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Hannover 96 Der Bus – verhasst, aber billig und bequem
Sportbuzzer Hannover 96 Der Bus – verhasst, aber billig und bequem
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23:44 06.04.2014
Vor dem Einsteigen in die Busse wird jeder Fan durchsucht. Quelle: Thomas
Hannover/Braunschweig

Zu dumm, dass die unabdingbar ist, wenn man das Spiel sehen will. In Bus 9 wird Fahrzeit von gut einer Stunde damit zugebracht, das ganze Prozedere von vorn bis hinten und wieder zurück zu diskutieren. „Der Buszwang“ – wie sie die Regelung von Hannover 96 für eine kontrollierte Anreise der Fans zum Derby nannten – klaue ihnen die Zeit am Wochenende und beschneide ihre Rechte als Fußballfan.

50 Busse fahren nach Braunschweig. Direkt über die Autobahn 2 geht es schnurstracks zum Stadion. Kein Umweg, keine Pause. Das stellt manchen Fan vor gewisse Unbequemlichkeiten. In Braunschweig angekommen, verlassen sie den Bus und eilen erst einmal zu den mobilen Toiletten.

Da, wo der Frust größer ist als der Druck, machen sie ihrem Ärger Luft und schreien Ordner, Beamte und andere Fans an. In einem Bus, heißt es, hätten 96-Fans sogar die Polizei gerufen, sich bis zur Autobahnpolizei durchstellen lassen und eindringlich darum gebeten, den ganzen Konvoi zu stoppen – für eine Pinkelpause. Andere greifen in ihrer Not zu Flaschen und Mülleimern.

Die Angst einiger Fans, von Braunschweiger Fans attackiert zu werden, erfüllt sich nicht. Mit großem Polizeiaufgebot werden die Konvois und die Fans von den gegnerischen Fans abgeschirmt.

Etwa 1000 Fans demonstrieren mit einem Marsch für die „Grundrechte von Fußballfans“, 96-Anhänger werden mit Bussen eskotiert und am Abend schlägt Enttäuschung in Wut um. Die Ereignisse des Derby-Tages in Bildern.

Carmen Germun, ihr Vater spielte einmal unter dem 96-Meistertrainer Fiffi Kronsbein, erträgt die viel geschmähte Fahrt gelassen. „Das hat zwar mit einer Auswärtsfahrt nichts zu tun“, sagt sie. Doch andererseits sei die Anfahrt und Abfahrt bequem und günstig gewesen. Sie bedauert nur, dass ihre Freunde, mit denen sie immer in die HDI-Arena geht, kein Glück bei der Ticketverlosung hatten. Ärgerlich, weil in einigen Bussen Plätze leer bleiben.

Das Praktische an der ganzen Unternehmung sehen die Fans in Bus 14 auf der Rückreise nach der Niederlage wohl auch. Es herrscht gespenstische Ruhe. In kleinen Gruppen wird die Leistung diskutiert, die Tabelle mit großen Augen geprüft. „Ich will einfach nur nach Hause kommen, und dafür genügt mir der Bus allemal“, sagt einer. Paradox: Schon lange vor dem Spiel streben nicht wenige zurück in die verhassten Busse. Lieber dort sitzen als im Stadion, wo man das sportliche Elend mit ansehen muss. Schlechte Laune, aber keine Auswüchse – so meldet die Polizei zum Schluss des Bustransfers: keine besonderen Vorkommnisse.

von Felix Klabe

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