Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Hannover 96 Trostlose Nullnummer
Sportbuzzer Hannover 96 Trostlose Nullnummer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 11.11.2013
Von Björn Franz
Kann es kaum fassen: Leon Andreasen. Quelle: dpa
Hannover

Als Knut Kircher um 
22.20 Uhr in seine Pfeife blies, wurde es einmal kurz laut. Ein gellendes Pfeifkonzert war in der HDI-Arena zu hören. Aber nur kurz. Dann wurde aus dem Ausbruch des Frustes über ein tor- wie trostloses Unentschieden zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig am Freitagabend ein weitgehend stiller Abschluss. Während die Fans des Aufsteigers ihre Spieler nach Spielende feierten, verließen die Anhänger der „Roten“ unter den 47 200 Zuschauern das Stadion nach dem 0:0 mit einer Gefühlsmischung aus Frust und Ernüchterung. Denn ihre Mannschaft tritt nach einem über weite Strecken erschreckend schwachen Auftritt in der Fußball-Bundesliga weiter auf der Stelle.

Die 96-Spieler in der Einzelkritik: Sakai schaltet in den Sparmodus, Diouf setzt sich zu selten durch.

Was besonders ernüchternd war, das war die Einfallslosigkeit, mit der die ambitionierten Gastgeber dem biederen Niedersachsenrivalen gegenübertraten, der mit Karim Bellarabi noch seinen besten Kicker wegen Leistenproblemen ersetzen musste. Die Emotionen, die man mit einem Derby verbindet, suchte man auf dem Rasen zunächst vergeblich. Die „Roten“ waren ganz offensichtlich darum bemüht, die Sache ganz ruhig und sachlich anzugehen, um ihre vermeintliche spielerische Überlegenheit mit Bedacht in die Waagschale zu werfen.

Das Ganze hatte nur einen Haken: Die 96er agierten so übertrieben ruhig und sachlich, dass sie die kompakt stehenden Braunschweiger damit fast nie mit spielerischen Mitteln in Verlegenheit bringen konnten. Es fehlte das Tempo, die Explosivität – und vor allem fehlten zündende Ideen.

Vorne hing der nach seiner Sperre ins Team zurückgekehrte Mame Diouf als einzige Spitze weitgehend in der Luft. Trainer Mirko Slomka hatte sich dafür entschieden, statt eines zweiten Angreifers Leonardo Bittencourt als weiteren Mittelfeldspieler auf der rechten Außenbahn aufzustellen. Doch die überraschenden Ideen, die sich der 96-Coach davon erhofft haben dürfte, blieben aus.

Bis auf einen Schuss aus spitzem Winkel kurz vor der Pause war von dem 19-Jährigen kaum etwas zu sehen. Und im zentralen Mittelfeld mühte sich Lars Stindl zwar darum, das Spiel seiner Mannschaft anzukurbeln, doch mehr als ein gutes Zuspiel auf Diouf, dessen Schuss weit über das Tor flog (28.), kam dabei nicht heraus.

Drei Punkte sollten her, am Ende mussten sie sich die Punkte teilen: Hannover 96 und Eintracht Braunschweig trennten sich im November 2013 mit 0:0. Es war das erste Niedersachsen-Derby der beiden Teams in der Bundesliga seit 37 Jahren.

So geriet die wahrlich nicht sattelfeste Eintracht-Hintermannschaft vor der Pause fast nur dann in Gefahr, wenn der Ball hoch vor das Tor segelte. Die beste Gelegenheit hatte dabei Innenverteidiger Andre Hoffmann, dessen Kopfball Torhüter Daniel Davari mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte (10.). Darüber hinaus lag der Treffer, den sich die 96-Fans so sehnlichst wünschten, kaum einmal wirklich in der Luft. Und da tröstete es die Anhänger kaum, dass der Aufsteiger in den kompletten 90 Minuten nicht ein einziges Mal gefährlich vor das Tor von Ron-Robert Zieler kam.

Nach dem Seitenwechsel agierten die Hannoveraner zwar etwas engagierter. Doch je mehr die Zeit ihnen davonlief, desto nervöser wirkten sie dabei zugleich. Ganz so, als würden sie sich erst nach und nach klar darüber, dass es wohl nichts werden würde mit dem fest eingeplanten Derbysieg.

Auch das entsprechende Signal von der Seitenlinie kam nicht. Slomka brachte Mitte der 2. Halbzeit zwar den von ihm zuletzt weitgehend ignorierten Jan Schlaudraff für Bittencourt, doch Diouf blieb bis kurz vor Schluss, als Artur Sobiech ins Spiel kam, einzige Spitze – besser wurde das Spiel der Mannschaft dadurch nicht.

So lief die Zeit langsam herunter. Bis Kircher ein Einsehen mit den enttäuschten Fans hatte und dem trostlosen Abend ein Ende machte.

Dufner und Kind reden von Krise

 Die 96-Spieler bekamen schnell zu spüren, was die hannoverschen Fans von dem Ergebnis, besonders aber von ihrem Auftritt gehalten haben. Sie pfiffen sie auf dem Weg zur Nordkurve gnadenlos aus. Die Anhänger hatten den Derbysieg nicht nur gefordert, sondern auch klar erwartet. Nur 0:0 gegen Eintracht Braunschweig, das nervte in Hannover so ziemlich alle. „Ich habe Verständnis für unsere Fans“, sagte Andre Hoffmann, der als Innenverteidiger gar keine Bindung zum Spiel gefunden hatte. „Wir hatten uns so viel vorgenommen. Darum ist die Enttäuschung bei uns besonders groß.“

Letzteres sah auch Sportdirektor Dirk Dufner so. „Die Pfiffe kamen nicht unerwartet“, sagte er. Er sieht sein Team sogar in „einer kleinen Krise. Die kann man nicht hinwegreden. Ich will sie aber auch nicht größer machen, als sie ist.“ Sie ist zumindest so groß, dass 96 nach nur zwei Punkten aus sechs Spielen den eigenen Ansprüchen hinterherhechelt. Nicht nur gestern Abend enttäuschte 96 fußballerisch wieder komplett. „Uns fehlt die spielerische Komponente“, meinte Torwart Ron-Robert Zieler.

„Es läuft nicht. Das ist und war viel zu wenig“, sagte Trainer Mirko Slomka, dem besonders das maue Ergebnis auf den Magen geschlagen zu sein schien. „Natürlich wollten wir gewinnen. Für unsere Fans, aber auch für uns und einen besseren Platz in der Tabelle“, sagte er. „Insgesamt war es viel zu wenig für die eigenen Ansprüche.“ Am Ende habe man seiner Elf deutlich angemerkt, dass sie Angst bekommen habe, noch zu verlieren. Zufriedene Worte des Trainers gab es aber auch: „Auf dem Platz ging es außerordentlich fair zu.“

Klubchef Martin Kind fand dagegen gar keine positiven Worte. „Wir müssen sehen, dass wir unsere Ergebniskrise in den Griff bekommen“, sagte der 69-Jährige. Richtig wütend wurde er, als er das Pyrotechnik-Abbrennen einiger 96-Anhänger angesprochen wurde: „Diese Typen machen mich einfach fassungslos.“

Mehr zum Thema
Hannover 96 Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig - Kein Sieger im Derby

Hannover 96 wollte den Sieg im Niedersachsen-Derby gegen Eintracht Braunschweig. Am Ende aber trennen sich beide Teams torlos. Für 96 ein enttäuschendes Ergebnis. Das Spiel zum Nachlesen.

08.11.2013
Hannover 96 Polizei, Proleten, Pyrotechnik - Der Derby-Ticker zum Nachlesen

Wasserwerfer, Pyrotechnik, vermummte Gestalten: Rund um das Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ist es zu Ausschreitungen gekommen. Der Derbytag im Ticker zum Nachlesen auf HAZ.de.

09.11.2013
Hannover 96 Sportbuzzer-Fotoaktion zum Derby - Gemeinsam in Eintracht

Zwei Städte, zwei Klubs, aber eine 1000-jährige gemeinsame Geschichte: Wenn am Freitag Hannover 96 und Eintracht Braunschweig aufeinander treffen, ist in erster Linie von Rivalität und Problemen die Rede. Aber das muss nicht sein. Das HAZ-Sportportal „Sportbuzzer" sucht Ihre Fotos der "Eintracht".

07.11.2013
Hannover 96 Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig - Kein Sieger im Derby

Hannover 96 wollte den Sieg im Niedersachsen-Derby gegen Eintracht Braunschweig. Am Ende aber trennen sich beide Teams torlos. Für 96 ein enttäuschendes Ergebnis. Das Spiel zum Nachlesen.

08.11.2013
Hannover 96 Polizei, Proleten, Pyrotechnik - Der Derby-Ticker zum Nachlesen

Wasserwerfer, Pyrotechnik, vermummte Gestalten: Rund um das Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig ist es zu Ausschreitungen gekommen. Der Derbytag im Ticker zum Nachlesen auf HAZ.de.

09.11.2013
Hannover 96 Sportbuzzer-Fotoaktion zum Derby - Gemeinsam in Eintracht

Zwei Städte, zwei Klubs, aber eine 1000-jährige gemeinsame Geschichte: Wenn am Freitag Hannover 96 und Eintracht Braunschweig aufeinander treffen, ist in erster Linie von Rivalität und Problemen die Rede. Aber das muss nicht sein. Das HAZ-Sportportal „Sportbuzzer" sucht Ihre Fotos der "Eintracht".

07.11.2013