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Hannover 96 96-Nachwuchstrainer droht Abmahnung
Sportbuzzer Hannover 96 96-Nachwuchstrainer droht Abmahnung
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00:21 27.02.2015
Von Heiko Rehberg
Im Nachwuchsleistungszentrum von 96 sollen idealerweise die Profis von morgen trainieren. Doch in der Eilenriede läuft einiges noch nicht nach dem Geschmack von Clubchef Martin Kind. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Die Pläne für eine bessere Zukunft sind bereits ausgearbeitet, 2017 soll sie anfangen im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Fußball-Bundesligisten Hannover 96. Doch kurz vor Baubeginn in der Eilenriede macht der Nachwuchsbereich der „Roten“ erneut negative Schlagzeilen – und Clubchef Martin Kind muss sich fragen, ob 96 auch beim Personal in dieser wichtigen Abteilung nicht einen Neuanfang wagen muss.

Es rumort in der Eilenriede, nicht nur wegen eines in diesen Tagen öffentlich gewordenen Fotos von fünf jugendlichen 96-Kickern, die auf unappetitliche Weise den FC Bayern München verhöhnen. Dem Nachwuchstrainer des Clubs, der das Bild von seinem Handy an Eltern der Spieler verschickt hat, drohen Konsequenzen. „Wir prüfen die Möglichkeit einer Abmahnung“, sagte Kind am Dienstag.

Vorfall war vor zwei Jahren

Clubchef Kind hatte erst von der HAZ von dem Vorfall vor zwei Jahren erfahren. Der Nachwuchstrainer, der nach wie vor eine Mannschaft betreut, hatte das Foto mit dem Text „Bayern ist halt scheisse“ versendet, bestreitet aber, es selbst gemacht zu haben.

„Für uns ist das ein schwieriger Fall“, sagt Kind. Denn gegen den Nachwuchstrainer liegt auch eine Strafanzeige wegen Verleumdung vor: Er soll einen Spieler bezichtigt haben, einem Mannschaftskameraden Geld gestohlen zu haben – aus Sicht der Eltern des Jugendspielers eine Lüge. Bei einer zweiten Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung hatte die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt.

Club zieht Konsequenzen aus Trainer-Verhalten

Kind hat die beiden Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), Jens Rehhagel und Nicolas Michaty, am Dienstag aufgefordert, mit dem Nachwuchstrainer noch einmal ein ernsthaftes Gespräch zu führen. Vorwürfe über den Führungsstil des Trainers hatte es bereits in der Vergangenheit gegeben, Eltern hatten sich schriftlich beim Clubchef über den Trainer beschwert. Kind sagt, dass „wir danach unsere Hausaufgaben gemacht“ haben. Und aktuell gebe es keine Kritik von Eltern an dem Trainer. „Ich höre von mehreren Seiten, dass er gute Arbeit macht“, sagte Kind, auch wenn dieser vielleicht manchmal „etwas zu deutlich in seiner Sprache“ sei.

Nach den Beschwerden der Eltern hatte Kind die Organisation im NLZ verändert und die Leitung in einen administrativen (Rehhagel) und einen sportlichen Bereich (Michaty) aufgeteilt. Man habe regelmäßige Elternabende eingeführt, außerdem sei seitdem gewährleistet, dass alle Jugendspieler „für ihre Wünsche und Anliegen“ einen Ansprechpartner haben.

Dass es im NLZ „nicht optimal“ läuft, gibt Kind zu. Der 70-Jährige ärgert sich, dass er sich auch um die Themen dort kümmern muss – eigentlich der Aufgabenbereich von Rehhagel. Öffentliche Kritik an Rehhagel will Kind nicht äußern. Aus dem Umfeld der „Roten“ heißt es jedoch, dass Kind vor allem mit Rehhagels Rolle im NLZ alles andere als zufrieden sein soll und nicht unglücklich wäre, wenn sich der Sohn von Trainerlegende Otto Rehhagel anders orientieren würde.

NLZ ist wichtig für 96

Jens Rehhagel besitzt einen unbefristeten Vertrag bei 96. „Er ist fachlich kompetent“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem NLZ der HAZ, „aber er wäre an der Uni besser aufgehoben als in einem Verein.“ Rehhagel könne nicht auf Menschen zugehen – genau das aber sei gefragt im Jugendbereich.

Das NLZ ist für 96 von enormer Bedeutung. Mit ihm müssen die „Roten“ im Wettbewerb um die besten Talente gegen die Konkurrenz vom VfL Wolfsburg oder Werder Bremen bestehen. Aktuelle Schlagzeilen wie durch das Bild mit den nackten Kinder-Hintern, auf dem die Bayern verhöhnt werden, kann der Verein da nicht gebrauchen.

14-Jähriger fühlte sich bei 96 nicht wohl

Die Geschichte des Torwarttalents Timo Ahrens aus Empelde passt in das Bild, das das NLZ zuletzt abgab: Der 14-Jährige spielt seit dem vergangenen Sommer für die U14 von Werder Bremen – obwohl er Fan von 96-Torwart Ron-Robert Zieler ist. „Ich habe auch Probetrainings bei 96 absolviert, mich da aber nicht wohlgefühlt“, sagt Timo. Bei 96, sagt Vater Karsten Ahrens, „wussten wir in vielen Punkten nicht wirklich, woran wir sind“. Und Timos Mutter Jessica sagt: „Die Gespräche mit den Werder-Verantwortlichen haben uns überzeugt. Deren Nachwuchskonzept wirkt ausgereift und stimmig.“ Das soll man, so der Wunsch von Martin Kind, demnächst auch über das Nachwuchskonzept von Hannover 96 sagen.

mit: gum, nic

Das neue NLZ

Ein 15-Millionen-Projekt: Für das neue Nachwuchsleistungszentrum (NLZ), das 2017 fertig werden soll, erhält Hannover 96 in der Eilenriede eine zusätzliche Fläche von fast sieben Hektar im Erbbaurecht zur Verfügung gestellt. Zum NLZ soll ein dreigeschossiger Neubau gehören, der unter anderem ein Sportinternat mit 16 Plätzen beherbergen wird. Auf den Freiflächen sollen fünf neue Trainingsplätze entstehen, zwei davon mit Kunstrasen. Das denkmalgeschützte Eilenriedestadion bleibt erhalten, das Spielfeld erhält allerdings eine andere Ausrichtung. Für das Projekt rechnet 96 mit Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro. Clubchef Martin Kind will im NLZ nur noch hauptamtliche Trainer beschäftigen. Mit Daniel Stendel (U19), Christoph Dabrowski (U17) und Steven Cherundolo (U15) sind derzeit drei ehemalige Profis von Hannover 96 als Jugendtrainer tätig.

Didier Ya Konan hat am Dienstag erstmals seit seiner Rückkehr zum Fußball-Bundesligisten Hannover 96 mit der Mannschaft trainiert. Konan war nach nur einem halben Jahr bei Al-Ittihad in Saudi-Arabien in der Winterpause zu 96 zurückgekehrt.

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