämpfen gegen den Schwarzmarkt“
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00:15 03.10.2013
Von Stefan Knopf
Fußballfans sind alles andere als begeistert von der Zusammenarbeit zwischen Fußballvereinen und der Ticketbörse viagogo. Quelle: dpa
Hannover

Eintrittskarten auch für ausverkaufte Fußballspiele, garantierte Lieferung nach Kauf: So wirbt die Ticketbörse viagogo für sich. Bei vielen Fans in Deutschland ist das Internetportal allerdings so beliebt wie ein falscher Elfmeterpfiff. Sie laufen Sturm gegen die Zusammenarbeit von Vereinen mit dem Unternehmen. Tatsächlich stellen immer mehr Klubs ihre Partnerschaften mit viagogo auf den Prüfstand. Kooperationen mit dem Hamburger SV und dem FC Schalke wurden mit viel Getöse beendet, derzeit unterhält viagogo noch Partnerschaften mit den Erstligisten Bayern München, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, 1. FC Nürnberg, 
FC Augsburg, 1899 Hoffenheim und Hannover 96. Sowohl 96-Klubchef Martin Kind als auch der VfB haben zuletzt durchblicken lassen, an einer weiteren Zusammenarbeit nicht interessiert zu sein. Dabei habe viagogo gute Argumente, findet Unternehmenssprecher Steve Roest.

Mister Roest, warum ist viagogo der Buhmann der deutschen Fußballfans?
Ich glaube nicht, dass wir der Buhmann sind. Unser Geschäft in Deutschland wächst wie eine Rakete. Wir werden von vielen Kunden geliebt und genutzt. Es gibt lediglich eine Handvoll Fußballfans, die nicht wollen, dass wir eine Partnerschaft mit ihrem Verein haben.

Aber es sind doch nicht nur einige wenige, da schließen sich ganze Fangruppen zusammen. Haben Sie eine Erklärung für die Ablehnung?
Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung. Es ergeben sich für die Vereine aber klare Vorteile, wenn sie mit viagogo kooperieren: Den Dauerkartenbesitzern wird damit eine sichere Möglichkeit geboten, ihre Tickets weiterzuverkaufen, wenn sie selbst ein Spiel nicht besuchen können. Dadurch werden erstens leere Stadionplätze vermieden, zweitens erhalten die Vereine zusätzliche Einnahmen durch zum Beispiel Getränkeverkäufe, und drittens schützen sie die Fans vor Ticketbetrügern. Trotzdem ist viagogo nicht auf die Partnerschaften angewiesen, um einen sicheren Marktplatz für Tickets zu bieten.

Sieht Martin Kind, der Klubchef von Hannover 96, das anders? Er hat kürzlich angekündigt, den Vertrag mit viagogo 2014 auslaufen lassen zu wollen. Wie überraschend kommt das für Sie?
Es war enttäuschend für uns, als wir das gehört haben. Und wir haben es auch nicht verstanden, denn bislang haben uns sowohl der Verein als auch Herr Kind immer das Gegenteil gesagt. Wir sind ein stolzer Partner von Hannover 96, und ehrlich gesagt hätten wir einen anderen Umgang mitein­ander erwartet. Aber manchmal wird man eben enttäuscht.

Können Sie konkret sagen, wie viele 96-Tickets über viagogo verkauft werden?
Wir machen diese Zahlen nicht öffentlich, aber es sind mehrere Tausend pro Saison. Unsere fünf Bestseller der Bundesliga in dieser Saison sind Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04, Hannover 96 und der VfB Stuttgart. Die Partnerschaft mit 96 ist sehr erfolgreich, was Kartenverkäufe angeht.

Konkret hat Herr Kind gesagt: Die Kooperation mit viagogo „war eine Fehleinschätzung. Sie wird korrigiert.“ Das klingt sehr endgültig. Oder wie groß ist Ihre Hoffnung auf eine weitere Zusammenarbeit?
Ich habe diesen Deal mit dem Verein sehr lange verhandelt. Ich würde ihm gerne die Vorzüge von viagogo erklären, gerne auch in einer öffentlichen Runde, in der er mir seine Meinung direkt sagen könnte. Wir haben ihm das auch angeboten, aber leider nichts gehört. Aber dass er sich über die Presse äußert, ohne vorher mit uns zu sprechen, fand ich persönlich sehr enttäuschend. Wir würden gerne Partner bleiben und länger mit Hannover 96 arbeiten, aber wenn die Partnerschaft beendet wird, ist es kein Problem für uns. Es wird ja weiter Tickets auf der Plattform geben.

Viele Fans ärgern sich über die Preise bei viagogo. Ein Beispiel: Derzeit werden Karten für das Spiel von 96 bei Eintracht Braunschweig im April 2014 angeboten, obwohl der Vorverkauf noch gar nicht begonnen hat. Die Preise beginnen bei 170 Euro und enden bei 566 Euro für einen Platz auf der Osttribüne plus Gebühren. Nach Auskunft von Eintracht Braunschweig kostet ein Platz auf der Osttribüne regulär zwischen 24 und 32 Euro, demnach soll das Ticket bei viagogo das 17- bis 23-fache kosten. Wie kommen solche Angebote zustande?
Viagogo macht die Preise nicht. Die Verkäufer entscheiden, zu welchem Preis sie ihre Tickets anbieten möchten. Die Plattform folgt der Regel von Angebot und Nachfrage. Wenn jemand zu viel verlangt, dann werden die Karten nicht verkauft. Aber wenn die Nachfrage sehr hoch ist und das Angebot sehr knapp, zum Beispiel bei einem kleinen Stadion wie in Braunschweig, kann das natürlich bedeuten, dass die Preise höher sind. Der Preis entsteht aus Angebot und Nachfrage

Aber Eintracht Braunschweig sagt, es gibt die Karten noch gar nicht, also kann es doch auch noch gar kein Angebot geben.
Es gibt viele Leute, die wissen, dass sie eine Karte bekommen oder bereits haben: Dauerkarteninhaber zum Beispiel oder Hospitality-Firmen. Unsere Rolle ist sicherzustellen, dass jemand, der eine Karte kauft, diese auch bekommt.

Sehen Sie bei solchen Preisen keine moralische Verpflichtung einzuschreiten?
Zurück zu unserer Rolle. Wir verbinden Leute, die Tickets haben möchten, mit Leuten, die Tickets haben. Es sind die Käufer, die entscheiden, zu welchen Preisen Tickets verkauft werden oder nicht, es sind nicht die Verkäufer.

Beim Verkauf einer Karte kassiert viagogo zehn Prozent des Preises vom Verkäufer und 15 Prozent vom Käufer, richtig?
Das ist richtig, ja.

Kritiker sprechen von einem „legalen Schwarzmarkt“, der entstehe.
Ein Verkäufer auf der Straße, an der 
U-Bahn-Station oder bei Ebay: Das ist Schwarzmarkt. Es gibt keine Sicherheit, keine Kundenbetreuung, falls etwas schiefgeht. Viagogo ist Sekundärmarkt. Wir bieten einen sicheren Marktplatz, auf dem Leute immer Tickets finden oder verkaufen können. Wenn ein Spiel ausverkauft ist, gibt es drei Optionen: Entweder, man nutzt viagogo, oder man bleibt zu Hause, oder man geht zum Hauptbahnhof und spricht mit jemandem in einer dunklen Ecke und versucht, eine Karte von ihm zu kaufen. Es gibt keine Sicherheit, keine Auswahl, man weiß nicht, was man da kauft, die Karten könnten gefälscht sein. Jedes Jahr gibt es bundesweit Frust unter Fans, weil sie ihr Geld dadurch verlieren. Wir kämpfen mit den Vereinen gegen den Schwarzmarkt.

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