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Hannover 96 Beim 1:4 in Dortmund spielt Hannover 96 bereits auf Zweitliganiveau
Sportbuzzer Hannover 96 Beim 1:4 in Dortmund spielt Hannover 96 bereits auf Zweitliganiveau
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23:20 21.02.2010
Von Christian Purbs
Florian Fromlowitz mit glänzender Fußabwehr Quelle: Ulrich zur Nieden

Nur Mike Hanke nicht. Ihm huschte für ein paar Sekunden ein Lächeln über das Gesicht, von den Fernsehkameras eingefangen und dem Fußball-Publikum im ganzen Land zum Abendbrot serviert. Hannover 96 stürzt mit einem Lachen in die 2. Liga. Unglaublich. Es sei denn, jemand hat Hanke zuvor gesagt, dass 96 mit einem Tor Vorsprung immer noch auf dem Relegationsplatz steht.

Nicht nur die Reaktion des 96-Stürmers nach der achten Niederlage der „Roten“ in Folge in der Fußball-Bundesliga hinterlässt einen ratlos. Unvorstellbar ist auch die Vermutung, die der ehemalige 96-Profi Valérien Ismaël nach dem Spielende äußerte: „Der Verein versucht alles, um aus der Krise zu kommen – aber anscheinend ist das noch nicht richtig bei den Spielern angekommen. Es geht um die Existenz des Vereins. Es geht nicht nur um Spieler, und die Spieler müssen das jetzt endlich mal kapieren.“ Kann es wirklich sein, dass einige Profis den Ernst der Lage noch nicht verstanden haben? Oder noch schlimmer, dass es sie nicht sonderlich kümmert, in welcher Liga 96 in der nächsten Saison spielt? Ja, so ist es. Das zumindest muss die Antwort sein, wenn der Maßstab die Leistung in Dortmund ist. Denn diese fügt sich ein in einen seit Wochen andauernden Prozess der Selbstaufgabe.

Was die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka beim BVB ablieferte, war erneut katastrophal. Bereits nach einer Viertelstunde hätte 96 schon mit 0:3 in Rückstand liegen müssen. Und dass es am Ende nur vier Gegentreffer durch Neven Subotic (43. Minute), Nelson Valdez (77.), Kevin Großkreutz (88.) sowie das Eigentor von Mario Eggimann (60.) waren – einmal traf 96 durch Arouna Koné auch ins richtige Tor (81.) –, verdankten die „Roten“ der miserablen Chancenverwertung der Borussen, denen bis weit in die 2. Halbzeit auch kaum etwas gelang und die bis dahin beim Wettbewerb um die meisten Fehlpässe nur ganz nur ganz knapp hinter den „Roten“ lagen. „Dass wir 28 Torschüsse hatten, das gab es schon einmal, glaube ich. Dass sich daraus auch 15 hundertprozentige Chancen ergeben, das habe ich aber noch nie erlebt“, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp.

Es fällt schwer, die desolate Vorstellung von 96 zu beschreiben, ohne dabei sarkastisch und zynisch zu werden. War der Fehlpass des unbedrängten Eggimann auf den zehn Meter entfernten Hanno Balitsch in der 29. Minute denn wirklich so schlimm? Der Ball hätte ja auch wie so oft zuvor bei einem Dortmunder landen können. Und verdient Konstantin Rausch nicht ein Lob dafür, dass er vor dem 0:3 versucht zu klären, doch stattdessen Valdez anschießt? Schließlich war Rausch der einzige 96-Verteidiger, der in dieser Szene nicht stehen geblieben war. Was für ein schlimmer Auftritt der „Roten“.

Eine ungewohnte Reaktionen auf die Niederlage gab es auch von Slomka. Stellte sich der Trainer bislang schützend vor sein Team, so kritisierte er nach der Pleite in Dortmund seine Spieler öffentlich. Wer so einen „schweren individuellen Fehler in der Abwehr“ mache wie beim 4:1, der „ist für mich nicht tauglich, um in so einem Spiel in der Bundesliga auf dem Platz zu stehen“, sagte der Coach. Als „unverständlich und unprofessionell“ bezeichnete Slomka zudem das Verhalten bei der Ecke, nach der die Borussen in Führung gegangen waren. Da habe sich einer eine „Auszeit genommen. So etwas darf nicht passieren“, sagte der 42-Jährige ohne dabei Namen zu nennen.

Bei Hannover 96 schwinden die Hoffnungen auf den Klassenverbleib: Mit dem 1:4 (0:1) bei Borussia Dortmund setzten die „Roten“ die bedenkliche Talfahrt der vergangenen Wochen in der Fußball-Bundesliga fort und blieben auch im achten Spiel in Folge ohne Punktgewinn.

Sicher ist, dass es am Sonntag beim Heimspiel gegen Wolfsburg wieder Veränderungen in der Startelf geben wird. „Wenn die Spieler das nicht kapieren, dann müssen halt andere spielen“, sagte Slomka, der in fünf Spielen als 96-Trainer immer noch ohne Punktgewinn ist, laut Sportdirektor Jörg Schmadtke die Mannschaft jedoch bis zum letzten Spieltag betreuen wird. „Ja“, antwortete Schmadtke einsilbig auf die Frage, ob er einen weiteren Trainerwechsel ausschließen kann.

Und wie geht es weiter mit 96, kann sich die Mannschaft vor dem Abstieg retten? Wenn das Team mit dieser Einstellung und diesem Einsatz weitermacht – auch in Dortmund kamen die „Roten“ wieder ohne Gelbe Karte aus –, geht es schnurstracks in die 2. Liga. Das ist kein Witz. Und schon gar nicht zum Lachen.

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