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Hannover 96 „Angst hat auf dem Platz nichts zu suchen“
Sportbuzzer Hannover 96 „Angst hat auf dem Platz nichts zu suchen“
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00:24 26.04.2015
Von Christian Purbs
Foto: Steven Cherundolo (rechts) scherzt mit Jan Schlaudraff.
Steven Cherundolo (rechts) scherzt mit Jan Schlaudraff. Quelle: Sielski
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Hannover

Der Joker für Hannover 96 heißt Michael Frontzeck – und der muss am Sonnabend gegen 1899 Hoffenheim (15.30 Uhr, HDI-Arena) sofort stechen; ein Sieg wäre wie ein Befreiungsschlag. Der 51-jährige Nachfolger von Tayfun Korkut ist erst seit Dienstag im Amt, er hat aber schon einiges bewirkt.

Stimmung: Seit Frontzeck da ist, herrscht eine Art Aufbruchstimmung bei und um 96. Im Umfeld hat allein der Trainerwechsel schon für diesen Umschwung weg vom Desinteresse gesorgt. Gegen Hoffenheim wird es richtig laut, die HDI-Arena ist fast ausverkauft. Innerhalb der Mannschaft hat der neue Coach einen großen Anteil daran. Korkut war bei den Spielern keinesfalls unbeliebt, aber er hielt Abstand. Frontzeck dagegen sucht geradezu die Nähe zu den Spielen. Da gibt es mal einen Klaps im Vorbeigehen, einen Wischer durch die Haare oder einen lockeren Spruch. Wobei geringere Distanz nichts mit mangelndem Respekt oder fehlender Autorität zu tun hat. Frontzeck ist einfach ein anderer, erheblich offenerer Typ als sein Vorgänger. Dazu nutzt er jede Gelegenheit, um mit einem Spieler zu sprechen. Einmal, um ihn kennenzulernen, aber auch, um ihm Mut zuzusprechen. Längst abgeschriebene Ergänzungsspieler glauben so wieder an eine Chance.

Erfahrung: Auf eine lange Karriere als Profi können sowohl Korkut als auch Frontzeck zurückblicken. Als Trainer war 96 für Korkut die erste Station im Profibereich. Er stieß in dieser speziellen Abstiegssituation an seine Grenzen. Frontzeck dagegen kann auf ein bewegtes Trainerleben zurückblicken und hat im Abstiegskampf viele Erfahrungen gesammelt. Trotz der Anspannung strahlt Frontzeck eine gewisse Lockerheit aus, die er versucht weiterzugeben. Das kommt in der misslichen Lage sehr gut an. „Eine gesunde Anspannung ist gut; es muss sogar ein bisschen kribbeln“, sagt Frontzeck, „aber Angst hat auf dem Fußballplatz nichts zu suchen.“

Training: Es ist schwierig, nach nur drei Trainingseinheiten - die gestrige war zudem nicht öffentlich - von unterschiedlichen Trainingsansätzen zu sprechen. An den sogenannten Basics hat auch Korkut viel gearbeitet, auch Spiele auf dem Kleinfeld zählten zu dessen Repertoire. Aber außer den vielen Einzelgesprächen fällt auf, dass Frontzeck viel mehr beobachtet, erheblich weniger eingreift als sein Vorgänger. Natürlich, weil der 51-Jährige seine neue Mannschaft erst einmal richtig kennenlernen muss, aber auch, weil es einfach seine Art ist. Frontzeck ist zurückhaltender. Wenn er kritisiert oder verbessert, macht er das erheblich leiser, in einer ruhigeren Art. Was Frontzeck taktisch ändert, lässt sich überhaupt noch nicht sagen.

Ko-Trainer: Es war ein schlauer Schachzug, Steven Cherundolo mit in die Verantwortung zu nehmen. Er ist ein wichtiges Bindeglied zwischen den Profis und dem neuen Cheftrainer. Nicht, dass Xaver Zembrodt oder Julen Masach einen schlechten Draht zu den Spielern hatten, aber Cherundolo war bis vor Kurzem ein Bestandteil dieser Mannschaft - und ein Führungsspieler dazu. Der 36-Jährige ist 96-Rekordspieler, identifiziert sich zu 100 Prozent mit den „Roten“ und kann in das Team hineinhorchen. Er kennt die Strömungen im Kader ganz genau. Zu ihm haben die Spieler Vertrauen; auf der anderen Seite kann ihm keiner etwas vormachen. Das ist ein erheblicher Faktor, damit alle im Kampf um den Klassenerhalt an einem Strang ziehen.

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