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Hannover 96 Hannover 96: Dieser Mann kennt die ganze Geschichte
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20:16 11.04.2016
Von Jörg Grußendorf
„Da wollte ich mehr wissen“: 96-Archivar Hans-Heinrich Kellner. Quelle: HAZ
Hannover

Es gibt kaum etwas, was er über Hannover 96 nicht weiß. Hans-Heinrich Kellner kennt sich in der Geschichte des Clubs, der jetzt seinen 120. Geburtstag feiert, aus wie kaum ein anderer. Und gibt es doch einmal Unklarheiten, dann recherchiert der 57-Jährige so lange, bis es keine mehr gibt. Dann kann er hartnäckig sein, da können die Nachforschungen noch so schwierig sein. Wenn es um seinen Lieblingsclub geht, dann vergisst der Verwaltungsfachangestellte fast alles um sich herum.

96 hat inzwischen erkannt, welch Juwel es in seinen Fan-Kreisen hat und ihn 2006 zum ehrenamtlichen Archivar das Clubs gemacht. Kellner ist eine Bereicherung, kann mit historischen Fotos aushelfen, kann aber auch Anekdoten erzählen über fast jeden Spieler, der mal für 96 aktiv war. Seine Wohnung in Diepholz ist voll mit Ordnern, Wimpeln und Alben. So hat er Autogramme von allen Spielern nach dem Zweiten Weltkrieg; es fehlen lediglich Harry Heiner, der sehr früh gestorben ist, und Werner Moll.

Seinen ersten Kontakt mit den „Roten“ hatte Kellner, der in Hannover geboren wurde und in Gleidingen aufgewachsen ist, da war er schon zwölf Jahre alt. Ein Klassenkamerad der Waldorfschule, Helmut Geiger, hatte ihn mit ins Niedersachsen-Stadion genommen. Und fortan war sein Interesse für den Club geweckt. Seine Leidenschaft aber wurde 96 erst nach dem sensationellen Pokaltriumph 1992. „Das hat mich emotional sehr berührt“, sagt Kellner, „da wollte ich mehr über die Historie wissen. Ich kannte Jörg Sievers oder Michael Schönbergh. Aber: Was war dann davor?“

Erst interessierte ihn hauptsächlich die Bundesligazeit der „Roten“. Und selbst da stieß Kellner auf etliche Namen, die er noch nie gehört hatte. Das machte ihn noch neugieriger. Es folgte die Suche nach Informationen über Zweit- und Regionalligaspieler. Und dann wollte er auch mehr über die Zeit vor 1964 bis hin zur Gründung wissen. Kellner wendet auch heute noch ungefähr eine Stunde täglich für Recherchen auf. Wie aufwendig es ist, Fotos oder Autogramme von Spielern zu erhalten, erklärt Kellner an mehreren Beispielen. „Wichtig ist, den kompletten Namen zu haben“, sagt er, „dann gucke ich zuerst im Telefonbuch.“ Gibt es mehrere mit dem Namen, telefoniert er sie nacheinander ab, bis er dann hoffentlich den Richtigen gefunden hat. Schwieriger wird es, wenn der Betreffende nicht mehr in der Region Hannover wohnt. Dann spricht der 57-Jährige ehemalige Mitspieler an. Reichte auch das nicht, versucht er es beim Einwohnermelde- oder beim Standesamt. Regelmäßig meldet er sich auch bei der WAST in Berlin, der Meldestelle für ehemalige Wehrmachtsangehörige. „Das ist eine wahre Goldgrube“, sagt Kellner. Inzwischen bemüht er natürlich darüber hinaus das Internet.

Aber oft reicht auch das nicht. Manchmal helfen dann Todesanzeigen in der HAZ. So ist auch ein Kontakt zu der Tochter von Hans-Joachim Lehmann entstanden, der in der Saison 1934/1935 ein Ligaspiel für 96 gemacht hat. Auch die HAZ-Sportredaktion hat ihm schon bei seiner Recherche geholfen. In der früheren Rubrik „Schorses Pausentee“ suchte er nach Informationen über den Argentinier Christian Rudzki (1972/1973 bei 96). Ein anderer 96-Fan half ihm – und über einen „kicker“-Auslands-Korrespondenten entstand ein direkter Kontakt zum Spieler, mit dem sich Kellner lange schrieb.

Informationen über mehr als 900 Spieler in Wort und Bild hat Kellner bereits gesammelt. Aber er wühlt munter weiter. Er möchte schließlich alles über 96 haben und wissen.

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