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Hannover 96 „Man glaubt das erst einmal alles nicht“
Sportbuzzer Hannover 96 „Man glaubt das erst einmal alles nicht“
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21:39 16.11.2015
Von Heiko Rehberg
96-Geschäftsführer Martin Bader. Quelle: Maike Lobback
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Hannover

Herr Bader, wie und wo haben Sie am Freitagabend von den schrecklichen Ereignissen in Paris erfahren?
Wir waren auf der Rückfahrt von Minden (Hannover 96 hatte dort ein Testspiel gegen den Zweitligisten Arminia Bielefeld mit 1:2 verloren, d. Red.). Ich habe deshalb das Länderspiel der deutschen Mannschaft in Paris nicht sehen können. Ich habe das Spiel im Auto live im Radio verfolgt, ich weiß nicht mehr genau, auf welchem Sender, und dann im Laufe der Reportage mitbekommen, dass in der Stadt etwas passiert ist. Man glaubt das erst einmal alles nicht, das ist wie bei Nine-Eleven (den Terroranschlägen in Amerika am 11. September 2001, d. Red.). Das sind erst einmal surreale Dinge, die Vorstellungskraft, dass so etwas passieren kann, hat man nicht. In den Kategorien denkst du nicht. Das ist wie eine Apokalypse. Das alles hat mich die ganze Freitagnacht, den Samstag und den Sonntag beschäftigt, im Kopf immer auch schon das Spiel in Hannover.

Haben Sie gleich an 96-Torwart Ron-Robert Zieler gedacht, der im Stade de France dabei war?
Ich habe an alle gedacht. Zuerst an die Opfer und ihre Familienangehörigen. Und natürlich denkt man automatisch an den Spieler des Vereins vor Ort. Gott sei Dank ist er da gut rausgekommen. Syrien, der Irak - das ist für uns weit weg. Paris - da war jeder schon, ich mit meiner Frau zuletzt vor drei, vier Monaten. Plötzlich ist das alles ganz nah.

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Hatten Sie in den vergangenen Tagen Kontakt zu Ron-Robert Zieler?
Nein, wir hatten keinen Kontakt und haben bewusst darauf verzichtet. Alex Jacob (der Mediendirektor von 96, d. Red.) hat mit ihm gesprochen, und da gab es das klare Signal, dass bei Ron alles okay ist und er bei seiner Familie gut aufgehoben ist. Wenn wir das Gefühl gehabt hätten, dass das anders ist, dann hätten wir ihm jede Hilfe gegeben.

Vor dem Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach haben die "Roten" auf der Mehrkampfanlage in Hannover trainiert.

Mit welchem Gefühl werden Sie Dienstagabend ins Stadion gehen?
Zunächst einmal halte ich es für das richtige Signal, dass das Spiel stattfindet und wir uns nicht von Terroristen diktieren lassen, wie wir unser Leben zu bestimmen haben. Die Lebensfreude dürfen wir uns nicht von Fanatikern nehmen lassen. Zum anderen ist da aber auch das Wissen, dass so etwas auch in Deutschland passieren kann. Ich habe aber im Stadion keine Angst. Ich verlasse mich da auf die Sicherheitsexperten, die übrigens im Stade de France einen sehr guten Job gemacht haben. Es ist schlimm, wie viel man bei einer Nebensächlichkeit, und das ist der Fußball, bedenken muss beim Thema Sicherheit. Fußball ist Freude oder Ärgern oder Jubeln. Und leider mittlerweile immer auch das Thema Sicherheit.

Haben Sie Verständnis, wenn jemand am Dienstag nicht ins Stadion möchte?
Jeder muss das mit sich selbst ausmachen. Zeigt man der Welt, dass man sich nicht einschüchtern lässt? Oder trauert man lieber zu Hause und zeigt auf diese Art und Weise sein Mitgefühl mit Frankreich? Da kann ich keine Ratschläge geben, das maße ich mir nicht an.

Haben die Vorkommnisse in Paris, wo nach Stand der Dinge Terroristen auch ins Stadion gelangen wollten, Auswirkungen auf Heimspiele von Hannover 96?
Ich fühle mich bei unseren Sicherheitsleuten in der HDI-Arena gut aufgehoben. Gleichzeitig müssen wir natürlich die Sinne schärfen. Im Nachgang des Länderspiels werden wir uns mit der Thematik ausführlich beschäftigen. Sicherheit geht über alles. Jeder Zuschauer muss das Gefühl haben, bei uns sicher zu sein. Egal, ob bei einem Länderspiel, einem Freundschaftsspiel oder einem Bundesligaspiel.

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