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Hannover 96 „Das ist ein schönes Highlight“
Sportbuzzer Hannover 96 „Das ist ein schönes Highlight“
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10:14 14.08.2014
Von Norbert Fettback
Foto: „Keiner ist so vermessen, eine Sensation zu erwarten“: Matthias Born (r.) betont die Walldorfer Außenseiterrolle.
„Keiner ist so vermessen, eine Sensation zu erwarten“: Matthias Born (r.) betont die Walldorfer Außenseiterrolle. Quelle: PIX
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Herr Born, Sie haben schon vor zwei Wochen angekündigt, mit Ihrer Mannschaft im DFB-Pokal eine Runde weiterkommen zu wollen. Ist das für einen Viertligisten nicht ein ganz schön forsches Ziel?

Ich wäre ein schlechter Trainer, wenn ich sagen würde, wir wollen gleich zu Anfang ausscheiden.

Nun ist die Generalprobe des FC-Astoria mit dem 1:3 daheim gegen den 1. FC Saarbrücken aber nicht nach Wunsch verlaufen. Hannover 96 hat derweil im letzten Test mit 3:1 gegen Lazio Rom aufgetrumpft.

Für mich sind das mit Blick auf den Sonnabend keine klaren Vorzeichen. Jetzt ist DFB-Pokal, und in der 1. Runde hat es schon viele Überraschungen gegeben. Das wird wieder der Fall sein. Für keinen Fußball-Bundesligisten ist es angenehm, in der 1. Runde auswärts antreten zu müssen.

Beschreiben Sie doch bitte mal die Erwartungshaltung, die in Walldorf zu spüren ist.

Zur Person:

Matthias Born ist erst seit Mitte 2014 Trainer des FC-Astoria Walldorf, zuvor war er hier als Assistent von Guido Streichsbier tätig, den der DFB im Sommer als „U 18“-Auswahlcoach verpflichtete.

Der 42-Jährige spielte von 2000 bis 2005 für die TSG Hoffenheim und leitete nach dem Ende der aktiven Karriere das dortige Nachwuchsleistungszentrum.

In Hoffenheim lernte Born die heutigen 96-Trainer Tayfun Korkut und Xaver Zembrod kennen. fe

Ich werde auf dieses Spiel häufig angesprochen. Der Tenor ist, dass man sich auf den Auftritt eines Bundesligisten freut. Keiner ist aber so vermessen, eine Sensation zu erwarten. Auch wenn jeder sich diese insgeheim wünscht. Weil das Interesse so groß ist, ist das Fassungsvermögen unseres Stadions durch das Aufstellen zusätzlicher Tribünen auf 4000 Zuschauer erweitert worden. So viele waren es noch bei keinem Spiel in Walldorf.

Haben Sie in der Vorbereitung auf das Spiel der Spiele für Ihren Verein etwas verändert?

Definitiv nicht. Das läuft ganz normal, wie vor einem Punktspiel. Wenn Hannover 96 jetzt zu Besuch kommt, dann ist das ein schönes Highlight, weil es die DFB-Pokalpremiere in Walldorf ist. Aber es ist nicht unser Spiel der Spiele. Für uns als Aufsteiger zählt in dieser Saison in erster Linie die Regionalliga.

Aber Sie werden 96 doch mal live beobachtet haben, wie es in der Branche üblich ist.

Nein, wir haben uns nur Videobilder angesehen.

Mit Leutrim Neziraj haben Sie einen Spieler im Team, der vor zwei Jahren mit dem FC Nöttingen im DFB-Pokal schon mal gegen 96 gespielt und beim 1:6 das Ehrentor geschossen hat. Haben Sie bei ihm mal nachgefragt?

Nein. So viele Spieler von damals sind bei den Hannoveranern ja auch nicht mehr dabei.

Wer ist der Star in Ihrem Team?

Der Star in Walldorf ist die Mannschaft. Da ragt keiner raus, niemand hat eine Sonderstellung. Das sind alles gute Jungs, die ihrem Beruf nachgehen oder studieren.

Es heißt, beim FC-Astoria werde bewusst darauf verzichtet, unter Profibedingungen zu trainieren. Ist das für ein ambitioniertes Team nicht ein ziemlicher Spagat?

Bei uns spielen nicht nur Arbeitnehmer und Studenten, sondern auch Auszubildende und Schüler. Das Spektrum ist ganz normal, eben querbeet, wie bei jeder Amateur-Oberligamannschaft. Unter Profibedingungen wäre meine Arbeit sicher einfacher. Aber das Umfeld in Walldorf ist auch so top. Das passt.

Wie schwer ist es, im Schatten der TSG 1899 Hoffenheim leistungsorientiert Fußball zu betreiben?

Nicht nur Hoffenheim ist nicht weit weg, auch von Sandhausen als Zweitligist trennen uns nur fünf Kilometer. Damit muss man als Regionalligist in dieser Region leben.

Ihre Spieler tragen das Kürzel SAP auf dem Trikot. Wie steht Firmengründer Dietmar Hopp zum FC-Astoria?

Er ist schon daran interessiert, was bei uns passiert, und ist hin und wieder auch zu Gast bei unseren Spielen. Er sponsert den Verein aber nicht in dem Maße, wie er es in Hoffenheim tut. Walldorf ist er aber sehr verbunden.

Mit welchem Etat können Sie denn beim FC-Astoria arbeiten?

Darüber weiß ich gar nichts. Da bin ich der falsche Ansprechpartner.

Interview: Norbert Fettback

FC Astoria Walldorf

Ein Sportverein und ein Hotel: Bei Astoria Walldorf denkt mancher nicht an schweißtreibenden Fußball, sondern an Wellness im Hotel. Und in der Tat gibt es eine Verbindung zwischen dem Gegner von Hannover 96 in der 1. Runde des DFB-Pokals und der Waldorf=Astoria-Kette von Luxushotels. Gemeinsamer Namensgeber ist Johann Jacob Astor, der 1763 im badischen Walldorf bei Heidelberg geboren wurde und später nach Amerika auswanderte. Dort kam Astor mit Pelzhandel, Porzellanvertrieb und Immobilienspekulationen zu Reichtum, den auch seine Nachfahren bewahren konnten.

William Waldorf Astor eröffnete 1893 in New York das Waldorf Hotel, vier Jahre später entstand in unmittelbarer Nachbarschaft durch John Jacob Astor IV das Astoria Hotel. Aus beiden Häusern entstand das Waldorf=Astoria, das seit 1931 an der Park Avenue beheimatet ist. Am ursprünglichen Platz in der Fifth Avenue entstand das Empire State Building.

Die Verbundenheit der Familie Astor und der Gemeinde Walldorf fand aber auch 1902 in der Gründung der SG Astoria Walldorf ihren Niederschlag. Die Fußballer waren von 1952 bis März 1995 in einem eigenständigen Verein namens 1. FC 08 Walldorf organisiert, dann folgte die Fusion mit den Kickern der SG Astoria zum FC-Astoria Walldorf. Größter Erfolg war im Frühjahr die Meisterschaft in der Oberliga Baden-Württemberg und der Aufstieg in die Regionalliga. cas

Norbert Fettback 18.08.2014
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12.08.2014