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Hannover 96 Auf in die Verbotene Stadt
Sportbuzzer Hannover 96 Auf in die Verbotene Stadt
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12:08 30.11.2011
Von Volker Wiedersheim
Foto: Hart umkämpft: Henning Hauger und William Vainqueur beim Hinspiel in Hannover. Beim Spiel in Lüttich sind Hannovers Fußballfans nicht willkommen.
Hart umkämpft: Henning Hauger und William Vainqueur beim Hinspiel in Hannover. Beim Spiel in Lüttich sind Hannovers Fußballfans nicht willkommen. Quelle: dpa (Archivfoto)
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Lüttich/Hannover

Lüttich will Expo-Stadt werden. Die offizielle Bewerbung ist eingereicht (einziger Konkurrent bisher: Astana in Kasachstan). In gut einem Jahr wird entschieden, ob die Metropole der belgischen Region Wallonien 2017 die Welt zu Gast bekommt. „Connecting the World, Linking People“ heißt ihr Slogan. Grob übersetzt: Anschluss an die Welt, die Menschen verbinden.

2017 ist indes fern. Und wenigstens als Hannoveraner kann man dieser Tage den Eindruck bekommen, Lüttich habe in Sachen Gastfreundschaft noch einiges zu lernen. Der Fußball-Bundesligist Hannover 96 bricht am Dienstag auf, um am MIttwoch in der Stadt an der Maas sein letztes Auswärtsspiel in der Gruppenphase der Europa League gegen Standard Lüttich zu bestreiten. Die 96-Anhänger indes, rund 900 begleiten ihr Team, sind in Lüttich keine gern gesehenen Gäste. Die Stadt hat Angst vor Randale wie zuletzt im Sommer beim Besuch des FC Zürich.

Vor dem Spiel ein Besuch in der historischen Altstadt, danach vielleicht noch ein Bummel über den beliebten Weihnachtsmarkt? Daraus wird nichts. Bürgermeister Willy Demeyer – er ist auch Vorsitzender des Belgischen Forums für Urbane Sicherheit – hat Dekrete erlassen, die Lüttich zur Verbotenen Stadt für 96er machen. Erlaubt ist nur die Anreise direkt zum Stadion, nur per Bus und frühestens 90 Minuten vor dem Anpfiff; Abreise nach dem Abpfiff. Wer außerhalb dieser Zeiten in der Stadt angetroffen wird, noch zumal in 96-Fankluft, dem droht Arrest.

Die Fans sind aufgebracht. Die „Roten“ haben 19 Jahre nicht in einem internationalen Wettbewerb spielen dürfen und sind auch zuvor nirgends als Krawallmacher auffällig geworden. Steht hier eine Stadt unter Generalverdacht? Die Frage spielt auch ins Politische: Der hannoversche Europaabgeordnete Bernd Lange (SPD) forderte Demeyer per Brief auf, die Restriktionen zurückzunehmen – bekam aber keine Antwort.

Rund 900 Hannoveraner machen sich nun auf den Weg, und viele von ihnen mussten die ursprünglichen Reisepläne über den Haufen werfen. 600 wollten im Sonderzug des Fan-Dachverbandes „Rote Kurve“ anreisen. Da aber Lüttich den Fußmarsch vom Bahnhof zum Stadion untersagte, müssen sie nun in Bussen hinfahren. Ebenso wie die Fans, die ein 96-Angebot gebucht haben, werden sie an der belgischen Grenze von der Polizei empfangen und legen den Rest des Weges mit Polizeieskorte zurück – quasi in Manndeckung, um mal im Fußballbild zu bleiben. Retour das Gleiche.

Nur einige 96-Edelfans, etwa 100 VIPs und Sponsoren, genießen mehr Freizügigkeit. Für sie gibt es einen Stadtrundgang, ein „Pre-Match-Dinner“ und schließlich die Übernachtung im noblen Ramada Plaza. Bedingung dafür: keine 96-Fankluft. Das lässt sich wohl machen, die Herrschaften sind überwiegend Schlipsträger.

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Norbert Fettback 28.11.2011