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Hannover 96 Garantiert nichts für schwache Nerven
Sportbuzzer Hannover 96 Garantiert nichts für schwache Nerven
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00:24 25.05.2015
Von Heiko Rehberg
„In dem Boot sitzen wir jetzt alle“: 96 setzt gegen Freiburg auf Teamgeist. Fotos: Lobback/dpa Quelle: imago sportfotodienst
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Hannover

Es wäre zu schön gewesen: Ein entspannter letzter Spieltag in der Fußball-Bundesliga, Hannover 96 auf dem 10. Platz, den die Mannschaft im Durchschnitt seit dem Wiederaufstieg im Jahr 2002 belegt hat, ein gemütlicher Saisonausklang gegen den SC Freiburg - und auf der Anzeigetafel in der HDI-Arena lässt sich gelassen verfolgen, wie die Konkurrenz um den Klassenerhalt kämpft.

Stattdessen heißt es heute von 15.30 Uhr an: Daumendrücken für die „Roten“. Mitfiebern. Mitzittern. Garantiert nichts für schwache Nerven. So viel ist sicher. Und sonst fast nichts.

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Hannover 96 spielt im größten Abstiegsdrama aller Bundesliga-Zeiten eine Hauptrolle, und es gibt wohl keinen in der Region, der sich für Fußball interessiert und nicht hofft, dass es gegen den SC Freiburg ein Saisonfinale mit Happy End wird.

Viele Stadionbesucher haben ihre „Roten“ in den vergangenen Monaten verflucht, sie sind oft enttäuscht worden von einer Mannschaft, die mit ihrem Potenzial für die Plätze 8 bis 12 niemals in solche Schwierigkeiten hätte kommen dürfen. Aber das alles ist jetzt egal. Der 96-Fan ist nicht nachtragend, Hauptsache, er muss kommende Saison nicht sonnabends um 13 Uhr im Stadion sein (dann werden die Zweitligaspiele angepfiffen), sondern weiter wie gewohnt um 15.30 Uhr.

Die Krise hat die Fans und ihren Lieblingsverein spät zusammenrücken lassen. Nicht alles, was in den vergangenen Wochen und Monaten dramatisch schieflief, ist vergessen. Aber heute für 90 Minuten spielt das alles keine Rolle. Wer sich in dieser Woche mit 96-Fans unterhalten hat, der spürt: Sie würden notfalls den Ball ins Freiburger Tor schreien, wenn das ginge. Die Angst, dass die schönen Erstligazeiten heute um 17.20 Uhr vorbei sein könnten, hat fast alle mobilisiert in der Region. Notfalls ärgert man sich gern auch nächste Saison wieder über eine Heimniederlage gegen Hoffenheim, Hauptsache, der Gegner heißt nicht Heidenheim.

„Gemeinsam schwarz-weiß-grün - niemals allein“ heißt es auf der Website des Vereins. In der Krise ist ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, das die Mannschaft gegen Freiburg tragen kann, wenn sie sich davon anstecken lässt. „Wir können es nur gemeinsam schaffen, in diesem Boot sitzen wir alle drin“, sagt Trainer Michael Frontzeck. Zuletzt gegen Wolfsburg (2:2), Bremen (1:1) und beim erlösenden Sieg in Augsburg (2:1) konnte man bis auf den entferntesten Tribünenplatz spüren, dass die 96-Profis spät endlich die Mentalität entwickelt haben, die man in solchen Situationen braucht.

Aber kann man dieser Mannschaft, die 33 Spieltage wie eine launische Diva auftrat, wirklich trauen? Was passiert, wenn Freiburg in Führung gehen sollte und die ersten Ergebnisse von den anderen Plätzen nicht nach hannoverschen Wünschen laufen?

Von A(lbornoz) bis Z(ieler): 96-Trainer Michael Frontzeck hat seine Formation für das letzte Saisonspiel gegen den SC Freiburg bereits gefunden.

Man muss das ja alles durchspielen, um gewappnet zu sein für alle Fälle, auch für die schlimmsten. Auch Frontzeck wird das getan haben, heimlich in seiner Trainerkabine. Es wird ihm möglicherweise helfen, Antworten zu finden, wenn sich die Lage zuspitzen sollte. Seinen Spielern wird er davon nichts erzählen, das muss er auch nicht. „Es wird gegen Freiburg auch eine Frage der Nerven sein, und dabei vertraue ich meiner Mannschaft“, sagt Frontzeck.

Der Nachfolger des in seiner ersten Trainer-Profistation überforderten Tayfun Korkut hat mit seinem Vertrauen Spieler wie Jimmy Briand, Hiroshi Kiyotake oder Kenan Karaman wieder besser gemacht. Er hat der Elf eine neue Stabilität gegeben, 96 spielte zuletzt wieder, wie es zu den „Roten“ passt, und nicht, wie der Trainer es beim Videostudium der Spiele des FC Barcelona gesehen und danach gedacht hat: „Hey, so muss 96 auch spielen.“

Kurz vor 15.30 Uhr, heißt es für 96-Fans im Stadion: einmal tief durchatmen. Und dann mit Leidenschaft hinein in den Abstiegskampf. Dann klappt das schon. Und wer noch einen Mutmacher braucht, kein Problem: In den vergangenen fünf Spielzeiten hat Hannover 96 immer das letzte Spiel der Saison für sich entscheiden können. In der Saison 2013/2014 mit einem 3:2-Sieg. Gegner damals: der SC Freiburg.

Seit dem Aufstieg vor 13 Jahren begleitet der HAZ-Platzwart mit seinen Glossen die „Roten“. Als Appetitmacher auf die kommende Erstligasaison finden Sie hier einen Rückblick auf irre Spiele und wilde Typen. Oder kennen Sie noch Fatih Yigitusagi?
Jörg Grußendorf 24.05.2015
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