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Hannover 96 Mittendrin im Schlamassel
Sportbuzzer Hannover 96 Mittendrin im Schlamassel
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20:00 03.05.2015
„Die zweite Halbzeit hat Mut gemacht“: Das 96-Team feiert den Ausgleichstreffer von Salif Sané (verdeckt) in der Volkswagen-Arena. Quelle: Peter Steffen/dpa
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Wolfsburg

Aber beim Blick auf die Tabelle wurde ihnen dann gestern ganz anders. Rang 17, abgerutscht auf einen direkten Abstiegsplatz - eine mittlere Katastrophe.

Es fiel allen „Roten“ schwer, dieses Wochenende richtig einzuordnen. Klar, der Auftritt in Wolfsburg nach der Pause hat Mut gemacht, aber ... Alles wäre einfacher gewesen, wenn Edgar Prib in der dritten Minute der Nachspielzeit seine Riesenchance zum 3:2 genutzt hätte. Mit einem „Dreier“ im Gepäck hätte vieles anders ausgesehen und wäre selbst der Hamburger Sieg gestern in Mainz erträglicher gewesen. Prib aber, der allein auf Diego Benaglio zulief, scheiterte am VfL-Torwart. So bleibt unter dem Strich: Die Hannoveraner haben auch zum 15. Mal in Folge nicht gewinnen können und sind jetzt Vorletzter.

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„Die zweite Halbzeit hat Mut gemacht“, sagte 96-Clubchef Martin Kind, „aber die nächste Partie ist ein Schlüsselspiel. Gegen Werder Bremen müssen drei Punkte her.“ So oder so. Auch beim 71-Jährigen kam also nach dem Lob dieses Aber. Denn der Auftritt in Wolfsburg hat irgendwie den gesamten Saisonverlauf widergespiegelt. Es war alles dabei: guter wie schlechter Fußball, Kampf und Behäbigkeit, Leidenschaft und Mutlosigkeit, Begeisterung und Tristesse.

Die 96-Profis hatten ihren Clubchef, aber auch ihren Anhang - in der Volkswagen-Arena waren nur etwa 1700 Hannoveraner dabei - durch ein wahres Wechselbad der Gefühle geschickt. Besonders vor der Pause spielten sie so schlecht, wie es der Tabellenplatz aussagt. Mit dem Unterschied, dass sie nicht einmal den nötigen Abstiegskampf zeigten. Nach ordentlichen zehn Minuten wurden sie zu einem Spielball der Wolfsburger. Die „Roten“ verloren jeden wichtigen Zweikampf. Besonders die linke Seite mit Miiko Albornoz und Edgar Prib bekam kein Bein auf die Erde, Joselu fand im Angriff gar nicht statt. Beim Pausenpfiff von Schiedsrichter Felix Brych konnte 96 heilfroh sein, dass es nur 0:2 stand nach Toren von Bas Dost (24. Minute) und Ivan Perisic (45.).

In der Kabine ist es, wie 96-Trainer Michael Frontzeck sagte, dann „ziemlich laut geworden“. Der neue Coach hatte seine mutlose Truppe ordentlich zusammengefaltet. Und was letztlich entscheidend war: Der 51-Jährige wechselte glücklich und damit richtig aus. Die Totalausfälle Joselu und Leon Andreasen mussten raus, Jimmy Briand und Kenan Karaman kamen rein. Besonders Ersterer tat dem 96-Spiel sichtlich gut. Und der Franzose gab seinem Team nur 100 Sekunden später den Glauben an sich zurück. Per Kopfball schloss er eine schöne Kombination zum Anschlusstreffer ab. Danach trat eine ganz andere 96-Mannschaft auf und bestrafte ein jetzt überaus leichtfertiges Wolfsburger Team (VfL-Trainer Dieter Hecking: „Meine Mannschaft hat mir in der Halbzeit nicht zugehört“) wenige Minuten später mit dem verdienten Ausgleich: Und dieses Tor von Salif Sané war einfach nur schön: Per Fallrückzieher überwand der Senegalese Benaglio (58.).

Danach entwickelte sich ein packendes Fußballspiel mit Chancen auf beiden Seiten. Und fast hätten die 96er noch das i-Tüpfelchen auf ihre klasse Leistung in der 2. Halbzeit gesetzt. Aber Prib versagten die Nerven. „Machst du das Tor, hast du drei Punkte“, sagte der Unglücksrabe.

Es wurde aber nur ein Punkt, der im Überlebenskampf eigentlich zu wenig ist, da auch wichtige Konkurrenten gepunktet haben. „Unsere Leistung ist mir wichtiger als der Tabellenplatz“, sagte 96-Coach Frontzeck fast trotzig. „Mich interessiert die Tabelle erst am 34. Spieltag.“ Hoffentlich sieht sie dann aus 96-Sicht freundlicher aus als heute.

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Nach dem unerwarteten Mutmacher im Abstiegskampf verließ Michael Frontzeck Wolfsburg mit einem Lächeln im Gesicht. „Mir wird nicht angst und bange vor den letzten drei Spielen. Der Klassenerhalt ist schwer, nach dieser Leistung aber machbar“, sagte der „Feuerwehrmann“ von Hannover 96.

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