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08:50 22.10.2013
Von Stefan Knopf
Der deutsche Nationalspieler Lukas Podolski beim FC Arsenal. Quelle: dpa
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Hannover

Um die Begeisterung zu verstehen, die Mesut Özil bei seinem neuen Verein FC Arsenal auslöst, hilft vielleicht eine kleine Geschichte. Kaum hatte der englischen Premier-League-Klub Ende August die Verpflichtung des deutschen Fußball-Nationalspielers bekannt gegeben, wurde das Trikot mit der Rückennummer 11 zum Verkaufsrenner im Fanshop. Innerhalb von nur einer Stunde soll Arsenal 100.000 Euro allein am Verkauf von Özil-Trikots verdient haben.

Unglaublich? Vielleicht. Doch Tatsache ist, dass an Spieltagen Özil-Hemden rund ums Arsenal-Stadion im Norden Londons das am häufigsten getragene Fan-Utensil sind. Der 25-Jährige steht an der Spitze einer deutschen Welle beim Londoner Klub, die vor dem Champions-League-Spiel gegen Borussia Dortmund am Dienstag (20.45 Uhr, nicht live im frei empfangbaren Fernsehen) neue Aufmerksamkeit erfährt. Und Özil ist das Symbol für den Wandel beim FC Arsenal.

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Einst galten die Londoner als stilbildende Mannschaft des europäischen Fußballs, aber das war lange, bevor die Spanier mit dem FC Barcelona voran dem Gegner den Ball wegnahmen und ihre endlosen Ballstaffetten unter der Bezeichnung „Tiki Taka“ zum neuen Maßstab im Fußball erhoben. Arsenal war die Mannschaft der Franzosen, und als die Generation um Thierry Henry, Robert Pires oder Patrick Vieira mit der französischen Nationalelf kurz nach der Jahrtausendwende den Zenit überschritten hatte, da begann auch Arsenals Leidenszeit. Fast neun Jahre liegt der letzte Titel inzwischen zurück; 2005 gewann der Verein den FA-Cup, die letzte Meisterschaft feierte Arsenal 2004.

Jetzt ist Arsenal erstmals seit 2009 wieder Tabellenführer der Premier League, und ins Duell mit dem BVB gehen die Londoner gleichfalls als souveräner Spitzenreiter. All das hängt eng zusammen mit dem deutschen Lager, das es inzwischen gibt beim FC Arsenal: Mit Özil, Per Mertesacker und dem derzeit verletzten Lukas Podolski stehen drei deutsche Nationalspieler im Kader der Londoner. So etwas hat es auch in der Geschichte des deutschen Fußballs erst einmal gegeben: als Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann in den neunziger Jahren gemeinsam für Inter Mailand kickten. Insgesamt bringt es Arsenal sogar auf einen deutschen Sechserpack, denn zu den drei Nationalspielern kommen noch drei Talente: Serge Gnabry, 18 Jahre alt und deutscher „U 19“-Nationalspieler, stand in dieser Saison zweimal in Arsenals Startelf und schoss dabei ein Tor. Thomas Eisfeld (20) spielte einmal im Ligapokal und traf ebenfalls einmal, und Gedion Zelalem (16) saß in dieser Saison bei den Profis schon mal auf der Bank. Jahrelang hatte Arsenal seine besten Spieler verkaufen müssen, allen voran Cesc Fabregas und Robin van Persie. Özil ist der erste Spieler, für den der Klub wieder tief in die Kasse gegriffen hat. 50 Millionen Euro legte Arsenal für Özil im Sommer auf den Tisch; ein Donnerschlag für die Fans, die an eine neue Aufbruchstimmung bei den „Gunners“ glaubten, und für die Mannschaft, die Özil auf ein höheres Niveau hebt. „Wer Mesut auf dem Feld sieht und sich nicht in ihn verliebt, hat keine Ahnung von Fußball“, schwärmt Wenger über seinen Spielmacher.

Özil und Podolski sind in London längst so bekannt wie Popstars, und wer hätte das gedacht: dass englische Fans eines Tages einmal ausgerechnet den deutschen Fußballern zujubeln würden? Mithilfe der Deutschen die Deutschen schlagen: Das ist eine Vorstellung, mit der sich Arsenal heute Abend gut anfreunden kann.

Stefan Knopf 23.10.2013