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Hannover 96 „Die Stimmung in Hannover hilft nicht“
Sportbuzzer Hannover 96 „Die Stimmung in Hannover hilft nicht“
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20:54 20.02.2015
Von Christian Purbs
„Diese Liga ist gefährlich“: Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport beim heutigen 96-Gegner 1. FC Köln. Quelle: Nigel Treblin
Hannover

Herr Schmadtke, Sie als Geschäftsführer des 1. FC Köln haben sich zusammen mit FC-Trainer Peter Stöger am Sonntag das Spiel von Hannover 96 gegen Paderborn in der HDI-Arena angeschaut. Die Rückfahrt muss angenehm gewesen sein.
Ja, es war wenig Verkehr, es ging zügig.

Das freut mich. Abgesehen vom Verkehr dürften auch die Gespräche über die 96-Leistung aus Kölner Sicht erfreulich gewesen sein. Allzu große Sorgen müssen Sie sich nach der Leistung gegen Paderborn wohl nicht machen, oder?
Wir gehen davon aus, dass 96 nicht noch einmal so spielen wird wie am Sonntag.

Wie beurteilen Sie die Vorstellung Ihres ehemaligen Clubs?
Das war nicht richtig gut, sonst hätte 96 nicht verloren. Nach dem Spielverlauf war ich überrascht, dass sie das Spiel nicht nach Hause gebracht haben. Aber das kann passieren, man muss die Spiele auch nach einer Führung halt immer zu Ende spielen.

Bis auf Borussia Dortmund ist bislang keine Mannschaft aus Köln mit leeren Händen zurückgekehrt. Was ist der wesentliche Grund für die Heimschwäche des FC?
Wir haben auf den letzten 30 Metern vor dem gegnerischen Tor Probleme. Diese sehe ich in erster Linie im Erarbeiten und dann auch im Verwerten von Torchancen. Dieser Knoten wird hoffentlich bald platzen. Dafür genügen oft Kleinigkeiten und vielleicht auch etwas Glück.

Die besten Bilder vom Training der "Roten" am Freitag.

Auswärts funktioniert es wesentlich besser, da gab es schon fünf Siege.
Auswärts ist es so, dass wir beim Umschalten mehr Räume haben als im eigenen Stadion, weil die meisten Gegner bei uns defensiver eingestellt sind. Unsere Stabilität ziehen wir zum größten Teil daraus, dass wir kompakt stehen. Ab und an muss man auch daran erinnern, dass wir Aufsteiger sind und erst 24 Gegentore kassiert haben. Das ist gut.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass der FC seinen Heimfluch am Sonnabend gegen Hannover beendet?
Wir werden natürlich alles für einen Sieg tun. Aber ob das gegen 96 klappt, kann ich nicht vorhersagen. Ich habe ja keine Glaskugel auf meinem Schreibtisch.

Ihre Mannschaft steht als Aufsteiger auf dem 11. Platz. Zufrieden mit dem bisherigen Verlauf und der Leistung der Mannschaft?
24 Punkte nach 21 Spieltagen als Aufsteiger, das ist in Ordnung. Wir standen nicht einmal auf einem Abstiegsplatz, insofern passt unterm Strich bislang fast alles.

Dann kann ja mit dem Klassenerhalt nichts mehr schiefgehen?
Wir müssen wachsam bleiben, diese Liga ist gefährlich, und am Ende werden sicherlich nicht 28 Punkte wie im Vorjahr genügen. Ab Platz 10 gibt es in der aktuellen Tabelle einen Bruch, von da an ist alles eng beisammen. Deshalb müssen wir jeden Punkt mitnehmen.

Beim Derby gegen Mönchengladbach gab es wieder schlimme Bilder von randalierenden FC-Hooligans. Der Verein hat als Maßnahme den Fanclub Boyz ausgeschlossen und droht mit Stadionverboten und Dauerkartenentzug. Sie wollen auch die Mitläufer der Chaoten zur Verantwortung ziehen. Ist das Problem überhaupt in den Griff zu bekommen?
Viel mehr können wir als Club nicht machen. Wir führen den Dialog weiter, aber die Ausschreitungen haben dazu geführt, dass wir andere Maßnahmen ergreifen mussten. Das haben wir jetzt getan.

In Hannover hat Clubchef Martin Kind bei den sogenannten Ultras hart durchgegriffen, seitdem ist die Stimmung in der Arena sehr unterkühlt. Befürchten Sie so etwas auch bei den nächsten FC-Heimspielen?
Das kann ich nicht sagen. Da müsste ich spekulieren, und das will ich nicht.

Sie haben die Stimmung in Hannover miterlebt. Schadet so eine Atmosphäre der Mannschaft?
Sie ist zumindest nicht beflügelnd, sie hilft dem Team nicht über schwierige Phasen im Spiel hinweg. Wenn eine Gruppe immer wieder „Kind muss weg!“ schreit und eine andere Gruppe darauf mit Pfiffen reagiert, dann erzeugt das eine permanente Negativstimmung im Stadion. Das ist nicht wirklich toll und kann sich auch auf die Mannschaft auswirken.

Am Dienstag hat das Amtsgericht in Hannover das Hantieren mit sogenannten Bengalos als wenig gefährlich eingestuft. Ein 96-Fan wurde zu einer Ordnungsstrafe von 300 Euro verurteilt. Können Sie das Urteil nachvollziehen?
In meiner Position fällt mir das schwer.

Warum?
Weil es ein Verbot von Pyrotechnik gibt. Ist jemand klar identifizierbar, sollte er drastischer beziehungsweise verhältnismäßiger bestraft werden und nicht mit einer Lappalie da rauskommen. Das ist für den Gesamtprozess überhaupt nicht gut.

Interview: Christian Purbs

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