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Hannover 96 „Durchziehen – ohne Wenn und Aber“
Sportbuzzer Hannover 96 „Durchziehen – ohne Wenn und Aber“
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00:23 15.05.2015
Von Christian Purbs
Abschiedssaison: Hanno Balitsch beendet seine Karriere beim FSV Frankfurt. Quelle: dpa
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Hannover

Erst am letzten Spieltag machten die „Roten“ in der Saison 2009/2010 den Klassenerhalt mit einem 3:0 in Bochum perfekt.  Hanno Balitsch, von 2006 bis 2010 Profi von Hannover 96, stand damals auf dem Platz. Jetzt kämpft er mit seinem Verein, dem FSV Frankfurt, in der 2. Liga gegen den Abstieg. Im Gespräch mit der HAZ gibt er seine Einschätzung zum Abstiegskampf der „Roten“ ab.

Herr Balitsch, freuen Sie sich schon auf die kommenden Zweitliga-Spiele mit Ihrem Club, dem FSV Frankfurt, gegen Ihren alten Verein 96?

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Dazu wird es nicht kommen. Ich bin mir sicher, dass 96 die Klasse hält, wenn’s sein muss über die Relegationsspiele.

16. Platz und 16 Spiele ohne Sieg: Was macht Ihnen denn Hoffnung, dass sich Hannover 96 noch retten kann?

Mir gefällt die Herangehensweise von Trainer Michael Frontzeck. Er strahlt Ruhe aus und lässt die Spieler nicht über Scherben laufen oder Feuer spucken. Er vermittelt den Spielern, an sich selbst, die eigene Stärke und den Teamgedanken zu glauben. Das müssen die Spieler nur noch auf den Platz bringen. Dass die Jungs kicken können, haben sie in der Hinrunde bewiesen. Und daran müssen sie sich wieder erinnern.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der „Roten“?

Es ist immer schwierig, wenn eine Mannschaft lange Zeit nicht gewonnen hat, das geht uns beim FSV zurzeit genauso. Es fehlt dann an Selbstvertrauen, die Unruhe und Angst werden größer. Zumal 96 mit ganz anderen Ambitionen als den Klassenerhalt in die Saison gestartet ist und zwischenzeitlich ja auch deutlich besser platziert war. Dadurch ist die Situation für 96 jetzt schwieriger als für andere Mannschaften, für die es von Beginn an nur darum ging, nicht abzusteigen.

Also haben Teams wie Paderborn und Freiburg in dieser Beziehung einen Vorteil?

Davon bin ich überzeugt. Mannschaften, die keine anderen Ziele als den Klassenerhalt formuliert haben, kommen besser mit so einer Situation zurecht, weil sie sich früher darauf eingestellt haben. Bei 96 ist die kritische Phase erst spät eingetreten. Das ist gefährlich, denn je später so ein Negativlauf, wie ihn 96 zurzeit erlebt, eintritt, desto schwieriger wird es, das Ganze noch zu korrigieren.

Wie lässt sich denn so eine Negativserie erklären?

Entweder es hat faktische Gründe, weil zum Beispiel die besten drei Spieler monatelang verletzt ausfallen. Oder es ist eine Geschichte, die mit dem Kopf zusammenhängt. Vielleicht waren sich die Spieler zu sicher und haben die Gefahr zu spät erkannt. Und jetzt schaffen sie es nicht mehr, den Schalter umzulegen. Was genau bei 96 schiefgelaufen ist, kann ich nicht sagen, dafür bin ich zu weit weg von der Mannschaft.

Sie waren in der Saison 2009/2010 dabei, als 96 die letzten beiden Spiele gegen Borussia Mönchengladbach und den VfL Bochum gewinnen musste, um nicht abzusteigen. Was waren damals die Gründe für den Erfolg?

Es ist entscheidend, alle persönlichen Gedanken in den Hintergrund zu stellen. Es muss egal sein, wer auf dem Platz steht, es muss egal sein, mit welcher Taktik gespielt wird. Die Mannschaft muss das, was der Trainer vorgibt, durchziehen – ohne Wenn und Aber. Und man sollte sich nicht auf individuelle Aktionen verlassen. Natürlich kann auch mal ein Fallrückzieher wie der von Sané reingehen, aber unter dem Strich wird es nur die Mannschaft als Einheit richten können.

Ist die momentane Situation vergleichbar mit der von 2010?

Nein. 2010 hatte der sportliche Absturz mit dem Suizid von Robert (96-Torwart Robert Enke, d.Red.) einen benennbaren Grund. Es war ein Kopfproblem, ausgelöst durch eine völlig unwirkliche Situation, die wir durchleben mussten.

Sie haben das Endspiel in Bochum
 mit 3:0 gewonnen. Worauf kam es in diesem Spiel an?

Jeder hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt und auf seine Aufgabe konzentriert. Ich habe Linksaußen gespielt, weil das Mittelfeld mit Sergio Pinto und Manuel Schmiedebach gut funktionierte und ich auf einer anderen Position helfen konnte. Das war ungewohnt, hat aber funktioniert. Das Tor von Arnold Bruggink zum 1:0 habe ich vorbereitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass es 96 wie wir damals schaffen wird.

Interview: Christian Purbs     

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