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Hannover 96 96 soll seinen Traum nicht verschlafen
Sportbuzzer Hannover 96 96 soll seinen Traum nicht verschlafen
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20:29 01.11.2011
Von Volker Wiedersheim
Foto: Kräfte mobilisieren für einen Sieg in Kopenhagen: Beim gestrigen 96-Training ging es nicht nur zwischen Manuel Schmiedebach und Daniel Royer kräftig zur Sache.
Kräfte mobilisieren für einen Sieg in Kopenhagen: Beim gestrigen 96-Training ging es nicht nur zwischen Manuel Schmiedebach und Daniel Royer kräftig zur Sache. Quelle: zur Nieden
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Hannover

Heimspiele können sie, die „Roten“. Die DFB-Pokal-Pleite gegen Mainz 05 mal ausgenommen. Vor eigenem Publikum ist der Fußball-Bundesligist Hannover in dieser Saison ansonsten ungeschlagen. Bärenstarke Partien gegen Werder Bremen, Borussia Dortmund und den FC Bayern München. Im Europa-Play-off den FC Sevilla „vernascht“ sowie gegen Standard Lüttich und den FC Kopenhagen nahe dran am Sieg gewesen.

Von unschätzbarem Wert sollte da doch die nun zu beobachtende „rote“ Reiselust der 96-Anhänger sein. Am Donnerstag müssen Trainer Mirko Slomka und sein Team zwar beim FC Kopenhagen bestehen. Aber das in Begleitung von wohl 10.000 Hannoveranern, deutlich mehr als ein Drittel des Parken-Stadions in der dänischen Hauptstadt werden sie besetzen und das Auswärtsspiel zu einem verkappten Heimspiel machen. Diese Unterstützung ist sensationell. Nicht weniger. Punkt.

Zum Europa-Glück fehlt dann nur noch eine große sportliche Überraschung – ein Sieg für Hannover 96. Man darf das ruhig einmal so hoch hängen. Dass 96 am 4. Spieltag der Europa League um die Führung in der Gruppe B vor Standard Lüttich, dem morgigen Gegner und Worskla Poltawa mitspielt, ist eine Riesensache und keine Selbstverständlichkeit. Allerdings haben sich die 96er und Hannover schon ein wenig an den anhaltenden Höhenflug gewöhnt. Die eigenen Ansprüche des Teams und die Erwartungen des Publikums sind gewachsen.

Kopenhagen ist die Gelegenheit, beidem gerecht zu werden. Dazu muss wieder gelingen, was die „Roten“ in Stuttgart, Augsburg, Köln (und daheim im Pokal) schuldig geblieben sind. „Es wird ein schweres Spiel“, bemerkte gestern 96-Mittelfeldspieler Lars Stindl mit Blick auf die morgige Partie. „Wir haben die richtige Strategie und wir müssen alles mobilisieren, sie auf dem Platz umzusetzen.“

Alles zu mobilisieren – gerade das ist es, was bei den Niederlagen jüngst zu fehlen schien. Am Kräfteverschleiß in der „englischen Woche“ (inklusive Verlängerung im Pokalspiel) hat es wohl nicht so sehr gelegen. Schließlich war am Sonnabend in Mönchengladbach in der 2. Halbzeit mehr Bewegung im Spiel als davor. Vielmehr fehlte es zuweilen an der Unterstützung durch die Angreifer beim Verteidigen und bei der Zielstrebigkeit der defensiven Spieler beim Bemühen, die Stürmer in aussichtsreicher Nähe zum Tor in Szene zu setzen.

In allen guten Spielen ist dieses Zusammenspiel der Kräfte die schärfste Waffe der „Roten“ – doch zuletzt erwies sie sich einige Male gerade bei Spielen in der Fremde als stumpf. „Wir wollten den Sieg gegen Kopenhagen ja schon zu Hause schaffen, doch es ist uns nicht gelungen. Ich hoffe, wir haben daraus gelernt und können das, was wir oft zu Hause zeigen, jetzt auch einmal auswärts bestätigen“, sagte Stindl. „Es fehlen ja nur Kleinigkeiten und im Moment vorn auch ein bisschen das Glück.“

Eine einfache Europa-Rechnung fügte 96-Torwart Ron-Robert Zieler am Dienstag an: „Ein Sieg in Kopenhagen und einer zu Hause gegen Poltawa, das sind die entscheidenden Schritte.“ Damit wäre 96 ziemlich sicher für die K.-o.-Phase der Europa League nach Weihnachten qualifiziert. Es wäre die Erfüllung eines Traumes, so haben es die Spieler in den vergangenen Wochen oft gesagt.

Doch jetzt ist es nötig aufzuwachen, um diesen Traum nicht zu verschlafen. Trainer Slomka hat daher in dieser Woche den Tonfall seiner Weckrufe auf dem Trainingsplatz merklich angeraut. Wenn’s so läuft wie gestern im Training, dann kommt das an: Die mögliche Startformation für Kopenhagen lag gegen das B-Team im Übungsspiel zunächst zurück, drehte dann aber auf und das Spiel. Belässt es der Coach bei der Formation, würde 96 in Kopenhagen wohl so spielen: Zieler – Chahed, Haggui, Pogatetz, Schulz – Stindl, Schmiedebach (gestern angeschlagen, aber einsatzfähig), Pinto, Pander – Abdellaoue, Schlaudraff.

Volker Wiedersheim 20.10.2011
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