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Hannover 96 Die „Roten“ tanken Kraft für den Endspurt
Sportbuzzer Hannover 96 Die „Roten“ tanken Kraft für den Endspurt
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00:15 02.05.2015
Von Norbert Fettback
Fit für den Abstiegskampf: Joao Pereira (v.l.), Didier Ya Konan, Hiroshi Kiyotake und Christian Schulz kommen beim Krafttraining ins Schwitzen. Quelle: Sielski
Hannover

Es gibt schon noch was zu lachen. Auch wenn die sportliche Situation bei Hannover 96 eher düster ist: Als Marcelo zum Vormittagstraining den Platz betrat, nahm sich der Innenverteidiger die Zeit, den Gruß aus einer Kindergartengruppe am Spielfeldrand freundlich zu erwidern. Wahrscheinlich spielte auch Erleichterung mit: Der Brasilianer war nach seiner unfairen Attacke gegen Sven Schipplock gegen Ende des Hoffenheim-Spiels mit dem Schrecken davongekommen. Das Sportgericht verzichtete auf die zu befürchtende Sperre - Marcelo kann am Sonnabend beim Niedersachsen-Derby in Wolfsburg dabei sein.

Eine gute Nachricht in der von Sorgen geprägten 96-Welt, die auch bei Michael Frontzeck für gewisse Erleichterung sorgte. „Ich finde, dass sich der Hoffenheimer Spieler fair verhalten hat“, sagte der 96-Trainer. Schipplock hatte darauf verzichtet, nach Marcelos Aktion noch Öl ins Feuer zu gießen, sondern verbal die Rolle des Feuerwehrmanns übernommen - und rettete den 96-Verteidiger vor der Strafe.

Frontzecks Rolle als Feuerwehrmann soll sich am 23. Mai erfüllt haben, so der Plan von Clubchef Martin Kind und Co. Dann endet die Saison für die „Roten“ mit dem Heimspiel gegen den SC Freiburg; es soll im 13. Bundesligajahr in Folge ein Happy End und kein Horrorfinale geben. Möglichst ohne Umweg über die Relegation, was Frontzecks Rettungseinsatz um zwei Spiele verlängern würde. „Er ist sehr stabil und selbstbewusst“, sagt der Clubchef über den 51-Jährigen. Kind hofft, dass sich das in der entscheidenden Saisonphase auf die Mannschaft überträgt. Die solche Eigenschaften, das war trotz der Steigerung im Hoffenheim-Spiel zu sehen, gut gebrauchen kann. Gefragt sind darüber hinaus weitere Impulse, die dem alles übergeordneten Ziel Klassenerhalt guttun. „Ich bin da für jede Idee offen“, sagt Kind.

Hannover 96 hat vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg noch einmal öffentlich trainiert. Ein Schwerpunkt lag auf dem Kopfballtraining.

Was so aber nicht ganz stimmt. Mit einer Nichtabstiegsprämie hat der Clubchef nichts im Sinn, wie er erklärte. Er sei generell „strikt dagegen“, Fußballprofis, denen ohnehin ein gutes Einkommen gezahlt werde, damit die sportlichen Ziele erreicht würden, so etwas in Aussicht zu stellen. „Das bringt nichts“, meint Kind. Frontzeck sieht das ähnlich. „Ich habe noch keinen Spieler erlebt, der schneller läuft, höher springt oder besser schießt, weil ihm so eine Prämie winkt“, sagt der neue 96-Coach.

Dann doch lieber ein Kurztrainingslager! Mitte kommender Woche erwägt der Club aus Hannover einen mehrtägigen Abstecher ins Sporthotel Klosterpforte in Marienfeld. Die Zimmer sind bereits reserviert und würden quasi vom ebenfalls vom Weg abgekommenen FC Schalke 04 übernommen werden, der diese Woche dort in aller Abgeschiedenheit wieder zu sich selbst finden will. Mit dieser Maßnahme sind die „Roten“ vor einem Jahr gut gefahren: Nach der 0:3-Niederlage gegen Eintracht Braunschweig wirkte der Abstecher nach Ostwestfalen in einer ähnlich dramatischen Lage äußerst belebend, wie sich anschließend beim 2:1 gegen den Hamburger SV zeigte. 96 blieb bis zum Saisonende ungeschlagen, holte in den fünf Spielen stolze 13 Punkte und war am Ende Zehnter. Der Glaube an sich selbst hatte im Kampf gegen den Abstieg Berge versetzt.

Der Stärkung des Wir-Gefühls diente auch eine andere Unternehmung. Im „Kokenkrug“ in Großburgwedel schaute sich die 96-Mannschaft auf eigenen Wunsch geschlossen den Auftritt des nächsten Bundesligakontrahenten im DFB-Pokalwettbewerb an. Frontzeck hatte den VfL Wolfsburg am Sonntag bei der 0:1-Niederlage in Mönchengladbach im Borussia-Park live beobachtet, nun rundete sich für ihn und sein Team das Bild ab.

Ob es dazu beiträgt, dass sich die Hoffnung des Clubchefs am Sonnabend erfüllt, steht auf einem anderen Blatt. „Mindestziel ist, nicht zu verlieren“, sagt Kind. Noch ist das ein frommer Wunsch.

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Im Abstiegskampf braucht Hannover 96 dringend die Tore von Joselu, doch der Angreifer ist schon seit 602 Minuten ohne Treffer. Sein letztes Erfolgserlebnis hatte er Ende Februar. Trainer Michael Frontzeck ist dennoch überzeugt: „Das wird schon, das geht im Fußball manchmal ganz schnell.“

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