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Hannover 96 „Wir wollen besser werden“
Sportbuzzer Hannover 96 „Wir wollen besser werden“
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00:15 20.01.2014
Von Björn Franz
Foto: Edgar Prib: "Ich fühle mich im Mittelfeld am Wohlsten".
Edgar Prib: "Ich fühle mich im Mittelfeld am Wohlsten". Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Herr Prib, Sie haben in der Hinrunde 16 Spiele absolviert – auf vier verschiedenen Positionen. Haben Sie zwischendurch selbst mal ein bisschen den Überblick verloren?

Nein, ich bin das eigentlich so gewohnt. Ich habe im ersten Profijahr gelernt, als Linksverteidiger zu agieren, groß geworden bin ich im Zentrum, und links vorne habe ich auch schon oft genug gespielt. Von daher ist das kein Problem, sich umzustellen. Als Spieler sind Flexibilität und Vielseitigkeit Voraussetzungen.

Ist es ein Vorteil, wenn man als Profi so vielseitig ist? Oder ist es eher ein Nachteil, weil der Trainer keine feste Position sieht?

 In der Vergangenheit war es schon so, dass ich eine feste Position hatte. Wenn dann links vorne mal Bedarf war, dann musste ich eben da aushelfen. Aber ich sehe darin auch keinen Nachteil.

Letztes Testspiel im 96-Trainingslager: Das Match gegen Cayfür Rizespor in Bildern.

 Haben Sie selbst eine Lieblingsposition, auf der Sie sich am Wohlsten fühlen?

Ich fühle mich im Mittelfeld am Wohlsten. Im Mittelfeld kann ich variabler agieren. 

Liegt das auch daran, dass Sie im Mittelfeld besser Ihre Qualitäten ausspielen können – Ihren guten Schuss und den Zug zum Tor?

Ja, auf jeden Fall kommt mir das zu Gute. Torabschluss ist meine große Stärke, und ich kann auch einmal einen Pass durchstecken. Das geht im Mittelfeld besser. 

Sie sind im Sommer gekommen, da hieß der Trainer noch Mirko Slomka, der ja auch sehr auf Sie gesetzt hat. Ist so ein Trainerwechsel dann so etwas wie ein Schlag ins Gesicht für einen Spieler?

Nein. Natürlich haben wir als Mannschaft eine Beziehung zu Mirko Slomka gehabt. Ein Trainerwechsel ist dann gewissermaßen ein Neustart für alle Jungs. Es ist einfach nur schade, dass wir keine Erfolge eingefahren haben. Wir wollen immer gemeinsam erfolgreich sein – zu jedem Zeitpunkt und unter jedem Trainer. Von daher ist es kein Schlag ins Gesicht, aber auch nichts worüber man fröhlich sein kann. 

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass es speziell zum Ende der Hinrunde so schlecht lief und 96 vor allem auswärts kein Bein auf die Erde bekommen hat?

Wir sind zu unruhig geworden und haben vor allem in der zweiten Hälfte der Hinrunde keine Kontrolle mehr im Spielaufbau gehabt und unseren Plan, das, was wir eigentlich vorhatten, einfach nicht umsetzen können. Das müssen wir besser machen, wenn wir Erfolg haben wollen. Ganz klar. 

Jetzt ist mit Tayfun Korkut ein neuer Trainer da. Wie haben Sie die ersten Tage unter ihm erlebt?

Gut. Er hat den Spielwitz wieder reingebracht, hat uns den Spaß am Fußball wieder gezeigt. Je mehr Ball dabei ist, je mehr man spielen kann, desto mehr Spaß hat man. Wenn der Ball weg ist, ist jeder Fußballer traurig – und ich ganz besonders. Der Trainer hat aber auch klare Strukturen, die er verfolgt und die er uns auf den Weg mitgibt. Von daher habe ich ein gutes Gefühl. 

Der neue Trainer arbeitet viel an der Taktik – sind das große Veränderungen?

Nein, ganz große Veränderungen sind es nicht. Es ist eine Wiederauffrischung von dem, was wir einfach ein bisschen vergessen haben. Ein paar Dinge sind natürlich auch neu, zum Beispiel, wie wir Standards verteidigen und auch spielen wollen. Er hat auch eine etwas andere Spielidee, aber nichts, was uns unbekannt ist. 

Korkut legt großen Wert auf Ballbesitz, ist das etwas, das Ihnen entgegenkommt?

Natürlich. Ich bin keine zwei Meter groß und kein Kopfballungeheuer. Wenn der Ball am Boden läuft, dann ist das für technisch starke Spieler, wie wir sie in den Reihen haben, immer besser. Und dazu kommt noch, dass, je länger man den Ball hat, desto eher sich eine Lücke in der gegnerischen Abwehr auftut. Das ist natürlich besser, als auf Verdacht mit langen Bällen zu agieren. 

Ist der Trainerwechsel auch ein Neustart für alle Spieler oder ärgert man sich, wenn man wie Sie relativ viele Spiele gemacht hat?

Zufrieden war ich nicht mit der Vorrunde, da bin ich ganz ehrlich. Klar, es ist ein Neustart, die Karten sind auch neu gemischt und jeder bekommt jetzt seine Möglichkeit, sich neu zu zeigen. So ein Neustart hilft einer Mannschaft dann schon, nach mehreren Wochen mit enttäuschenden Ergebnissen kann das ein entscheidender Impuls für eine Wende sein. 

Sie sagen, dass Sie nicht zufrieden waren. Was hat Sie denn an Ihrer Vorrunde gestört?

Klar habe ich für mich persönlich das eine oder andere Tor zu wenig gemacht. Aber ich bin vor allem nicht zufrieden, weil wir einfach nicht genug Punkte gemacht haben. Wir haben meiner Meinung nach genug Qualität, um unter den ersten zehn der Tabelle zu stehen. 

Mit Artjoms Rudnevs haben Sie noch mehr Qualität dazubekommen. Stimmt es, dass Sie für Ihn ein bisschen den Dolmetscher spielen?

(lacht) Ja, ein bisschen. Wir haben es als Tradition hier, dass die Neuzugänge entweder einen Witz erzählen müssen oder irgendetwas singen. Als er jetzt an der Reihe war, musste ich einen russischen Witz für ihn übersetzen. Das war nicht ganz einfach, aber ich habe mein Bestes gegeben und die Jungs haben auch ein bisschen gelacht, also war es wohl ganz ordentlich. 

Sie sind selbst in Jarkutien geboren worden. Wann sind Sie nach Deutschland gekommen?

Ich bin mit meinen Eltern mit drei Jahren nach Deutschland gekommen und habe jetzt auch keine lebenden Verwandten mehr in Russland. Deshalb habe ich vom Russischen natürlich einiges mitbekommen, aber auch einiges verloren, weil ich mich in der Schule auf Deutsch konzentrieren musste. Und dann kamen ja auch noch zwei Fremdsprachen dazu. Da gerät schon das eine oder andere in Vergessenheit. Deshalb ist es ganz gut, dass der „Rudi“ gekommen ist, so kann ich mein Russisch wieder ein bisschen auffrischen. 

Sie sind in Ihrem ersten Bundesligajahr mit Greuther Fürth abgestiegen. Haben Sie die Sorge, dass Sie mit 96 in eine ähnliche Situation kommen könnten?

Sorge habe ich nicht. Wenn man Sorgen entwickelt, dann entwickelt man auch Angst. Und als Fußballer darf man keine Angst haben, denn die hemmt. Es kann gefährlich für uns werden, aber ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Qualität haben, um nicht abzusteigen und auch die eine oder andere Mannschaft zu schlagen, die oben mitspielt. Wir haben noch genug Spiele, um zu zeigen, was wir wirklich leisten können.

 Kann man die beiden Situationen überhaupt vergleichen? Fürth war als Aufsteiger von Beginn an ein Abstiegskandidat, 96 wollte in die Europa League.

Ein bisschen ist das eigentlich schon ein Déjà-vu, weil wir mit Fürth eigentlich gar nicht so schlecht gespielt haben, wie es die Tabelle ausgesagt hat. Wir haben mit 96 aber eine andere Ausgangslage als Fürth. Wir haben ein ziemlich hohes Ziel angegeben, und im Leben muss man sich Ziele setzen, sonst kommt man nicht vorwärts. Natürlich sind wir jetzt enttäuscht, aber wir wollen besser werden und haben deshalb den Anspruch, gar nicht über den Abstieg zu sprechen. 

Dann vielleicht nur noch eine letzte Frage zu diesem Thema. Ist der Abstiegskampf für Mannschaften leichter, die von vornherein auf ihn eingestellt waren? 96 ist ja nicht unbedingt wie ein Abstiegskandidat aufgestellt.

Mental ist das schon ein bisschen gefährlich, weil man zu überlegen beginnt, was denn plötzlich los ist. Das ist ein Risiko, das wir einrechnen müssen. Ich habe leider Gottes schon einmal die Erfahrung machen müssen und möchte sie nicht noch einmal machen. Deshalb werde ich auch alles dafür tun, um das zu verhindern. 

Davon ausgehend, dass das klappt – Sie haben einen noch sehr lange laufenden Vertrag bis zum Sommer 2017. Haben Sie persönliche Ziele, die Sie mit 96 bis dahin erreichen wollen?

Ja, ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mit 96 innerhalb meiner Vertragslaufzeit in der Europa League spielen möchte. Natürlich war mir klar, dass wir ein Sahnejahr erwischen müssen, um wieder ganz oben mitzuspielen. Aber es kann auch schon nächstes Jahr kommen. Ich habe mir mein persönliches Ziel gesetzt, und das werde ich weiter verfolgen.

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