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Hannover 96 Der Mann für die Lücke
Sportbuzzer Hannover 96 Der Mann für die Lücke
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00:15 02.06.2015
Von Christian Purbs
„Ich bin froh, dass es bei dieser Konstellation bleibt“: Dirk Dufner bekam am Freitag Rückendeckung von 96-Trainer Michael Frontzeck.Foto: Treblin Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Hannover. Ein bisschen musste man sich um die Gesundheit von Michael Frontzeck sorgen. Der alte und neue Trainer von Hannover 96 berichtete am gestrigen Freitag von Schüttelfrost und einem Zahnarztbesuch, der, wie das beim Zahnarzt meistens so ist, wohl auch kein Vergnügen war. Alles halb so schlimm, gab der 51-Jährige schmunzelnd Entwarnung - und klärte auf. Den Schüttelfrost habe er am Donnerstagabend bekommen, als er sich das Relegationsspiel zwischen dem Hamburger SV und dem Karlsruher SC angeschaut habe, berichtete Frontzeck. „Ich dachte: ,Du spielst in Hannover gegen den KSC und liegst nach fünf Minuten mit 0:1 zurück.’ Das Bild war gar nicht schön. Aber zum Glück saß ich zu Hause auf dem Sofa und habe mich schnell wieder erholt.“

Gestern Morgen war Frontzeck jedenfalls fit genug, um seinen neuen Vertrag mit einer Laufzeit bis 2017 beim Fußball-Bundesligisten zu unterschreiben. Gleichzeitig brach er eine Lanze für Sportdirektor Dirk Dufner, dessen Verbleib die eigentliche 96-Überraschung am Vortag gewesen war. „Diese Personalie war wichtig für mich, weil ich in den vergangenen sechs Wochen, in denen ich hier bin, sehr vertrauensvoll mit Dirk Dufner zusammengearbeitet habe“, sagte Frontzeck. „Wenn ich sage, dass wir alle zusammen den Klassenerhalt geschafft haben, dann schließe ich ihn als wichtigen Bestandteil mit ein. Die Gespräche in den vergangenen Tagen zeigen mir, dass er auch in der Umsetzung der Dinge, die wir vorhaben, sehr wichtig ist.“

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Doch Frontzecks warme Worte für Dufner ändern nichts daran, dass der Vertrauensbeweis vonseiten des Clubs für den Sportdirektor in einem merkwürdigen Licht erscheint.

Nach übereinstimmenden Informationen sollen die 96-Gesellschafter auf einer Sitzung am Mittwoch gegen den Verbleib von Dufner votiert haben. Äußern will sich dazu aber keiner. „Die Gesellschafter werden dazu keinen Kommentar abgeben“, ließ gestern Gregor Baum, einer von insgesamt sieben Gesellschaftern beim Bundesligisten, ausrichten. Interessanter ist in diesem Fall, was er nicht sagte, denn Baum verzichtete auf den in solchen Fällen üblichen Hinweis, die getroffene Entscheidung gutzuheißen. War der Verbleib von Dufner ein Alleingang von Kind? Und was bedeutet das für die Zukunft von 96? Dass die wichtigen Entscheidungsträger anderer Meinung als Kind sind, ist jedenfalls neu und sorgt über die Personalie Dufner hinaus für ein kräftiges Brodeln bei den „Roten“.

Der Clubchef selbst hatte Dufner am Dienstag in einem Vier-Augen-Gespräch die Rückendeckung verweigert. Was hat ihn danach bewogen, doch mit dem von ihm immer wieder kritisierten Sportdirektor weiterzumachen? War es der Mangel an Alternativen - oder wollte Kind ein Machtzeichen setzen?

Kinds Überraschungscoup wirft viele Fragen auf. Dass Trainer Frontzeck sich auf diesem Gebiet vorsichtig bewegt, ist nachvollziehbar. „Ich weiß aus einigen Zeitungsartikeln, dass Dirk Dufner hier ein Stück weit in die Kritik geraten ist. Das kann ich so nicht nachvollziehen. In den vergangenen sechs Wochen habe ich mir ein anderes Bild von ihm gemacht“, sagte Frontzeck. „Ich bin froh, dass es bei dieser Konstellation bleibt.“

Zusammen mit Dufner und Ko-Trainer Jan-Moritz Lichte, dessen Vertrag auch verlängert wurde, wird der 96-Coach in den nächsten Wochen die Mannschaft für die kommende Saison zusammenstellen. Dabei will Frontzeck den in der vergangenen Saison 29 Spieler umfassenden Kader „etwas kleiner machen“ und den 96-Talenten die Chance geben, sich bei den Profis zu zeigen. „Ich hoffe, dass wir zum Trainingsstart am 24. Juni nahezu komplett sind“, meinte der frühere Nationalspieler. „Den Grundstamm haben wir. Dazu sollen maximal fünf neue Spieler kommen.“ Dass einer der Neuzugänge Lars Stindl, der für eine Ablösesumme von drei Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach wechselt, ersetzen kann, ist unwahrscheinlich. Frontzecks Plan: „Wir werden versuchen, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen.“

Nach den „intensivsten Wochen meiner Fußball-Laufbahn“ will Frontzeck erst einmal etwas ausspannen. „Keine drei Wochen, nur ein paar Tage. Es gibt hier ja genug zu tun.“

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