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Hannover 96 Doppelter Schlaudraff schießt Hannover 96 zum Sieg
Sportbuzzer Hannover 96 Doppelter Schlaudraff schießt Hannover 96 zum Sieg
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09:51 19.08.2011
Schlaudraff sorgte mit zwei Treffern für den Sieg des Teams von Mirko Slomka. Quelle: dpa
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Hannover

Als um 22.21 der erste Teil des Europa-League-Abenteuers gegen den FC Sevilla beendet war, gab es viel und verdienten Applaus für Hannover 96, begleitet vom Rätselraten auf den Tribünen: Reicht dieser 2:1-Sieg im Hinspiel der Play-off-Qualifikation für das Erreichen der Gruppenphase in diesem internationalen Fußball-Wettbewerb?

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Andere Fragen waren leichter zu beantworten, zum Beispiel die, ob dieser Erfolg verdient war. Das war er, hochverdient sogar. Und auch bei der Frage, ob man vor Sevilla im Rückspiel Angst haben muss, herrscht jetzt Klarheit: Muss 96 nicht, der Name der Gäste aus Andalusien war am Donnerstagabendgrößer als deren Leistung.

Unerfüllt blieb nur der große hannoversche Wunsch, zu null zu spielen, also ohne Gegentor zu bleiben, und möglicherweise wird dieser eine kleine Schönheitsfehler am kommenden Donnerstag beim Rückspiel noch ein kleines Problem werden. Sevillas Tor von Starstürmer Frederic Kanouté zum vorübergehenden 1:1-Ausgleich – als Auswärtstor nach alter Europacuptradition bei Torgleichheit in der Endabrechnung doppelt wertvoll – trübte eine 1. Halbzeit, die für Hannover 96 glänzend angefangen und aufgehört hatte.

Wer wie die „Roten“ 19 Jahre warten musste, bis sich der Vorhang auf der internationalen Bühne wieder einmal hebt, dem kann es nicht schnell genug gehen. Am 30. September 1992 hieß der bis Donnerstag letzte 96-Europacuptorschütze Reinhold Daschner. 19 Jahre später traf Jan Schlaudraff, sein Tor in der 6. Minute zum 1:0 ermöglichte Hannover einen Traumstart gegen den Hochkaräter aus Spanien.

Bis zu seiner Auswechselung eine Viertelstunde vor Schluss war es am Donnerstag die große Schlaudraff-Schau. Der frühere Nationalspieler war der beste Spieler von Hannover 96. Er zeigte das, was sich die Spanier von ihrem enttäuschenden Neuzugang aus Deutschland, Piotr Trochowski (zahllose Fehlpässe), erwartet hatten: Spielfreude und Schwung. Schlaudraff dribbelte mit Tempo durch Sevillas nicht immer sattelfeste Abwehr. Und er war es auch, der die hannoversche Schockstarre nach Kanoutés Ausgleich beendete.

Das 1:0 machte Schlaudraff mit rechts (nach Vorarbeit von Mohammed Abdellaoue), das 2:1 erledigte er nach Doppelpass mit Manuel Schmiedebach mit links Sekunden vor der Pause. Zwischen den beiden Toren war 96 die bessere Mannschaft, mit mehr Chancen und mehr Torschüssen, zweimal verhinderte Sevillas Torwart Andres Palop gegen Konstantin Rausch (9. Minute) und Abdellaoue (34.) Schlimmeres.

Sevilla wirkte überraschend pomadig und traf einmal durch Alvario Negredo den Pfosten (31.), vor mehr Problemen standen die Hannoveraner aber selten. Sevilla war über weite Strecken – auch das eine Überraschung – ein Gegner der Kategorie „Da hätte man mehr erwartet“.

Was 96 fehlte in der 2. Halbzeit waren die Tormöglichkeiten. Die Mannschaft hatte die Partie weiter im Griff und gewann mehr Zweikämpfe, aber Sevillas Schlussmann Palop bekam weniger Arbeit als noch vor dem Seitenwechsel. So viel Mut, forscher auf den dritten Treffer zu spielen, hatte 96 mit Sorge vor einem zweiten Gegentor dann doch nicht. Ob das falsch oder richtig war, wird sich kommenden Donnerstag in Sevilla zeigen. Dann kommt 96 zum Rückspiel. Im Gepäck reichlich neues Selbstbewusstsein.

Mit einem fantastischen Außenrist-Treffer in der Anfangsphase und einer Direktabnahme nach feinem Zusammenspiel mit Manuel Schmiedebach kurz vor der Pause sorgte Schlaudraff vor 43 500 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Arena für Feierstimmung. Während dem letztjährigen Champions-League-Halbfinalisten FC Schalke 04 nach der peinlichen 0:2-Pleite bei HJK Helsinki das Aus im europäischen Vereinsfußball droht, kann Hannover nach der starken Schlaudraff-Show optimistisch zum Rückspiel nach Spanien in einer Woche fahren.

Beflügelt von der prächtigen Atmosphäre im Stadion starteten die Niedersachsen voller Engagement und Leidenschaft in die Partie. Nach 19-jähriger Abstinenz von Europas Fußballgeschehen agierte 96 ohne Respekt vor dem zweimaligen UEFA-Cup-Gewinner. Die Fans wurden nach dem langen Warten auf dieses Top-Ereignis mit feiner Fußballkost verwöhnt. „Das ist insgesamt ein sehr sehr gutes Spiel“, analysierte Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke zur Pause im ZDF zufrieden.

Heiko Rehberg

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