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Hannover 96 Dirk Dufner: „Die Mannschaft braucht einen Umbruch“
Sportbuzzer Hannover 96 Dirk Dufner: „Die Mannschaft braucht einen Umbruch“
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00:15 13.05.2013
Dirk Dufner Quelle: Ulrich zur Nieden
Hannover

Herr Dufner, für Hannover 96 geht mit den Spielen bei Bayer Leverkusen und gegen Fortuna Düsseldorf eine Bundesligasaison zu Ende, in der bei Weitem nicht an die Erfolge der Vorjahre angeknüpft werden konnte. Worum kann es aus Ihrer Sicht in diesen Partien noch gehen?

Wie man eine Saison beendet ist unglaublich wichtig für die Mannschaft und die Fans, das wirkt irgendwie nach. Und wer ist am Ende nicht lieber Achter als Elfter der Tabelle? Dabei geht es ja auch um die Höhe des Fernsehgeldes für 96. Als Sportdirektor habe ich die Möglichkeit, noch weitere Eindrücke zu gewinnen von dem einen und anderen Spieler, was nicht unwichtig ist für die weiteren Planungen.

Fußballerisch ist Hannover 96 in jüngerer Zeit einiges schuldig geblieben. Haben Sie die Enttäuschung etwa über die verpasste erneute Teilnahme an der Europa League wahrgenommen?

Ich meine, die Fans haben schon ein ganz gutes Gespür für gewisse Situationen. Wenn ein Klub wie Hannover 96 zweimal in Folge in einem solchen Wettbewerb vertreten war, dann bedeutet das einen Riesenerfolg, an den man anknüpfen möchte. Es ist nun mal eine große Herausforderung, zu den besten sechs der Liga zu gehören. Ärgerlich ist, dass es diesmal einfacher als in den Vorjahren war, sich zu qualifizieren, weil gleich mehrere Mannschaften geschwächelt haben. Wir gehören leider auch dazu, mit mehr Stabilität in den Leistungen hätte das wohl anders ausgesehen. Man kann die Augen nicht davor verschließen, dass 96 nicht mehr den Fußball spielt, den die Mannschaft mal gezeigt hat. Da heißt es, die richtigen Ansätze zu finden, um es wieder besser zu machen.

Was können und was werden Sie in dieser Hinsicht tun?

Die Mannschaft braucht einen Umbruch, den wollen wir jetzt einleiten. Aber man schafft eben auch keinen kompletten Umbruch in einer Transferperiode. Es gilt, Veränderungen herbeizuführen und neue Reizpunkte zu setzen. Und vielleicht den einen und anderen jüngeren Spielern mit bestimmten Qualitäten dazuzuholen, um den Konkurrenzdruck zu erhöhen. Es geht um neues Feuer und mehr individuelle Qualität. Das sollte idealerweise alles so zusammenpassen, dass es im Team wieder gut funktioniert.

Verraten Sie doch mal, wie viel Geld Sie ausgeben können für neue Spieler.

Wir haben einen finanziellen Rahmen, und wer Martin Kind (96-Klubchef - d.Red.) kennt, der weiß, dass dieser nicht am obersten Level angesetzt ist. Wenn wir den einen oder anderen Spieler durch einen Transfer abgeben sollten, können wir zusätzliche Möglichkeiten schaffen. Es ist natürlich immer gut abzuwägen: Will man einen guten Fußballer, der noch ein Jahr Vertrag hat, einem aber weiterhelfen kann, für gutes Geld verkaufen und dafür einen neuen verpflichten, oder aber ihn noch eine Saison behalten? Es kann sicher nicht unser Ziel sein, dass derartige Verträge auslaufen.

Von welchen Dimensionen sprechen Sie beim Blick auf das derzeitige Budget für Transfers? Von sechs, sieben Millionen Euro?

Nein, eher von weniger.

Hannover 96 hat aufs Tempo gedrückt. Nicht einmal eine Woche nach dem Abgang von Jörg Schmadtke hat der Fußball-Bundesligist einen neuen Sportdirektor gefunden.

Für zusätzliches Geld in der Kasse könnte Mame Diouf sorgen. Er hat nur noch ein Jahr Vertrag und sich mit elf Saisontoren durchaus interessant gemacht.

In dem Fall gibt es aus dem In- und Ausland zahlreiche informelle Anfragen. Deshalb kann man durchaus von einem großen Interesse an diesem Spieler sprechen.

Wie reagieren Sie darauf?

Grundsätzlich würde ich den Vertrag am liebsten verlängern. Klappt es damit, wären alle bei 96 sehr zufrieden. Wenn ein Spieler aber beispielsweise sagt, er kann woanders das Doppelte verdienen und er würde gerne gehen, dann hat es wenig Sinn, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um ihn halten zu wollen. Dann müssten wir - auch hinsichtlich eines Spielers, der ihn ersetzen kann - versuchen, so viel Geld wie möglich für ihn zu bekommen. Mit beiden Möglichkeiten gehen wir offensiv um.

Hat der Umstand, dass 96 in der kommenden Spielzeit international keine Rolle spielen wird, Einfluss auf die Entscheidung von Spielern für den Klub?

Aus meiner Sicht: nein. Da stehen eher finanzielle Gründe im Vordergrund.

Mit Blick auf die Belastungen infolge der Europa League war der 96-Kader quantitativ verstärkt worden. Heißt es jetzt abspecken?

Idealerweise sollte man den Kader etwas verkleinern. Das hängt aber auch mit der Vertragslaufzeit der Spieler zusammen.26 oder 27 Spieler, das wäre ein vernünftiges Maß.

Wird es so sein, dass mit dem letzten Heimspiel, das mit dem Saisonfinale einhergeht, die Spieler offiziell verabschiedet werden, die 96 verlassen?

Das haben wir mit denjenigen so vor, deren Verträge wir nicht verlängern werden. Diese Gespräche werden wir in der kommenden Woche führen, also noch vor dem Düsseldorf-Spiel.

Handlungsbedarf herrscht mit Blick auf die neue Saison in der Innenverteidigung.Wie gehen Sie dieses Problem an?

Wenn man in der Mannschaft grundsätzlich etwas verändern will, dann muss man sich auch von Spielern trennen. Bei solchen mit auslaufenden Verträgen hat man es selbst in der Hand. Dass wir in der zentralen Abwehr etwas tun wollen, ist nachvollziehbar. Wie sich das mit Johan Djourou (vom FC Arsenal ohne Kaufoption ausgeliehen - d.Red.) entwickelt, muss sich zeigen, bislang ist da alles offen. Wenn wir deutlich machen, dass wir vom FC Arsenal zeitnah eine Entscheidung erwarten, dann ist dies ein klares Signal, dass wir uns in der Frage nicht hinhalten lassen wollen.

Wo soll noch der Hebel angesetzt werden?

Wir haben auch die Außenbahnen im Blick, eventuell auch den Sturm. Es gibt insgesamt drei, vier Positionen, auf denen wir Veränderungen anstreben. Hinzu kommen jene Spieler, die eventuell zu einem anderen Klub wechseln.

Wie binden Sie Trainer Mirko Slomka in die Zusammenstellung des Kaders ein? Kommt er mit einer langen Namensliste zu Ihnen, oder präsentieren Sie ihm Ihre Favoriten?

Der Trainer hat Ideen, ich habe auch welche. Wir tauschen uns da fast täglich aus. Es gibt Spieler, bei denen wir uns sicher sind, dass wir sie gerne hätten, und dem gehen wir dann mit der nötigen Priorität nach. Bei anderen muss man erst einmal die jeweilige Situation bewerten, das ist derzeit eine meiner vordringlichen Aufgaben.

An der Gerüchtebörse werden Namen wie Gojko Kacar vom Hamburger SV, Alexander Madlung vom VfL Wolfsburg und der des Bremers Özkan Yildirim gehandelt. Spielen sie in Ihren Überlegungen eine Rolle?

Ich kann es mir eher nicht vorstellen, dass sie in der kommenden Saison das 96-Trikot tragen werden.

Bringen Sie sich mit Ihren Vorstellungen auch dahingehend ein, welche Art Fußball bei 96 gespielt wird und welches System das passende sein könnte?

Da hat der Trainer, und das ist wohl bei jeder Mannschaft weltweit der Fall, das letzte Wort. Das finde ich auch unheimlich wichtig. Wenn man als Verantwortlicher unbedingt dieses oder jenes Spielsystem haben möchte, dann muss man einen Trainer holen, der das praktiziert.

Im Heimspiel gegen Mainz 05 haben Sie, im Unterschied zu Ihren Freiburger Gepflogenheiten, mit auf der 96-Bank gesessen. In welcher Weise nehmen Sie da Einfluss?

Man ist so näher dran, kann besser beobachten, bekommt die Stimmung in der Mannschaft mit, kann sich um den vierten Unparteiischen kümmern, wenn es notwendig erscheinen sollte. Es gibt einiges, was dafür spricht, dort während eines Spiels seinen Platz zu haben. Wobei ich darüber lange nachgedacht habe, ob es vielleicht besser wäre, diesen Bereich dem Trainer allein zu überlassen.

Zwischen dem Trainer und Ihrem Vorgänger Jörg Schmadtke hat es immer wieder Spannungen gegeben. Wie ist Ihr Verhältnis zu Mirko Slomka?

Ich bin ein offener Mensch und gehe offen und ohne Vorurteile damit um. Mit Jörg Schmadtke, das ist kein Geheimnis, bin ich befreundet. Ich habe ihn aber nie danach gefragt, was zwischen ihm und Mirko Slomka gewesen ist. Er ist ohnehin der Typ, der so etwas nicht nach außen trägt. Mein Verhältnis mit dem Trainer entwickelt sich in die richtige Richtung, es ist von Kommunikation geprägt, und wir versuchen, gemeinsame Lösungen zu finden.

Muss ein Sportdirektor regelmäßig auf dem Trainingsplatz präsent sein?

Das ist nicht notwendig. Ich schaue gerne mal zu, um einen Einblick zu gewinnen, aber nicht immer. Es gibt Dinge, die sind für einen Sportdirektor nun mal wichtiger.

Wirkt der lange Schatten Ihres Vorgängers Jörg Schmadtke auf Sie belastend?

Von Jörgs guter Arbeit profitiere ich auch ein Stück weit. Ich bin hierhergekommen mit dem Selbstbewusstsein, dass ich ebenfalls in der Lage bin, gute Arbeit zu leisten. Das ist eine positive Herausforderung und ein Ansporn. Ich habe da keinerlei Berührungsängste. Dass wir unterschiedlich an bestimmte Sachen herangehen, halte ich für völlig normal.

In Ihrer Verantwortung liegt auch das sogenannte Scouting. Wo werden Sie hier ansetzen?

Derzeit bin ich noch dabei, mir einen Überblick zu verschaffen. Auch von den Menschen, die bei der Spielersuche für uns tätig sind. Einen Chefscout hatte 96 zuletzt nicht, ich halte die Position, in der alles koordiniert wird, für wichtig. Dann müssen wir überlegen, auf welchen Märkten wir aktiv werden oder aber besonders aktiv sein wollen. Der Fokus, so viel ist schon klar, wird dabei in erster Linie auf Deutschland liegen.

Seit Konstantin Rausch, der 96 verlassen wird, ist keinem Spieler aus dem eigenen Nachwuchs der Sprung in den Bundesligastamm gelungen. Das kann Ihnen nicht gefallen!

Es ist mir außerordentlich sympathisch, dass 96 nicht unerhebliche Mittel zur Seite gelegt hat, um in absehbarer Zeit mit dem Neubau eines Nachwuchsleistungszentrums zu beginnen. Maßstab muss dann sein, mittelfristig eine solche Jugendarbeit zu betreiben, die Spieler für die Bundesliga hervorbringt. Mein früherer Klub, der SC Freiburg, hat das gut hinbekommen. Gleich sechs, die in der eigenen Jugend groß geworden sind, haben den Sprung in die Bundesliga geschafft und spielen regelmäßig.

Valérien Ismaël, Trainer der Bundesliga-Nachwuchself, wird vom VfL Wolfsburg umworben. Haben Sie Hoffnung, ihn halten zu können?

Wir haben mitein­ander schon mehrere Gespräche geführt. Er ist sich sicher, dass er gehen möchte. Wir müssen das respektieren und eine saubere Lösung finden.

Als Nachfolger könnte Ihnen André Breitenreiter zupass kommen: Er hat 96-Vergangenheit und leistet beim TSV Havelse erfolgreiche Arbeit.

Sogar sehr erfolgreiche Arbeit. Das ist mit Sicherheit eine interessante Personalie. Gespräche hat es bislang nicht gegeben. Grundsätzlich gilt es aber auch zu prüfen, wen wir intern haben, wer aus dem eigenen Nachwuchs infrage kommt.

Zehn Fragen - zehn Antworten

Alpen oder Ostsee? Alpen. Ich bin auf Skiern aufgewachsen.

Buch oder Kino? Buch. Ich lese einfach gerne. Zuletzt „Der Fall Colloni“ von Ferdinand von Schirach.

Bier oder Wein? Im Zweifel Wein. Und dann am liebsten Rotwein.

Auto oder Fahrrad? Auto.

Cristiano Ronaldo oder Messi? Ganz klar Messi. Weil der mir beim Zuschauen so viel Freude macht und ich auch schon gesehen habe, als er noch in der 2. Mannschaft von Barcelona gespielt hat.

Rockkonzert oder Oper? Rockkonzert. Ich bin glücklich, dass Bruce Springsteen hier bald spielt.

Schach oder Poker? Ich spiele keines von beidem.

Currywurst oder Lachs? Currywurst. Die mag ich lieber.

Bayer München oder Borussia Dortmund? Dortmund.

Werder Bremen oder Eintracht Braunschweig? Bremen! So viel habe ich schon gelernt in Hannover.

Dirk Dufner wurde am 20. Februar 1968 in Hausach im Schwarzwald geboren. Seine Fußballerkarriere endete bereits in der Jugend wegen einer Knieverletzung. Nach seinem Jura-Studium, währenddessen er Praktika beim SC Freiburg und bei den Cape Town Spurs (Südafrika) absolvierte, arbeitete er von 1997 bis 2000 in der Geschäftsleitung des VfB Stuttgart. Danach war er als Sportdirektor bei 1860 München (2000 bis 2004) und dem SC Freiburg (2007 bis 2013) tätig. Zwischen diesen beiden Stationen machte er sich in München als Sportanwalt selbstständig. Am 23. April unterschrieb Dufner, dessen Lebensgefährtin mit dem gemeinsamen Sohn in Frankfurt lebt, bei Hannover 96 einen Vertrag als Sportdirektor, der bis zum Sommer 2016 gilt.

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