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Hannover 96 96 schwebt auf Wolke sieben Richtung Champions League
Sportbuzzer Hannover 96 96 schwebt auf Wolke sieben Richtung Champions League
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13:22 07.03.2011
Von Heiko Rehberg
Für Hannover 96 geht die Aufwärts-Fahrt weiter - die Bayern auf dem Weg in die Krise. Quelle: Ulrich zur Nieden

Eine Minute war noch zu spielen, als sich die meisten Fußballfans von Hannover 96 von ihren Plätzen erhoben, um applaudierend die letzten Sekunden eines Bundesligaspiels zu genießen, das sie so schnell nicht vergessen werden. Der 3:1-Sieg von 96 gegen Bayern München war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr zu gefährden, trotzdem hatten sich die Menschen bis eine Minute vor Schluss Zeit gelassen, um dann ein Lied anzustimmen, das sie schon zur Halbzeitpause hätten vortragen können. „Oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön!“

Ja, so etwas hat Hannover lange nicht gesehen: einen 96-Sieg gegen den deutschen Rekordmeister, dem nichts von Glück oder Zufall anhaftete, sondern der hochverdient war – die wunderbare Belohnung für eine Mannschaft und ihren Trainer Mirko Slomka, der die Leistung völlig zu Recht als „sensationell“ einstufte. Und auch so etwas hat Hannover lange nicht gesehen: eine Tabelle, die 96 fünf Punkte vor dem FC Bayern aufweist; auf dem 3. Tabellenplatz, der für die Qualifikationspiele zur Champions League berechtigen würde. So schöööön!

Heimsiege gegen die Bayern hat es schon in der Vergangenheit gegeben, auch wenn sie Hannover 96 sehr sparsam über die Jahrzehnte verteilt hat. Über das Tor von Gregor Grillemeier zum 2:1 im Jahr 1988 reden die älteren Fans noch gerne, die jüngeren Anhänger schwärmen von Szabolcs Husztis Freistoßtor zum 1:0 vor drei Jahren. Und dass Bayern-Trainer nach Niederlagen gegen 96 um ihren Job bangen müssen, ist ebenfalls nicht neu, Louis van Gaal geht es da wie Felix Magath oder Jürgen Klinsmann.

Der Sieg am 5. März 2011 stellt das alles aber in den Schatten, in der Rangliste der schönsten 96-Spiele gegen die Bayern stürmte das 3:1 von null auf eins.

„Das ist eine irre Saison, die wir gerade spielen“, sagte Trainer Slomka am Sonntag. Das 3:1 gegen die Bayern war die Fortsetzung dieser verrückten Geschichte, die die „Roten“ sogar bis in die Champions League führen könnte.

Wer live im Stadion dabei war, wurde Teil einer großartigen Fußballaufführung. 96-Siege gegen die Bayern waren früher immer Erfolge des Außenseiters über den Favoriten. Ohne den siegreichen 96-Teams zu nahe zu treten: Siege waren fast immer das Resultat von Münchener Überheblichkeit und Lässigkeit. Die aktuelle Bayern-Mannschaft hatte weder zu dem einen noch zu dem anderen einen Anlass, für sie war es ein Schlüsselspiel in einer verkorksten Saison. Dass es 96 dennoch gelang, die Begegnung mutig und selbstbewusst zu gestalten, war wie ein Ritterschlag für die Mannschaft.

Man muss sich folgenden Satz beim Lesen laut vorsprechen, um die besondere Note des 3:1 besser einordnen zu können: Noch nie war eine Bayern-Elf gegen 96 derart chancenlos. Noch nie war 96 in allen Belangen so turmhoch überlegen, dass ein Fußball-Unwissender nur eines hätte denken können: Das in den roten Trikots müssen die Bayern sein, in den weißen Trikots die Hannoveraner. Doch es war umgekehrt.

Das Spiel knisterte von der 1. Minute an, mit dem 1:0 für 96 durch Mohammed Abdellaoue (16. Minute) stellte sich im weiten Rund des Stadions ein, was Trainer Slomka einen Tag später als „Gänsehaut-Feeling“ beschrieb. Nach Konstantin Rauschs Treffer zum 2:0 (51.) schwebte 96 wie auf Wolke sieben durch das Spiel und ließ sich von Arjen Robbens Anschlusstor (55.) nicht aus der Bahn werfen, sondern gab mit dem 3:1 von Sergio Pinto (62.) eine Zugabe. Hätten die Bayern das 1:4 oder 1:5 kassiert, wäre selbst das nicht zu hoch gewesen. Und auch daran besteht kein Zweifel: 96 hätte dieses Spiel auch ohne die Mithilfe von Münchens Torwart Thomas Kraft beim 3:1 und Brenos Rote Karte (73.) gewonnen, jede Wette!

Nach jedem 96-Tor lagen sich wildfremde Menschen auf den Tribünen in den Armen. Stunden nach dem Abpfiff herrschte in vollen VIP-Räumen eine nie dagewesene Euphorie. Und in Hannovers Kneipen wurde später mit Bierdeckeln nachgestellt, wie Abdellaoue beim 1:0 in Rauschs Flanke reingeflogen kommt.

„Es wäre vermessen, über die Champions League nachzudenken“, sagte Mirko Slomka und hatte mit dem Satz längst genau das getan: nachdenken über das nicht mehr Unmögliche. Mensch, Trainer: Nach solchen Siegen darf man bei 96 an alles denken!

Heiko Rehberg

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