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Hannover 96 Kind spielt auf Zeit
Sportbuzzer Hannover 96 Kind spielt auf Zeit
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00:18 30.05.2015
Von Jörg Grußendorf
„Der Ball liegt beim Club“: Vieles deutet darauf hin, dass Hannover 96 mit Trainer Michael Frontzeck verlängert. Doch es soll auch Gespräche mit André Breitenreiter (l.) und Jos Luhukay geben. Quelle: Lobback/dpa (2)
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Hannover

Die Sache ist ganz einfach. Der Ball liegt sozusagen ein paar Zentimeter vor der Torlinie, Martin Kind muss ihn nur noch darüberschießen. Doch der Clubchef von Hannover 96 macht es nicht. Er zögert. Der 71-Jährige bietet dem „Retter“ der „Roten“ keinen neuen Vertrag an. Zumindest noch nicht. Michael Frontzeck, der in Windeseile aus einem Haufen von Einzelspielern wieder eine Mannschaft geformt hat, der den Erfolg nach Hannover zurückgebracht und somit einen Riesenanteil am Klassenerhalt hat, muss sich gedulden. „Der Ball liegt beim Club“, sagt er.

Doch der nimmt ihn (noch) nicht auf. Kind führte eine Menge Gespräche, auch mit Frontzeck, der am Dienstag gegen halb fünf nachmittags die Firmenzentrale des Clubchefs in Großburgwedel verließ. Und auch wenn eine Vertragsverlängerung mit dem 51-Jährigen sehr nahe liegt, so sträubt sich Kind anscheinend weiter, eine Entscheidung zu fällen. Er wolle sich Zeit lassen und sprach von einem Zeitraum von einer Woche: „Bis dahin passiert nichts.“ Das ist sein gutes Recht, doch es gibt so viele Baustellen im Verein. 96 steht derzeit ohne Trainer da, hat einen Sportdirektor (Dirk Dufner), der keine Rolle mehr spielt. Dazu will Kind einen Geschäftsführer Finanzen installieren, der ihn entlastet. Und die Mannschaft muss runderneuert werden; es müssen also wichtige Transfers getätigt werden.

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Während andere Mannschaften personell bereits gut aufgestellt sind für die neue Saison, ist bei 96 noch nicht einmal die Entscheidung darüber gefallen, wer sich denn um diese Transfers kümmern soll. Natürlich muss Kind alle Entschlüsse sehr gut abwägen, sollte aber schon aufs Gas drücken. Warum aber spielt er auf Zeit?

Was die Besetzung der Stelle des Geschäftsführers betrifft, scheint er sehr weit zu sein. Andreas Rettig, ehemaliger DFL-Geschäftsführer, soll laut „Bild“-Zeitung ein konkretes Angebot der „Roten“ vorliegen haben. Und vielleicht ist es auch die Personalie Rettig, die Kind in der Trainer-Frage zögern lässt: Der 52-Jährige hat nämlich aus gemeinsamen Augsburger und Kölner Zeiten noch eine große Nähe zu Jos Luhukay.

  • Jos Luhukay: Der 51-Jährige ist mit Mönchengladbach, Augsburg und Hertha BSC aufgestiegen; in der 1. Liga hielt er sich dann aber nicht sehr lange. Er gilt als Eigenbrötler.

Ein offenes Geheimnis ist, dass Kind ein sehr großes Interesse daran hat, einen früheren 96er zurückzuholen: André Breitenreiter. Aber auch Sascha Lewandowski steht auf dessen Liste weit oben.

  • André Breitenreiter: Der 41-Jährige, Mitglied der 96-Pokalsiegermannschaft von 1992, ist mit dem SC Paderborn zwar gerade erst abgestiegen, hat aber bei den Westfalen wie schon vorher beim Regionalligisten TSV Havelse großartige Arbeit geleistet. Und wie aus der SC-Clubführung zu hören ist, besitzt Breitenreiter in seinem Vertrag bis 2016 zwar keine Ausstiegsklausel für die 1., wohl aber für die 2. Liga. Ein großes Trainertalent.
  • Sascha Lewandowski: Der 43-Jährige ist Nachwuchs-Cheftrainer bei Bayer Leverkusen. In der Saison 2012/2013 war er gemeinsam mit Sami Hyypiä Cheftrainer des Bundesligateams. Bayer-Sportchef Rudi Völler betonte, dass Lewandowski unter Vertrag stehe und im Nachwuchsbereich eine wichtige Aufgabe zu erfüllen habe. Wer auch immer ihn engagieren wolle, „muss erst einmal mit uns reden“. Außer 96 soll auch Eintracht Frankfurt, wo Thomas Schaaf gestern zurücktrat, ein Auge auf Lewandowski geworfen haben. Ein Perspektivtrainer.
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