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Hannover 96 „Das war keine Nacht- und Nebelaktion“
Sportbuzzer Hannover 96 „Das war keine Nacht- und Nebelaktion“
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08:44 28.04.2015
Von Norbert Fettback
Großer Andrang: Mehr als 500 Mitglieder waren zur 96-Jahreshauptversammlung gekommen. Quelle: Behrens
Hannover

Man hätte ausverkauft vermelden können. Es ging fast nichts mehr auf der gestrigen Jahreshauptversammlung von Hannover 96. e.V., die dann doch recht zügig um 22.30 Uhr beendet war. Mehr als 500 Mitglieder der „Roten“ waren gekommen, darunter 361 stimmberechtigte, im Business-Bereich der HDI-Arena mussten auf die Schnelle noch Stühle herbeigeschafft werden - und trotzdem reichte dies aufgrund der großen Resonanz nicht. Etliche Besucher verfolgten die alljährliche Zusammenkunft im Stehen.

Noch bemerkenswerter als der überdurchschnittliche Zuspruch war der konstruktive Verlauf. Statt der vielfach erwarteten Streitereien wurde überwiegend konstruktiv diskutiert. Und das mit neuen Ansätzen und Angeboten: So ist die Gründung eines Fanbeirats im Gespräch. Klubchef Martin Kind machte den Vorschlag, der Stammverein könne an Kapitalerhöhungen beteiligt werden. Was sich jüngst im Bundesligaspiel gegen Hoffenheim abgezeichnet hatte, wurde inhaltlich bestärkt: Teile der Fanszene und Club machen weitere Schritte aufeinander zu. Man findet wieder zueinander - ungeachtet des chaotisch anmutenden Hin und Hers bei der gestrigen Entlastung des Vorstandes. Da musste mehrfach ausgezählt werden.

Alle Bilder zur Jahreshauptversammlung 2015 von Hannover 96.

Valentin Schmidt, der Aufsichtsratsvorsitzende von Hannover 96 e.V., fasste diesen Eindruck in die Worte: „Wir gehören zusammen, weil wir gemeinsam Erfolg wollen.“ Jüngst hatte sich einiger Unmut über den Verkauf der letzten Anteile an der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA durch den Vorstand an die Sales & Service GmbH & Co. KG (S&S) geregt, etliche Mitglieder fühlen sich hintergangen und nicht ausreichend informiert. Andere sprachen vom Ausverkauf.

Montagabend wurde weitestgehend Klartext geredet, und es kam das zur Sprache, was in den vergangenen Monaten offenkundig versäumt worden war. Demnach wurde die knapp 16 Prozent der Anteile, die einen geschätzten Wert von 1,25 Millionen Euro hatten, für 3,5 Millionen veräußert. Das war ausschlaggebend für den 2014 erzielten Jahresüberschuss von rund 2,6 Millionen Euro, den der Stam mverein verbuchen konnte. „Das war keine Nacht- und Nebelaktion“, sagte Vorstandsmitglied Ralf Waßmann, der von einem guten Verkaufsergebnis sprach. Aus der Beteiligung an der KGaA habe der Verein keinerlei Erträge erzielt, das wäre auch künftig nicht zu erwarten gewesen.

Die 96-Jahreshauptversammlung

Die Jahreshauptversammlung, laut 96-Satzung auch ordentliche Mitgliederversammlung genannt, gehört nach Paragraf 10 wie der Vorstand, der Aufsichtsrat und der Ehrenrat zu den sogenannten Organen des Vereins. Sie ist das oberste beschließende Organ von Hannover 96 e.V. und muss jährlich innerhalb von vier Monaten nach Ende des Geschäftsjahres, was dem Kalenderjahr entspricht, stattfinden. Beschlüsse können unabhängig davon gefasst werden, wie viele Mitglieder zur Versammlung erschienen sind. In der Regel gilt die einfache Stimmenmehrheit. Für Satzungsänderungen ist hingegen eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Anträge zur Tagesordnung der Jahreshauptversammlung sind mindestens zehn Tage vor der Zusammenkunft beim Vorstand einzureichen. Laut Satzung müssen sie zu Versammlungsbeginn bekannt gegeben werden. Ein Dringlichkeitsantrag hat nur Aussicht auf Zulassung, wenn er von einer Zweidrittelmehrheit unterstützt wird. Dem Verein gehören derzeit rund 20 000 Sportler und Sportinteressierte an, ein Großteil als sogenannte fördernde Mitglieder aus Verbundenheit zur Bundesliga-Fußballmannschaft .

Clubchef Kind, zugleich Vorstandsvorsitzender von Hannover 96 e.V., trat einen Tag vor seinem 71. Geburtstag mehrfach ans Mikrofon. Zur Sprache kamen dabei erstmals Details des 15 Seiten umfassenden Grundlagenvertrages, den Stammverein sowie die beiden Kapitalgesellschaften KGaA und S&S im Herbst 2014 abgeschlossen haben. Dieser sei „auf ewig“ vereinbart, auch bei der Nutzung der Markenrechte gebe es für den Verein keinerlei Beschränkungen. Der Vertrag soll, das sagte Kind zu, den Mitgliedern in den nächsten Tagen zur Einsicht zur Verfügung gestellt werden.

Im Zusammenhang mit dem acht Millionen Euro teuren Projekt Stammestraße verfolgt 96 das Ziel, die Nummer eins im Breitensport der Landeshauptstadt zu werden. Das sei eine „Zukunftsperspektive“, sagte Kind. Das Sportzentrum, das im Mai 2017 fertiggestellt sein soll, wird überwiegend mit eigenem Kapital finanziert.

Allgemeine Anerkennung erntete Andreas Hüttl für seinen Vorstoß, das Verhältnis zwischen aktiver Fanszene und Clubführung zu entkrampfen. „Ein Gegeneinander kann es nicht wirklich geben, und Streitigkeiten müssen nicht sein“, sagte der Jurist, der dem neu gegründeten „Fanbeteiligungs- und Unterstützungsverein“ (FUV) vorsteht. Damit die Anhänger der „Roten“ die nötige Wertschätzung erfahren können, sei ein Fanbeirat ein geeignetes Instrument. Noch gebe es ungeachtet der jüngsten Entwicklung „ein paar Baustellen“.

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