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Hannover 96 96-Trainer hat Sonnabend wichtigstes Spiel seiner Karriere
Sportbuzzer Hannover 96 96-Trainer hat Sonnabend wichtigstes Spiel seiner Karriere
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15:07 06.05.2010
Von Heiko Rehberg
Für 96-Trainer Mirko Slomka ist Sonnabend das wichtigste Spiel seiner Karriere.
Für 96-Trainer Mirko Slomka ist Sonnabend das wichtigste Spiel seiner Karriere. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Mirko Slomka hat einen Traumjob. Diesen Satz würde der Trainer des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 sofort unterschreiben.

Slomka sagt aber auch, dass er einen Job hat, bei dem es schon mal kräftig auf die Nase geben und das sehr schmerzhaft sein kann. Fußball-Bundesligatrainer ist gleichzeitig ein Traumberuf und ein Albtraumberuf. Mal mehr das eine, mal mehr das andere, aber nie immer nur eines von beiden.

Slomka hat bei Hannover 96 beides innerhalb von sieben Tagen erlebt: erst der wunderbare 4:2-Sieg gegen seinen ehemaligen Verein Schalke 04, der ihm im Januar 2006 den Schritt vom Kotrainer zum Chefcoach ermöglicht hatte. Eine Woche später das wundersame 0:7 bei Bayern München. Traum und Albtraum. Und Sonnabend? Auch diesmal ist beides möglich. Gewinnt Slomka mit 96 beim VfL Bochum, dann hat er den „Roten“ in ihrer schwierigsten, dramatischsten und turbulentesten Saison die 1. Liga gerettet. Gibt es eine Niederlage, dann wird sie vermutlich zum Absturz in die 2. Liga führen, von dem Klubchef Martin Kind sagt, dass er sportlich und wirtschaftlich „ein Desaster“ wäre.

Es gibt wahrscheinlich 2000 Trainer, die in Kinds Firma eine Woche lang 24 Stunden am Tag die Hörgeräte putzen würden, wenn sie dafür die Chance bekämen, eine Bundesligamannschaft zu trainieren. Und es gibt bestimmt zehnmal so viele Menschen, die Sonnabend nicht gerne mit Slomka tauschen würden. Für den Verein ist das letzte Saisonspiel in Bochum das wichtigste Spiel des Jahres. Und für Slomka ist es das wichtigste Spiel seiner Trainerkarriere.

Wie groß der Einfluss eines Trainers auf den Erfolg einer Mannschaft ist, lässt sich nicht seriös in Prozenten beziffern; es ist wohl auch so, dass das von Fall zu Fall unterschiedlich ist. Ein herausragender Trainer kann eine durchschnittliche Mannschaft zum Fliegen bringen, zumindest eine Zeit lang. Eine herausragende Mannschaft kann so spielen, dass niemand merkt, dass der Trainer mittelmäßig ist. Und sollte sich ein Trainer auf den Kopf stellen, um Erfolg zu haben, dann wird er scheitern, wenn die Spieler etwas dagegen haben, beim Hamburger SV war das in dieser Saison eindrucksvoll zu beobachten.

Unstrittig aber ist, dass ein Trainer in entscheidenden Spielen vieles richtig und fast alles falsch machen kann, dass er einer Partie mit einer Einwechslung eine Wende zu geben vermag, manchmal reicht dafür ein Bauchgefühl. Bayern Münchens Louis van Gaal beispielsweise hat im Champions-League-Halbfinalhinspiel gegen Olympique Lyon (1:0) meisterlich auf sich immer wieder wandelnde Spielsituationen – mal hier ein Platzverweis, später dort – reagiert. Als er beim Stand von 0:0 den einzigen Stürmer Ivica Olic zur Pause in der Kabine ließ und mit Anatoli Timoschtschuk einen Defensivmann brachte, dachten alle: Was soll das denn, die müssen doch gewinnen! Doch van Gaal verschob seine Spieler taktisch derart geschickt, dass sich alles großartig fügte.

Was das mit Slomka zu tun hat? Auch der 42-Jährige könnte in Bochum vor ähnlichen Aufgaben stehen. Was tun, wenn es in der 70. Minute 1:1 steht? Jan Durica bringen und hinten absichern oder Jiri Stajner und auf Sieg spielen? Wäre Slomka nebenbei Hellseher, wäre vieles einfacher. Dann wüsste er, ob Durica bei jeder Ecke die Bälle rausköpft (das kann er mit seiner Kopfballstärke!) oder sich den Rücken kratzt, wenn er angespielt wird (das ist auch schon vorgekommen). Und bei Stajner hat noch kein Trainer jemals vorhersagen können, was passiert. So viel abschließend zum Thema Traumberuf.

Bleibt die Gelegenheit, die Behauptung mit dem wichtigsten Spiel noch einmal zu überprüfen. Slomka hat mit Schalke in der Champions League gespielt, um die Meisterschaft und gegen Borussia Dortmund, eine Partie, die nach Ansicht von 04-Fans selbst ein WM-Endspiel zwischen Deutschland und Brasilien verblassen lässt. Was ist dagegen Abstiegskampf mit 96? Ganz einfach: alles für viele!

Für die Menschen in der Stadt, in der Region, für den Klub und seine Fans ist Sonnabend das wichtigste Fußballspiel seit vielen, vielen Jahren. Slomka kommt aus der Region, er kennt die Menschen dort, das ist etwas anderes, als als Hannoveraner Trainer in Gelsenkirchen zu sein. Slomka weiß, dass seine Arbeit auch oder gerade in Hannover kritisch beäugt wird. Er darf sich aber sicher sein: Sonnabend drückt Hannover ihm kräftig die Daumen.

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