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Überregional Wird in der britischen Premier League gedopt?
Sportbuzzer Fußball Überregional Wird in der britischen Premier League gedopt?
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07:34 04.04.2016
Dopingskandal erschüttert britischen Sport: Angeblich 150 Spitzenathleten betroffen. Quelle: dpa
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London

Fünf Monate vor Beginn der Olympischen Spiele wird Großbritannien von einem Dopingskandal erschüttert. Nach Recherchen des WDR und der englischen Zeitung „Sunday Times“ soll der Londoner Gynäkologe Mark Bonar in den vergangenen sechs Jahren rund 150 Spitzensportler mit Dopingmitteln versorgt haben. Zu Bonars Kunden sollen auch Fußballprofis der Topklubs FC Arsenal, FC Chelsea und Premier-League-Tabellenführer Leicester City sowie Teilnehmer der Tour de France, Kricket-Profis, Boxer und Tennisspieler gehören.

In einer WDR-Dokumentation, die am Sonntagabend in der ARD-„Sportschau“ gezeigt wurde, berichtet der Arzt einem eingesetzten Lockvogel vor versteckter TV-Kamera über sein umfangreiches Dopinggeschäft. „Natürlich sind einige der Behandlungen, die ich mache, im Profisport verboten“, sagt Bonar. „Aber ich habe das schon mit vielen Sportlern gemacht. Jahrelang. So ziemlich aus jedem Sport.“

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Die drei Premier-League-Klubs Arsenal, Chelsea und Leicester wiesen die Dopingvorwürfe am Sonntag zurück. „Die Anschuldigungen sind falsch und entbehren jeder Grundlage“, hieß es in einer Mitteilung des FC Chelsea. Der Verein habe niemals die Dienste von Bonar in Anspruch genommen und auch keine Kenntnis davon, dass Chelsea-Spieler von ihm behandelt worden seien. Der FC Arsenal, Verein von Mesut Özil und Per Mertesacker, teilte mit, dass man sich vollständig an die Anti-Doping-Regeln halte.

Dagegen behauptet Bonar, dass er mit englischen und auch Spielern aus dem Ausland zu tun gehabt habe. „Auch mit einem ganz Großen, dem habe ich Epo, Testosteron und Wachstumshormone gegeben“, sagt er. „Fußballer werden ja sowieso kaum getestet. Und ältere Spieler über 30 müssen was machen, die können mit den jungen Spielern um die 18 sonst doch gar nicht mithalten.“

Der designierte Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), Olivier Niggli, reagierte auf die ihm vorab gezeigte TV-Dokumentation bestürzt. „Es ist sehr beängstigend für mich zu sehen, wie ein Mediziner ein solches Verhalten an den Tag legt“, sagte er. Pikant ist zudem, dass die britische Anti-Doping-Agentur (UKAD) im Auftrag der Wada nach Aufdeckung des flächendeckenden Dopings in Russland die Planung der Tests russischer Athleten übernommen hat. Denn die UKAD steht nun im Fall Bonar selbst unter Druck. Laut WDR-Angaben soll sich ein selbst des Dopings überführter Sportler als Whistleblower vor längerer Zeit an die britische Agentur gewandt haben und Beweise für die Dopingumtriebe Bonars vorgelegt haben. Die UKAD habe dem Informanten aber Anfang 2015 mitgeteilt, keine Grundlage für Ermittlungen gegen den Arzt zu sehen.

Der britische Kulturminister John Whittingdale zeigte sich angesichts der Enthüllungen „geschockt und zutiefst besorgt“. Er ordnete eine Untersuchung der Vorwürfe an. Entsetzt reagierte auch die britische Siebenkampf-Olympiasiegerin Jessica Ennis-Hill. „Der Fall zeigt, dass der britische Sport ein größeres Dopingproblem hat, als sich viele von uns vorgestellt haben“, sagte sie.

Die britische Anti-Doping-Agentur erklärte in einer Stellungnahme, dass die von dem Athleten vorgelegten Beweise für ein verbotenes Handeln von Bonar nicht ausreichend gewesen seien. „UKAD erhielt im Oktober 2014 handgeschriebene Rezepte des Sportlers. Er behauptete, dass sie von Dr. Bonar ausgestellt seien“, hieß es in der Mitteilung. Nach einer Prüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen sei man jedoch zum Urteil gelangt, den Fall nicht weiter zu verfolgen.

dpa/sid