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Hannover 96 Korkut bleibt Trainer von Hannover 96
Sportbuzzer Hannover 96 Korkut bleibt Trainer von Hannover 96
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00:15 24.03.2015
Von Jörg Grußendorf
Foto: Im gemeinsamen Gespräch mit Clubchef Martin Kind und Manager Dufner geht es um die Zukunft von 96-Trainer Korkut.
Behält seinen Job: Tayfun Korkut. Quelle: dpa
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Hannover

Mit einem Sieg wäre alles einfach gewesen. Mit einer deutlichen Niederlage gegen Borussia Dortmund wohl auch. Aber so? Unglücklich mit 2:3 verloren – also: Was tun? Den Trainer nach solch einem Spiel entlassen? Den Sportdirektor gleich mit? Alles beim Alten belassen? Nun, nachdem am Sonnabend und Sonntagmittag noch auf Zeit gespielt wurde, Gespräche von der Clubführung für heute oder morgen angekündigt wurden, gab es am späten Sonntagnachmittag doch noch eine überraschend schnelle Entscheidung: Trainer Tayfun Korkut erhält das Vertrauen der „Roten“. Wie lange, wurde nicht verraten. In zwei Wochen im Spiel gegen Eintracht Frankfurt wird der 40-Jährige also mit Sicherheit auf der 96-Bank sitzen.

Clubchef Martin Kind, Sportdirektor Dirk Dufner und Korkut hatten sich am Sonntag zusammengesetzt. „Wir haben in einem sachlichen Gespräch die aktuelle sportliche Situation analysiert“, sagte Kind, „der Austausch war offen, kritisch und konstruktiv. Als Ergebnis des Gespräches hat Tayfun Korkut das Vertrauen der Verantwortlichen.“ Alle Beteiligten wüssten um die Bedeutung der kommenden Bundesligaspiele. Ziel sei es nun, „gemeinsam den Klassenerhalt zu sichern“. Und der hängt seit Sonnabend mehr denn je an einem seidenen Faden.

Für Hannover 96 und Trainer Tayfun Korkut wird es immer ungemütlicher. Nach dem 2:3 (1:1) gegen Borussia Dortmund geraten die „Roten“ immer tiefer in den Abstiegssumpf.

96 hatte gegen den BVB beherzt wie selten in dieser Saison gespielt, phasenweise ein richtig gutes Fußballspiel gemacht und war erst durch eine dumme Gelb-Rote Karte für Leonardo Bittencourt aus dem Konzept gebracht worden (55. Minute). Doch am Ende hatte eben diese durchaus vermeidbare Niederlage gestanden – es war die 
13. in dieser Saison und das zehnte sieglose Spiel in Folge. 96 ist damit schlechteste Rückrundenmannschaft. Kein Wunder, dass sich die Lage von Trainer Korkut dadurch zugespitzt hatte. „Wir sind jetzt im Abstiegskampf vollumfänglich angekommen und befinden uns in einer Hochrisiko-Situation“, sagte Kind.

Etwas überraschend ist daher, wie schnell man zu der Entscheidung für Korkut gekommen zu sein scheint. Kind hatte vorher eine umgehende Bestandsaufnahme angekündigt. „Wir haben das noch nicht analysiert, sondern müssen das erst verarbeiten“, hatte er Sonntagmittag erklärt. Dabei sollte es nicht nur um die Arbeit Korkuts, sondern auch um die von Dufner gehen. Es ist kein Geheimnis, dass Kind das Tun seines Sportdirektors seit Längerem kritisch betrachtet. „Eine Analyse bedeutet mehr als nur Fragen zu stellen nach Punkten. Da geht es dann auch um die Bewertung der Transfers“, waren die Worte Kinds.

Am Sonntag scheint es dann doch eher um die Personalie Korkut gegangen zu sein. Bei der Bewertung seiner Arbeit dürfte das Dortmund-Spiel eine nicht geringe Rolle gespielt haben. „Ein charakterstarker Auftritt“, sagte Kind. Und Dufner erklärte: „Wenn du das Spiel siehst und die Mentalität der Mannschaft und die Reaktionen zum Trainer, dann sind das klare Aussagen.“

Darüber gibt es sicherlich keine zwei Meinungen. 96 hat über weite Strecken eine mutige und sehenswerte Partie geboten. Kind und Dufner haben gesehen, dass die Mannschaft dem Trainer durchaus noch folgt, dass seine Umstellungen fruchteten, dass die Moral stimmt. Beide haben allerdings auch gesehen, dass es wieder Auf und Abs gab im Spiel ihrer „Roten“ – auch wenn der kurzzeitige Einbruch durch die Herausstellung des übermotivierten Bittencourts erklärbar ist. „Es war wieder nur phasenweise gut“, hatte Kind gesagt: „Auch das müssen wir genau analysieren: Warum gelingt es uns nicht, ein Spiel über 90 Minuten zu bestimmen? Warum gab es immer wieder richtig schlechte Spiele? Warum gibt es keine Konstanz bei uns?“

Zumindest auf diese Fragen scheint Korkut die richtigen Antworten gegeben zu haben. Entscheidend ist dabei, dass er Kind aufs Neue überzeugt hat – Dufner darf in diesem Fall wohl nicht mehr als abnicken. Das Vertrauen seiner Spieler besitzt Korkut ohnehin, das wurde gegen den BVB deutlich. „Ich bin vom Trainer überzeugt“, wiederholte Nationaltorwart Ron-Robert Zieler, was er vor der Partie bereits im HAZ-Interview gesagt hatte. Und Bittencourt, der seinem Coach mit Gelb-Rot einen Bärendienst erwiesen hatte, sagte Ähnliches: „Das Spiel hat gezeigt, dass wir gemeinsam aus der Krise wollen. Deshalb macht es keinen Sinn, über den Trainer zu reden. Der macht seine Arbeit sehr gut, wie man auf dem Platz sieht.“

Allerdings weiß auch Korkut trotz der Beteuerungen seiner Spieler, dass für Clubchef Kind bei aller Wertschätzung für den Fußballlehrer Korkut der Klassenerhalt der „Roten“ die höchste Priorität hat. Und dass viele Fragen noch offen sind beziehungsweise schon nach der nächsten Niederlage aufs Neue gestellt werden, das weiß Korkut auch: „Ich kann die Ergebnisse nicht ignorieren.“

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