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Hannover 96 Die „Roten“ kriegen die Ergebniskrise
Sportbuzzer Hannover 96 Die „Roten“ kriegen die Ergebniskrise
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00:19 11.02.2015
Von Norbert Fettback
Nach dem Schlusspfiff: Die Hamburger bejubeln einen unverdienten Sieg, 96-Kapitän Lars Stindl ist enttäuscht. Quelle: imago
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Hamburg

Der Blick in die Gesichter offenbarte außer tiefer Enttäuschung einen Schuss Ratlosigkeit. Ob Spieler, ob Verantwortliche von Hannover 96: Die 1:2-Niederlage im Bundesliga-Nordderby beim Hamburger SV warf mehr Fragen auf, als dass danach wirklich schlüssige Antworten zu hören waren. Was will man auch ins Feld führen, wenn die spielerisch klar bessere Mannschaft mal wieder als Verlierer vom Platz geht? Und wenn bei beiden Gegentreffern (26. Minute, Eigentor Marcelo; 50. Jansen) der 96-Innenverteidiger auch noch kräftig mithilft und Joselu, bislang fehlerfreier Elfmeterschütze, beim Stand von 0:0 verschießt, dann bleibt nur ein Schulterzucken. „Diesmal kam alles zusammen“, sagte 96-Sportdirektor Dirk Dufner, der das Ganze auch nicht fassen konnte.

Die Bilder zum Spiel zwischen Hannover 96 und dem Hamburger SV.

„Für unsere Ansprüche ist das zu wenig“, sagte Kapitän Lars Stindl. Noch schlimmer: Nur eine der vergangenen neun Begegnungen hat 96 für sich entschieden, von Platz 4 ging es seitdem runter auf Rang 10. Allein der SC Paderborn, am Sonntag der nächste Kontrahent, ist vergleichsweise noch schlechter über den Winter gekommen.

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Da verwundert es nicht, dass der erfolgsorientierte Clubchef Martin Kind von einem „Ergebnisproblem“ spricht. Das Wort Krise umdribbelte er indes. Vom hochgesteckten Ziel, nächste Saison mal wieder in einem europäischen Wettbewerb dabei zu sein, hat er sich verabschiedet. „Das Thema ist beendet“, sagte Kind. Vielleicht sei es ohnehin ein „bisschen unvernünftig“ gewesen, so etwas überhaupt ins Auge zu fassen.

In Internetforen, in denen sich Anhänger der „Roten“ austauschen, wird seit dem vergangenen Wochenende schon darüber spekuliert, ob kommenden Sonntag infolge der Punktemisere nun ein Endspiel anstehe. Eines für Tayfun Korkut, den Trainer, und auch für Dirk Dufner, den Mann, der letztlich für die Spielerverpflichtungen verantwortlich ist. Die Diskussion darüber, einen Chefcoach infrage zu stellen, dessen Team mit einem einstelligen Tabellenplatz in dem Fahrwasser unterwegs ist, das zu Saisonbeginn als die Route zum Ziel benannt worden war, erscheint müßig. Doch muss sich rasch etwas ändern, Punkte müssen her, das steht außer Frage.

Einzelkritik zum Spiel Hannover 96 gegen den Hamburger SV.

Gelingen kann das aber nur, wenn die „Roten“ ihr aktuelles Kardinalproblem lösen. Chef auf dem Platz zu sein reicht allein nicht, wenn diese Rolle nicht mit Toren untermauert wird. In Hamburg war es besonders offensichtlich: Die Mannschaft zog speziell in der zweiten Halbzeit ein ausgesprochenes Powerplay auf, doch bei allem Bemühen resultierte daraus nur ein Treffer durch den als zweiten Stürmer eingewechselten Artur Sobiech (66.). Es rächte sich bitter, dass Joselu mit einem von Rafael van der Vaart an Salif Sané verursachten Foulstrafstoß an Jaroslav Drobny gescheitert war (23.). „Dann wäre das Spiel ganz anders gelaufen“, sagte Korkut, der nach der Halbzeitpause Neuzugang João Pereira für den erneut schwachen Hiroki Sakai ins Spiel nahm.

Der Portugiese zeigte, dass er gute  Flanken schlagen kann – das wiederum könnte künftig ein Mittel gegen die 96-Torflaute und damit gegen das leidige Ergebnisproblem sein.

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