Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Überregional Vier Reformpläne für die Bundesliga
Sportbuzzer Fußball Überregional Vier Reformpläne für die Bundesliga
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:26 10.07.2012
Schale im Finale: Meisterfeier nach 34 Spieltagen wie in diesem Jahr in Dortmund? Geht es nach Leverkusens Klubchef Wolfgang Holzhäuser, dann wird der deutsche Meister künftig in einem Endspiel ermittelt. Quelle: Marius Becker
Anzeige
Hannover

Deutscher Fußballmeister wird, wer nach 34 Spieltagen in der Tabelle oben steht. Und Tor ist, wenn der Schiedsrichter sagt, dass der Ball über der Linie war. Darauf war in der Bundesliga in der Vergangenheit Verlass. Ausgerechnet vor der Jubiläumssaison, der 50., macht sich die Fußballbranche Gedanken über Reformen.

Der Weg für eine Torkamera oder einen Chip im Ball ist vom Weltfußballverband FIFA geebnet, die Bundesligaklubs werden ihn in ein, zwei Jahren beschreiten. Ein Zurück gibt es in der Technikfrage nicht mehr. Doch im Gespräch ist noch mehr. Ein neuer Spielplan, eine 1. und 2. Liga mit mehr Teams, eine Play-off-Runde zur Ermittlung des Meisters - in den letzten Wochen und Monaten ist auffällig viel diskutiert worden, was die Bundesliga erheblich verändern würde. Aus welcher Ecke kommen die Ideen und warum? Welchen Charme haben sie und welche Nachteile?

Anzeige

Die HAZ stellt die vier größten Reformpläne vor.

Torlinientechnik

"Wenn ein Spieler ein Tor schießt“, hat Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp über Sinn und Unsinn der Torlinientechnik gesagt, „finde ich es ganz praktisch, wenn es dann auch gilt.“ Nun hat der Fußball-Weltverband FIFA den Weg frei gemacht für die Torkamera (Hawk-Eye) oder den „intelligenten Ball“ (GoalRef), und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Bundesliga für die Einführung des einen oder des anderen Systems entscheidet. Zuvor gibt es allerdings noch ein paar Detailfragen zu klären. Zwar kann der Ligaverband verbindliche Regelungen für die 1. und 2. Liga treffen. Was aber geschieht, wenn im DFB-Pokal ein Amateurverein einen Profiklub empfängt? Was passiert in der Relegation zur 2. Liga? Und wer finanziert das System? Vor allem klamme Klubs schauen schon jetzt mit Grausen auf die Kosten, die sich am Horizont abzeichnen: Die Installierung des Kamerasystems Hawk-Eye, das im Tennis bereits seit Jahren eingesetzt wird, kostet pro Stadion rund 300.000 Euro. Das System wird vertrieben von der Firma Sony, einem der großen FIFA-Sponsoren. Der „intelligente Ball“ kostet Schätzungen zufolge etwa die Hälfe und gilt deshalb als Favorit, zu den genauen Summen schweigen sich die Entwickler am Fraunhofer-Institut allerdings aus. Um kleineren Vereinen finanziell entgegenzukommen, hat Bayer Leverkusens Klubchef Wolfgang Holzhäuser vorgeschlagen, einen Teil der Fernsehmillionen für die Finanzierung der Torlinientechnik einzusetzen – ob die großen Klubs, die seit Jahren darum kämpfen, mit den finanziellen Möglichkeiten englischer oder spanischer Vereine mithalten zu können, zu einem Verzicht bereit sind, ist nicht bekannt. Einen Zeitplan gebe es noch nicht, ließ der Ligaverband am Wochenende wissen, frühestens im September, also nach dem Saisonstart, soll das Thema auf die Tagesordnung kommen. Vor der Saison 2013/2014 ist die Einführung nicht möglich; will die Liga nicht als rückständig dastehen, dürfte es aber auch nicht viel später werden.

Spielplanreform

Weil der Fußball als solches den Verantwortlichen des Ligaverbandes offenbar nicht spannend genug ist, denken die Funktionäre über eine Zweiteilung des Spielplans nach. Demnach würde nur noch ein Plan für die Hinrunde erstellt, für die Rückrunde sollen die Ansetzungen unter Berücksichtigung der Halbzeittabelle neu gewürfelt werden. Wäre also ein Zweikampf um die Meisterschaft zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München absehbar, könnte der Ligaverband das Rückspiel der beiden auf den letzten Spieltag verschieben in der Hoffnung, dass es so zu einem verkappten Endspiel um den Titel kommt. Gleiches wäre möglich für den Kampf um die Europapokalplätze und für den Abstiegskampf. Nicht berücksichtigt dabei ist die Unberechenbarkeit des Fußballs: In der Saison 2008/2009 beispielsweise stürzte Herbstmeister Hoffenheim in der Rückrunde auf den 7. Tabellenplatz ab.

Endspiel um den Titel

Der Tabellenvierte als späterer Meister? Was in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) möglich ist, soll es nach Meinung von Wolfgang Holzhäuser auch in der Fußball-Bundesliga geben. Dem Klubchef von Bayer Leverkusen schwebt eine Endrunde mit den besten vier Mannschaften vor, der Meister soll dann in zwei Halbfinalspielen und einem echten Endspiel ermittelt werden. „Die Spannung könnte sicher nicht größer sein. Die Zufriedenheit der Fans sicher auch nicht“, hat Holzhäuser ein paar Wochen vor der Europameisterschaft gesagt und „Mut zu Veränderungen“ gefordert. Das mit der Spannung und der Zufriedenheit ist allerdings zweifelhaft: Im Eishockey ist schön zu beobachten, wie sich eine attraktive Sportart der Spannung beraubt, indem sie 52 Spieltage absolviert, um danach wieder alles auf null zu stellen. Ein Play-off-Finale ist dann vielleicht tatsächlich interessant, davor aber herrscht größtenteils Langeweile, weil es egal ist, ob man nun Erster oder Vierter wird: Lässt sich ja alles noch korrigieren. Warum ausgerechnet Holzhäuser, den viele für einen der klügsten Köpfe im deutschen Fußball halten, auf eine solche Schnapsidee kommt, ist rätselhaft, außer man holt zu einer kleinen Grätsche aus: Eine Play-off-Runde würde auch Bayer Leverkusen, dem Klub, der trotz guter Gelegenheiten noch nie Meister war, eine Chance auf die Schale ermöglichen. Ausgerechnet Jupp Heynckes, ehemaliger Bayer-Coach und jetzt Trainer des FC Bayern München, hat Holzhäusers Plan als Erster abgelehnt. Er halte überhaupt nichts davon, „am Modus etwas zu ändern. Wenn die Liga langweilig wäre, dann ja. Aber es ist doch optimal“, sagte Heynckes. Eine zusätzliche Meisterrunde nach der regulären Runde gab oder gibt es in Russland, Belgien, Israel und Schottland.

20 Mannschaften statt 18

Die Idee wird alle Jahre mal wieder aus der Kiste geholt: die Aufstockung der 1. und 2. Liga auf jeweils 20 Vereine statt wie bisher jeweils 18 Klubs. Treuester Anhänger des 20er-Plans ist Heribert Bruchhagen, Vorstandschef von Eintracht Frankfurt. Nach einem gescheiterten Antrag im Jahr 2005 hat er die Idee in diesem Jahr wiederbelebt, die Resonanz hielt sich allerdings in Grenzen. In der Vergangenheit war sie immer ins Gespräch gebracht worden, um mehr Geld einzusammeln durch mehr Spieltage. Weil der neue TV-Vertrag den 36 Profiklubs von der Saison 2013/2014 aber auch ohne Aufstockung bessere finanzielle Möglichkeiten bietet, ist der Reiz der Idee dahin. Ganz uneigennützig ist Bruchhagens Plan nicht, denn gerade „Fahrstuhlteams“ wie seine Eintracht hätten in einer 1. Liga mit 20 Klubs bessere Überlebenschancen. Größter Feind einer Ligaufstockung ist Bundestrainer Joachim Löw, denn die Nationalspieler wären mehr belastet.

Stefan Knopf und Heiko Rehberg

Überregional Olympia-Qualifikation mit Kompetenzteam - Eishockey-Team ohne Bundestrainer
09.07.2012
09.07.2012
Überregional Welt- und Europameister - Deschamps trainiert Frankreich
10.07.2012