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Hannover 96 Das Phantom von Hannover 96
Sportbuzzer Hannover 96 Das Phantom von Hannover 96
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18:35 22.04.2015
Von Simon Benne
Dieses undatierte Foto zeigt das Eilenriedestadion nach dem Krieg.
Dieses undatierte Foto zeigt das Eilenriedestadion nach dem Krieg. Quelle: Hausschild-Archiv
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Hannover

Er muss der Held des Tages gewesen sein: Vier Tore erzielte der Brite beim 9:1-Sieg gegen Schwarz-Gelb Göttingen für Hannover 96. Doch bald darauf gab es Ärger um den Einsatz des britischen Soldaten Fry, der die 96er im Dezember 1946 für ein paar Spiele verstärkt hatte: Der Zonenfußballausschuss verbot seine Teilnahme, Fry verschwand aus der Aufstellung. Heute ist kaum etwas über ihn bekannt - und je mehr man weiß, umso mehr Fragen tun sich auf: „Für uns ist dieser Fußballspieler ein Phantom“, sagt 96-Archivar Sebastian Kurbach.

In England soll Fry bei Charlton Athletic gespielt haben. „Doch die Suche nach ihm blieb bislang leider erfolglos“, sagt 96-Chronist Hans-Heinrich Kellner. War der Brite in Hannover unter einem Tarnnamen angetreten, weil er fürchtete, Kontakte zu einem deutschen Club könnten ihm schaden? Oder haben die 96er aus irgendwelchen Gründen getrickst? „Vielleicht“, sagt Kellner, „ist der Name Fry erfunden.“

„Den Namen habe ich nie gehört“: Der 95-jährige Erich Oberkönig spielte 1945/46 für die "Roten". Quelle: Surrey

Erich Oberkönig jedenfalls erinnert sich an keinen englischen Teamkameraden: „Den Namen Fry habe ich nie gehört“, sagt der rüstige 95-Jährige. Er selbst gilt als der älteste noch lebende 96-Spieler: Nach der Heimkehr aus der Gefangenschaft kickte er 1945/46 für die „Roten“. Er stand noch mit Spielern aus der legendären Reichsmeister-Mannschaft von 1938 auf dem Platz. „Die Engländer hatten nach dem Krieg das Eilenriedestadion in Beschlag genommen“, sagt er: „Unsere Spiele waren im Innenrund der Radrennbahn.“

Die Spiele waren gut besucht, das Bedürfnis nach Zerstreuung war immens. Schon im September 1945 hatte eine gemischte Mannschaft von 96 und Arminia gegen eine britische Militärauswahl das erste Nachkriegsspiel bestritten (und 6:0 gewonnen). Anfang 1946, zum 50-jährigen Vereinsjubiläum, durften die 96er dann für ein paar Spiele das Eilenriedestadion nutzen - offenbar war den Briten an gedeihlichen Beziehungen zu dem Club gelegen. Warum also sollte Soldat Fry falsche Angaben zu seiner Identität gemacht haben, zumal Fußball beliebt war und ein Engländer nur Sympathien für die Briten wecken konnte?

Gut bezahlt wurden die Spieler damals nicht, doch bei Auswärtsspielen gab es oft Pfannenschlag für die Fußballer. Manche von ihnen waren auf solche Mahlzeiten angewiesen. Der geheimnisvolle Engländer Fry, soviel steht fest, dürfte nicht zu den Bedürftigen gehört haben. Doch woher er kam und was aus ihm wurde, ist bis heute rätselhaft.

Wer Informationen zum Spieler Fry hat, wird gebeten, sich bei Hans-Heinrich Kellner unter (0 54 41) 12 71 zu melden.

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