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Hannover 96 Erst retten, dann reden
Sportbuzzer Hannover 96 Erst retten, dann reden
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00:19 23.05.2015
Von Heiko Rehberg
„Unser erster Ansprechpartner“: 96-Trainer Michael Frontzeck hat das Vertrauen der Spieler gewonnen. Quelle: Petrow
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Hannover/Marienfeld

Donnerstag bittet Michael Frontzeck zum Gespräch. Seit Mittwoch bereiten sich der Trainer und die Mannschaft des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 wieder im Hotel „Klosterpforte“ in Marienfeld auf das letzte Saisonspiel am Sonnabend gegen den SC Freiburg vor, und es wäre nachvollziehbar gewesen, wenn Frontzeck auf die Plauderrunde mit den Reportern verzichten würde.

Joachim Löw, der Bundestrainer, hat bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in vergleichbaren Situationen gern seinen Assistenten geschickt. Aber Frontzeck wird nach einem Tag Pause heute erneut zur Verfügung stehen und ruhig und unaufgeregt erklären, warum Hannover 96 auch am Sonnabend um 17.20 Uhr noch ein Erstligist sein wird. Nur über sich wird Frontzeck nicht reden, so wie die ganzen vier Wochen nicht, seitdem er im Amt ist.

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Hannover 96 bereitet sich wieder im Hotel „Klosterpforte“ in Marienfeld auf das alles entscheidene Spiel gegen den SC Freiburg vor. Am Mittwochnachmittag traf die Mannschaft geschlossen im Hotel ein.

Es geht gegen Freiburg auch um seine Zukunft, aber der 51-Jährige hat in den vergangenen Wochen glaubwürdig den Eindruck vermittelt, dass das momentan für ihn unwichtig ist. Er hat damit in kurzer Zeit viele Pluspunkte gesammelt, im Umfeld, aber auch bei den Profis.

„Erst Rettung, dann Unterschrift?“

Als sie bei 96 Frontzeck nach der Trennung von Tayfun Korkut aus dem Hut gezaubert haben, schien alles klar: ein Vertrag für fünf Spiele (oder bei Relegation für sieben Spiele), eine halbe Million Euro als Rettungsprämie beim Klassenerhalt, danach ist Frontzeck wieder weg. Doch nach vier Spielen sieht die Sache anders aus. „Erst Rettung, dann Unterschrift?“ titelte die „Bild“-Zeitung, die sicherlich nichts gegen eine Lösung mit dem Boulevard-kompatiblen Peter Neururer gehabt hätte, mit dem Clubchef Martin Kind auch verhandelt hat, wenn wohl auch eher widerwillig, wie es heißt.

Offiziell ist Frontzeck beim Klassenerhalt der „erste Ansprechpartner“ für die kommende Saison. Aber könnte es sich 96 überhaupt leisten, den Retter wieder ziehen zu lassen? Frontzeck hat bislang erstklassige Arbeit geleistet. Er hat die Taktik verändert und bei einigen Spielern (Jimmy Briand, Kenan Karaman, Joselu, Didier Ya Konan) genauer hingeschaut als sein Vorgänger. Vor allem aber hat er das Vertrauen der Mannschaft gewonnen und sie befreit von Korkuts Fußballidee, die nur in der Theorie funktionierte. Wenn er möchte – und es gibt keine Anhaltspunkte, dass er nicht will – dann wird kommende Saison in der 1. Liga der Trainer Frontzeck heißen. Und falls es schiefgeht?

Frontzeck würde mit großer Sicherheit der Verlockung widerstehen, darauf hinzuweisen, dass in fünf Spielen nicht zu schaffen war, was 29 Begegnungen in die falsche Richtung gelaufen ist; mit einem Team, auf dessen Zusammenstellung er null Einfluss gehabt hat. Aber der ehemalige Nationalspieler ist sicher, dass er nicht erst in diese Bredouille kommt. Und dann von Sonntag an erstmals auch über seine Zukunft reden kann.

So läuft die Relegation

96 und seine Fans setzen am Sonnabend voll auf Sieg, damit wäre ein weiteres Jahr Fußball-Bundesliga auf dem direkten Weg gesichert. Es könnte aber auch der Umweg drohen: die Relegation gegen den Dritten der 
2. Liga. Wir beantworten alle wichtigen Fragen – man weiß ja nie ...
  • In welchem Fall wäre 96 dabei? Der Rutsch auf Platz 16 wäre perfekt, wenn es gegen Freiburg ein Unentschieden gibt sowie gleichzeitig der VfB Stuttgart in Paderborn siegt und Hertha BSC nicht höher als mit einem Tor Unterschied in Hoffenheim unterliegt.
  • Wann sind die Spiele angesetzt? Voraussichtliche Termine sind Donnerstag, 
28. Mai, und Montag, 1. Juni; die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wird heute verbindlich informieren. Der Drittletzte der 1. Liga hat zuerst Heimrecht. Die genauen Anstoßzeiten sind auch noch nicht festgelegt. Ob in Hannover Dauerkarten Gültigkeit haben könnten, ist nicht entschieden. „Wir haben uns da noch keine abschließende Meinung gebildet“, sagte Stadionchef Thorsten Meier.
  • Wer könnte der Gegner sein? Hinter dem FC Ingolstadt liefern sich der SV Darmstadt (56 Punkte) sowie der Karlsruher SC und der 1. FC Kaiserslautern (je 55) ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Entscheidung fällt Sonntag in den Partien DarmstadtFC St. Pauli, Karlsruhe1860 München und Lautern – Ingolstadt.
  • Wie haben sich die Erstligisten bislang geschlagen? Relegationsspiele im deutschen Profifußball gibt es wieder seit der Saison 2008/2009 (davor von 1982 bis 1991). In den sechs Runden konnten am Ende zweimal Vertreter der 2. Liga 
jubeln: der 1. FC Nürnberg (2009) und Fortuna Düsseldorf (2012). 2014 scheiterte Greuther Fürth nur aufgrund der Auswärtstorregel am Hamburger SV.
  • Hat 96 Relegationserfahrung? Ja, und das gleich doppelt, wenn auch als Drittligist. 1997 zogen die „Roten“ gegen Energie Cottbus den Kürzeren, im Jahr darauf machten sie es gegen Tennis Borussia Berlin besser und stiegen als Regionalligameister in die 2. Liga auf.
  • Zählen Gelbe Karten aus der am Sonnabend zu Ende gehenden Saison? Ja, wie die DFL auf Nachfrage bestätigte. Gefahr, aufgrund einer Sperre eines der beiden Spiele zu verpassen, laufen fünf Spieler. Viermal Gelb haben vor dem Freiburg-Finale Marcelo, Manuel Schmiedebach, Edgar Prib und Joselu kassiert, auf der Hut sein muss auch Salif Sané (8), wenn er sich übermorgen eine weitere Verwarnung einhandeln sollte.

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