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Überregional Warum es in Wembley ein deutsches Finale geben muss
Sportbuzzer Fußball Überregional Warum es in Wembley ein deutsches Finale geben muss
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00:15 02.05.2013
Foto: Die HAZ-Sportredaktion hat zehn Gründe zusammengestellt, warum es in Wembley ein deutsches Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund geben muss.
Die HAZ-Sportredaktion hat zehn Gründe zusammengestellt, warum es in Wembley ein deutsches Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund geben muss. Quelle: dpa
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Borussia Dortmund gegen Real Madrid

Weil Real zwar einen königlichen Namen trägt, Dortmund aber königlich spielt. Die Borussia hat in dieser Champions-League-Saison noch kein Spiel verloren – das kann keiner der anderen drei Halbfinalisten von sich behaupten. Der BVB ist in diesem Jahr ein Garant für das Spektakuläre und hat mit diesem Stil nicht nur weit über Dortmund hinaus neue Freunde gewonnen, sondern auch weit über Deutschland hinaus. Der 4:1-Hinspielsieg gegen Madrid ist da nur ein Beispiel; erinnert sei auch an die Gruppenphase, in der es schon ein Treffen mit dem spanischen Meister gegeben hatte (2:1 und 2:2) oder an die beiden Spiele gegen den englischen Meister Manchester City (1:1 und 1:0). 

Weil das Tor diesmal auf der richtigen Seite fallen muss. Es ist zwar schon 15 Jahre her, aber das Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid 1998 spielt in der Dortmunder Vereinschronik eine große Rolle. Wobei die sportlichen Aspekte weitgehend in Vergessenheit geraten sind; umso besser ist dafür in Erinnerung geblieben, wie vor dem Hinspiel in Madrid das Tor im Bernabéu-Stadion umkippte und sich Kommentator Marcel Reif und Moderator Günther Jauch zum Grimmepreis quasselten. Der Anpfiff verzögerte sich um 76 Minuten, der BVB verzichtete auf einen Protest, verlor mit 0:2 und war zwei Wochen später ausgeschieden. Nun wäre die Gelegenheit zur Revanche. Und wo wir gerade dabei sind: Reals Trainer damals hieß übrigens Jupp Heynckes.

Weil diese Mannschaft sich mit einem großen Abend verabschieden muss. Nächste Saison wird Borussia Dortmund ein anderes Gesicht haben, das steht bereits fest. Mario Götze wechselt zu Bayern München, Robert Lewandowski könnte ebenfalls gehen, wenn die Ablösesumme stimmt und Ersatz bereitsteht. Also so lange wie möglich genießen, bitte.

Borussia Dortmund siegte beim Champions-League-Spiel gegen Real Madrid am Mittwochabend mit 4:1.

Weil Jürgen Klopp im berühmtesten Fußballtempel der Welt eine bessere Figur abgibt als José Mourinho. Nichts gegen den Real-Trainer, aber Mourinhos Standardrepertoire insbesondere bei Niederlagen – schlechte Laune und Verschwörungstheorien – gehört in die spanische Liga und nicht in ein Champions-League-Finale. Dann doch lieber ein lockerer Klopp, der auf der großen Bühne sogar die
Anzugpflicht akzeptiert.

Weil auch die Statistikfreunde ihre Freude haben sollen. Es kann ja nie schaden, wenigstens einen aussichtsreichen Finalisten im Endspiel zu haben. Der
FC Bayern – und an dieser Stelle setzen wir einfach einmal voraus, dass die Münchener am 25. Mai in Wembley dabei sind – hat von bislang vier Finals in der Champions League drei verloren. Borussia Dortmund hat alle seine Finals gewonnen. Zugegeben: Es war nur eines. Aber die Statistik lügt ja bekanntlich nie.

FC Bayern München gegen FC Barcelona

Weil der FC Bayern zurzeit die beste Mannschaft in Europa ist. Es ist unglaublich, mit welcher Entschlossenheit sie in dieser Saison ihre Ziele verfolgen. In der Bundesliga erstarren die Gegner regelmäßig in Ehrfurcht, und in der „Königsklasse“ bewiesen die Münchner gegen Juventus Turin und noch eindrucksvoller beim 4:0-Triumph im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona, dass es in dieser Saison die Bayern sind, die es zu schlagen gilt. Bei der Gala gegen Barcelona wurde klar, dass sie endlich das sind, was sie immer sein wollten: Die Nummer 1 in Europa.

Weil selbst die Bayern eine zweite Chance haben sollten. Für viele Fans gibt es nichts Schöneres als eine Niederlage des FC Bayern. Wenn die Münchener die Lederhose ausgezogen bekommen, klatscht selbst der Dortmunder mit dem Schalker Anhänger ab. Mitleid? Das wäre ja noch schöner. Nach dem verlorenen „Finale dahoam“ im vergangenen Jahr gegen den FC Chelsea haben jedoch auch viele derjenigen mit den Bayern gelitten, die ihnen sonst nicht die Daumen drücken. Weil die Niederlage nach Elfmeterschießen so bitter, dramatisch und ungerecht war. Zumindest die Chance auf Wiedergutmachung für das Final-Fiasko haben sich die Bayern verdient. Und wenn es dann in London gegen Borussia Dortmund geht, gilt für die meisten Fans ohnehin wieder: Es gibt nichts Schöneres als eine Bayern-Niederlage.

Gigantisch FC Bayern! Nach einem der größten Auftritte in der Champions League gegen Lionel Messi und den FC Barcelona ist dem deutschen Fußball-Primus das Finale kaum noch zu nehmen.

Weil ein großer Trainer einen großen Abschied verdient hat. Jupp Heynckes will sich nach dem nicht ganz freiwilligen Rückzug als Bayern-Coach mit dem historischen Triple aus München verabschieden. Auch wenn im Hintergrund Sportdirektor Matthias Sammer fleißig an der Erfolgsstory der Bayern mitgeschrieben hat, den größten Anteil hat Heynckes.

Weil der FC Bayern seinen Ruf in Spanien als „schwarze Bestie“ gegen Barcelona bestätigt hat. Diesen Namen haben die Anhänger von Real Madrid den Bayern verpasst, weil sie gegen die Deutschen schon so oft den Kürzeren gezogen haben. Kann ja nicht schaden, wenn auch der FC Barcelona in Zukunft ein bisschen Angst vor der Bestie aus Bayern hat.

Weil die Frage spannend ist, ob Uli Hoeneß überhaupt mit nach London darf. Gut möglich, dass Hoeneß aufgrund von Fluchtgefahr in seiner Villa am Tegernsee bleiben muss. Sollten die Bayern die Champions League gewinnen, würden die nächsten Monate sicherlich leichter für den Bayern-Präsidenten. Beim täglichen Polieren des Pokals vergeht die Zeit in der Zelle in Stadelheim viel schneller.

Von Stefan Knopf und Christian Purbs