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Hannover 96 Ein 0:0 mit gutem Gefühl
Sportbuzzer Hannover 96 Ein 0:0 mit gutem Gefühl
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20:19 11.12.2011
Von Heiko Rehberg
Falls mit Fußball mal Schluss sein sollte: Leverkusens Michael Ballack (links) und der Hannoveraner Sergio Pinto hätten eine vielversprechende Zukunft als Synchronpaar.
Falls mit Fußball mal Schluss sein sollte: Leverkusens Michael Ballack (links) und der Hannoveraner Sergio Pinto hätten eine vielversprechende Zukunft als Synchronpaar. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Hannover

So ein 0:0 ist ja nicht unbedingt das, was sich der Fußballfan im letzten Bundesliga-Heimspiel des Jahres von seiner Mannschaft wünscht. Auch Mirko Slomka, dem Trainer von Hannover 96, war nach dem torlosen Unentschieden gegen Bayer Leverkusen anzumerken, dass er sich mehr versprochen hatte, nicht zuletzt deshalb, weil es seit dem 10. Spieltag und dem tollen 2:1 gegen Bayern München keinen Sieg mehr zu bejubeln gab für die „Roten“. Und trotzdem sprach Slomka nach dem 0:0 von „einem guten Gefühl“ – und stand damit nicht alleine.

44.000 Fans von 96 hatten zwar zum sechsten Mal in Folge keinen Sieg gesehen. Aber sie hatten beobachten können, wie 96 gegen einen Gegner, der im Achtelfinale der Champions League steht, die bessere Mannschaft war. Nach zähen Wochen, geschuldet der Doppelbelastung in Liga und Europa League, zeigten die Hannoveraner nicht nur eine kämpferisch tadellose Leistung. Erstmals seit Längerem war wieder zu erkennen, dass die Mannschaft spielerische Klasse und eine taktische Reife besitzt, die es ihr ermöglichen, den deutschen Vizemeister zu kontrollieren.

Slomka sprach hinterher von einem „sehr guten, aktiven Heimspiel“, sein Kollege Robin Dutt davon, dass „Hannover die deutlich agilere Mannschaft war“. In den vergangenen Wochen wirkte alles bei 96 ein bisschen müde. Gegen Leverkusen stürzten sich die „Roten“ wieder mit großer Leidenschaft in die Zweikämpfe, allen voran Verteidiger Emanuel Pogatetz, den auch eine in der Kabine mit vier Stichen genähte Platzwunde und später ein Kopfverband nicht davon abhielten, sich mutig ins Getümmel zu werfen.

Die Partie gegen Leverkusen war zugleich ein Beweis dafür, dass 96 mit mehr Ballbesitz (diesmal ungewohnte 55:45 Prozent) durchaus etwas anfangen kann. Die Mannschaft muss dem Gegner nicht Ball und Kontrolle überlassen, um gut auszusehen, vor allem in der Viertelstunde nach der Pause zeigte sie eine Dominanz, die Leverkusen beeindruckte und in der eigenen Hälfte festhielt. Was 96 fehlt, ist die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss, Profis wie den Stürmern Mohammed Abdellaoue und Didier Ya Konan ist ein wenig das Gespür abhanden gekommen, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz zu stehen.

In der vergangenen Saison wäre in einer vergleichbaren Partie kurz vor Schluss noch ein Tor gelungen, momentan klappt das nicht, was den Hannoveranern den Spitzenplatz bei den Unentschieden einbringt: Sieben Remis – keiner hat mehr zu bieten. Zum Vergleich: In den
34 Spielen 2010/2011 gab es gerade einmal drei Unentschieden.

96 gewinnt nicht mehr die Spiele, die eng verlaufen. Und die Mannschaft zieht nicht mehr so konsequent Nutzen aus den Schwächen des Gegners, selbst wenn dieser großzügig dazu einlädt. Leverkusens eigenwilliger Trainer Dutt baute 96 eine solche Brücke, als er ohne zwingenden Grund die Rotation einführte und Michael Ballack, in den vergangenen Wochen Dreh- und Angelpunkt des Bayer-Spiels, 45 Minuten einen Platz auf der Ersatzbank bescherte. Auch ein Nationalspieler wie André Schürrle spielt selten so schlecht wie in Hannover, und sorg- und orientierungslose Verteidiger wie Manuel Friedrich (kaum zu glauben: der Mann war mal Nationalspieler) haben nur wenige Teams.

Wie gesagt: Leverkusen lud ein, aber 96 machte trotz spielerischer Überlegenheit zu wenig daraus. Hochkarätige Torchancen, wie sich eine in der 15. Minute Jan Schlaudraff bot, der an Torwart Bernd Leno scheiterte, gab es zu wenige. Und „einfache“ Tore macht einer wie Schlaudraff ohnehin nicht, auch nicht an einem Tag, an dem mit der Vertragsverlängerung bis 2015 und der Wahl zum Torschützen des Monats bereits vieles erfolgreich gelaufen war.

Das alles aber ist „Mäkeln auf hohem Niveau“, wie es Sportdirektor Jörg Schmadtke formulierte. 96 liegt in der Bundesliga auf einem „stabilen 8. Platz“ (Schmadtke), der kommenden Sonntag in Kaiserslautern mit einer Perspektive für mehr geschmückt werden soll. Und dann ist da ja noch der internationale Doppelschlag: Donnerstag das Europa-League-Freundschaftsspiel gegen Poltawa. Einen Tag später die Auslosung für die K.-o.-Runde – vielleicht dann mit einem Ergebnis, das sich alle wünschen.

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