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Hannover 96 Ein Mutmacher im Abstiegskampf
Sportbuzzer Hannover 96 Ein Mutmacher im Abstiegskampf
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00:15 17.05.2015
Von Heiko Rehberg
„Wir haben uns akribisch auf Augsburg vorbereitet“: 96-Trainer Michael Frontzeck in einem stillen Moment beim Training in dieser Woche.
„Wir haben uns akribisch auf Augsburg vorbereitet“: 96-Trainer Michael Frontzeck in einem stillen Moment beim Training in dieser Woche.  Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Alle in Hannover schauen auf die Konkurrenz von 96 im Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga. Tun der VfB Stuttgart und der Hamburger SV den „Roten“ einen Gefallen und spielen unentschieden? Trifft der SC Freiburg auf motivierte Bayern, die das Aus in der Champions League mit einem Sieg beantworten wollen? Ist es gut oder schlecht für den SC Paderborn, dass bei Gegner Schalke 04 das Chaos ausgebrochen ist? Und rutscht Hertha BSC gegen Eintracht Frankfurt noch tiefer in den Schlamassel?

Nur vier Punkte liegen zwischen dem 13. Platz (Hertha BSC, 34 Zähler) und dem letzten Platz (VfB Stuttgart, 30 Zähler). Mit großer Sicherheit wird das Schicksal von Hannover 96 in den verbleibenden zwei Spielen auch von den Resultaten der fünf anderen Abstiegskonkurrenten abhängen. Und was sagt 96-Trainer Michael Frontzeck? Er sagt: „Wir sollten nicht nach rechts und links gucken.“

Das klingt pflichtschuldig dahergesagt, und natürlich darf man davon ausgehen, dass sie bei 96 die Ergebnisse der anderen Teams im Abstiegskampf aufmerksam verfolgen werden. Spätestens Sonnabend von 17.20 Uhr an, wenn der vorletzte Spieltag abgepfiffen ist. Umgekehrt hat Frontzeck ja recht: Wenn 96 beim FC Augsburg und dann zu Hause gegen den SC Freiburg nicht selbst für möglichst vier, noch besser sechs Punkte sorgt, wird es vermutlich egal sein, was die anderen Clubs machen. Dann wird es 96 erwischen.

16 Spiele sind es mittlerweile ohne Sieg, den letzten „Dreier“ gab es am 16. Dezember vergangenen Jahres - gegen den FC Augsburg (2:0, Tore von Salif Sané und Joselu). Frontzeck spricht von „dieser Serie“, und das soll heißen, dass er das Thema nicht mehr hören kann. Er wolle da nicht mehr „drauf herrumreiten“, sagt der Trainer, er sei doch erst seit drei Wochen im Amt. 13 Spiele der Serie hat er nicht zu verantworten, unter Frontzeck gab es zum Einstand eine 1:2-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim und danach Unentschieden beim VfL Wolfsburg (2:2) und gegen Werder Bremen (1:1). „Man könnte auch sagen, wir sind seit zwei Spielen ungeschlagen“, sagt der 96-Trainer, der bemüht ist, das Positive herauszustellen und mit dieser Linie bislang gut gefahren ist.

„Ich habe einen sehr guten Eindruck von der Mannschaft, ich glaube, dass sie das Bremen-Spiel verdaut hat“, sagt Frontzeck, „es hilft nichts, bei diesem Spiel zu verharren.“ Die 96-Profis hatten nach einer starken ersten Halbzeit gegen den SV Werder den Sieg noch verschludert, viele Fans reagierten anschließend enttäuscht mit einem „Das war’s“ auf das Unentschieden. Doch die „Roten“ kletterten vom vorletzten Rang wieder auf den Relegationsplatz 16. Psychologisch ist das nicht unwichtig, doch Frontzeck ist das nicht genug: „Wir wollen über dem Strich bleiben.“

Mut machen im Abstiegskampf

In Augsburg soll es darum gehen, „eine gute Ausgangsposition für das Freiburg-Spiel zu schaffen“, sagt der 51-Jährige. Die Augsburger besitzen nach dem 1:0-Sieg beim FC Bayern als Tabellenfünfter beste Chancen auf die Europa League. Es ist eine Situation wie vor ein paar Jahren für Hannover 96. Eine Europacup-Teilnahme wäre für einen Club wie Augsburg eine Sensation. Das kann motivieren - oder lähmen. Das eine wäre schlecht für 96. Das andere käme der Mannschaft sehr gelegen.

„Es ist allen bewusst, was das für eine große Chance für uns ist“, sagt Augsburgs Spielmacher Daniel Baier. Und genau an diesem Punkt kommen die „Roten“ ins Spiel: „Hannover steht mit dem Rücken zur Wand. Wir haben uns gegen diese Gegner in der Vergangenheit immer schwergetan“, sagt Baier.

Wie 96 hat auch Augsburg plötzlich etwas zu verlieren. Und weil Frontzeck derzeit auf der Suche nach allem ist, was Mut macht im Abstiegskampf, bietet sich ein Blick in die Statistik an: Hannover 96 verlor keines der sieben Bundesligaspiele gegen Augsburg (4 Siege, 3 Remis). Zumindest diese Serie soll unbedingt fortgesetzt werden.

Das macht die Konkurrenz von 96

VfB Stuttgart und HSV

In der Stunde der Not hat der VfB Stuttgart prominente Rückendeckung erhalten. Ex-Trainer Felix Magath setzt darauf, dass die Schwaben auch nächste Saison erstklassig sein werden. „Der VfB hat zuletzt gute Spiele gemacht“, sagt der 61-Jährige. Deshalb sei die Stimmung im Team gut, schlussfolgert er. „Die interne Atmosphäre ist in dieser Phase entscheidend.“ Mit dem Hamburger SV, einem anderen Ex-Club, will es sich Magath vor dem vorentscheidenden Duell mit dem Tabellenletzten ebenfalls nicht verderben: Auch hier zeigt sein Daumen im Abstiegskampf nach oben. Dem VfB, der fünf Heimspiele in Folge ohne Niederlage blieb, hilft nur ein Sieg wirklich weiter; der Glaube an innere Werte soll Berge versetzen. „Unsere Laune ist von Vertrauen geprägt“, sagt Sportvorstand Robin Dutt. Die Laune von Trainer Huub Stevens ist dagegen wie immer, also: schlecht. Beim Training beschimpfte er seine Spieler als „Affen“.

Paderborn

Ablenkung verboten! Angst vor Schalke 04 sowieso! Jetzt, da es für den SC Paderborn um alles geht, müssen Zuschauer beim Training zweimal draußen bleiben – einmal die Woche ist die Regel von Coach André Breitenreiter. Dass es beim Kontrahenten derzeit drunter und drüber geht, dürfte dem Aufsteiger in die Karten spielen, auch wenn Kapitän Uwe Hünemeier anderer Meinung ist. „Die Schalker haben ihre Probleme, wir unsere“, sagt er. Egal, wie das Rennen für die Paderborner ausgeht: Für Innenverteidiger Christian Strohdiek, der künftig für Fortuna Düsseldorf spielt, muss ein Neuer her.

Hertha

Hertha BSC ist quasi eine Art Neuzugang im Abstiegskampf. Die Berliner wähnten sich schon in Sicherheit. Jetzt sind sie mittendrin, wenn auch mit der besten Ausgangsposition und dem großen Vorteil, mit Eintracht Frankfurt und 1899 Hoffenheim zwei Gegner zu haben, für die es um nichts mehr geht. Hertha-Trainer Pal Dardai spielt weiter die Rolle des coolen Krisenmanagers: „Hektisch werde ich erst, wenn wir gegen Frankfurt verlieren und in Hoffenheim zur Halbzeit 0:3 zurückliegen“, sagt Dardai. 

Freiburg

Diese Aufgabe hätten selbst eingefleischte Freiburger Fans vor einiger Zeit noch für unlösbar erklärt. Doch inzwischen sorgt der in der Liga aus dem Gleichgewicht geratene FC Bayern nicht mehr für Angst und Schrecken. Sind die Münchner, die den Titel längst sicher haben, auf der Zielgeraden zum Lieblingsgegner geworden? SC-Coach Christian Streich rechnet sich durchaus etwas aus. „Wenn wir ein gutes Spiel machen, unaufgeregt und schlau, mit Hunger und Präzision, dann haben wir eine Chance zu gewinnen“, sagt er.

fe/hr

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