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Hannover 96 Erschrecken bei den 96-Fans
Sportbuzzer Hannover 96 Erschrecken bei den 96-Fans
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00:15 07.05.2015
Von Heiko Rehberg
Wie man am besten das Abstiegsgespenst vertreibt? Ganz einfach: Mit Siegen, die mag es nicht. Quelle: imago
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Hannover

Es wird ein anstrengendes Wochenende für das Abstiegsgespenst. Am Freitagabend muss es sich in Hamburg beim Spiel des HSV gegen den SC Freiburg gleich um zwei Clubs auf einmal kümmern. Sonnabend dann nachmittags ein Abstecher nach Hannover, abends weiter nach Stuttgart. Sonntag steht zum Schluss Paderborn auf dem Reiseprogramm, immer mit dem Ziel, Spielern, Trainern, Clubchefs und Fans gehörig Angst zu machen.

Hui Buh, das Abstiegsgespenst, wird bald ein paar Assistenten einstellen müssen, wenn das so weitergeht in der Fußball-Bundesliga. Gleich fünf Vereine bangen drei Spieltage vor dem Saisonende um den Klassenerhalt und liegen dabei dicht beieinander. Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel war der Abstand von Platz 14 (Hamburger SV, 31 Punkte) auf Platz 18 (VfB Stuttgart, 27 Punkte) noch nie so gering wie jetzt. Selbst Hertha BSC auf dem 13. Rang muss mit 34 Punkten damit rechnen, dass das Abstiegsgespenst auch noch mal in Berlin vorbeischaut. „Krimi im Keller“ titelte das Fachmagazin „kicker“ und sprach vom „irren Abstiegskampf“.

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Bei Hannover 96 hat der 31. Spieltag die Situation dramatisch verändert. 15 sieglose Spiele sind es mittlerweile in Folge, auch nach dem Trainerwechsel von Tayfun Korkut zu Michael Frontzeck sind zwei weitere Begegnungen ohne Sieg dazugekommen. Spätestens nach acht, neun Spielen hätte jedem in Hannover klar sein müssen, was sich da für ein Gewitter über der HDI-Arena zusammenbraut. Aber in Hannover haben ganz viele Menschen bis zum vergangenen Sonntag geglaubt, dass der Abstieg ein Thema ist, das die anderen betrifft, den HSV, Paderborn, Freiburg oder Stuttgart. Aber die „Roten“? Ja, sie spielen eine schlechte Saison, haben eine merkwürdige Mannschaft, aber absteigen?

Nein, das wird schon irgendwie reichen. So haben fast alle gedacht. Dann gewann am Sonnabend der SC Paderborn in Freiburg und beförderte Hannover 96 vom 15. auf den 16. Platz. Und am Sonntag siegte der Hamburger SV in Mainz und stieß 96 noch eine Kellertreppe tiefer. Platz 17. Und plötzlich heißt es in Hannover nicht mehr: noch drei Spiele, gegen Werder Bremen, beim FC Augsburg und gegen den SC Freiburg. Sondern: Hilfe, nur noch drei Spiele.

Die Abstiegsangst hat die Fußballfans in der Region gepackt. Ungläubig schauen viele auf die Tabelle, als wäre der 17. Platz für Hannover 96 ein Druckfehler, ein Irrtum, da muss sich wohl irgendwer bei der Deutschen Fußball-Liga verrechnet haben. Aber verrechnet haben sie sich nur in Hannover, wo die Verantwortlichen viel zu lange geglaubt haben, dass die teuerste 96-Mannschaft aller Zeiten auch eine erfolgreiche Mannschaft ist.

Wie viele Punkte braucht Hannover 96?

„Meinst du, die steigen wirklich ab?“ Jeder 96-Anhänger wird diese Frage im Büro oder bei Gesprächen mit Freunden zu hören bekommen haben. Aus der Zuversicht, sich schon irgendwie ins Ziel zu retten, ist nach dem Abrutschen auf den vorletzten Platz ein Hoffen und Bangen geworden. Die neue Lage, genauer gesagt: das Eingeständnis, wie ernst die Lage ist, führte bereits am Sonntag zu kuriosen Situationen. Da sprangen Menschen beim Ausgleichstor des Mainzers Yunus Malli gegen den Hamburger SV begeistert auf – und fluchten lauthals, als HSV-Profi Gojko Kacar doch der Siegtreffer gelang.

Am Montag wurden die Restprogramme der anderen vier gefährdeten Clubs verglichen und leidenschaftlich diskutiert. Wer soll Freitag gewinnen: Hamburg, Freiburg, oder wäre ein Remis am besten? Warum hat der VfB Stuttgart ausgerechnet jetzt zwei Heimspiele hintereinander? Ist es gut, dass Freiburg noch gegen Bayern München spielen muss, oder bietet Pep Guardiola dann die A-Juniorenmannschaft mit Sepp Maier im Tor auf?

Und über allem steht die große Frage: Wie viele Punkte braucht Hannover 96 noch, um den Klassenerhalt zu schaffen? Bis vor Kurzem galt es als sicher, dass die „Roten“ noch zwei Siege brauchen. Aber stimmt diese Formel nach wie vor? Viele der Abstiegskandidaten spielen noch gegeneinander, auch 96 hat am letzten Spieltag mit Freiburg ein solches Duell. Das macht Rechenspiele kompliziert, jede Prognose ist deshalb mit Vorsicht zu genießen. Klar dürfte sein, dass drei Unentschieden oder nur ein Sieg nicht reichen werden. Mit zwei Siegen und einem Remis müsste es dagegen sicher klappen mit dem Klassenerhalt.

Bei 96 machen sie mittlerweile eine Kunst daraus, jede Woche das alles entscheidende Schlüsselspiel auszurufen. Anfang April war es das Heimspiel gegen Hertha BSC (1:1), danach das Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim (1:2), jetzt ist es das Heimspiel am Sonnabend gegen Werder Bremen. „Bremen ist das Schlüsselspiel“, sagt Clubchef Martin Kind und betont dabei das Wörtchen „das“: „In den vergangenen Wochen waren wir in einer Situation, dass wir gewinnen sollten. Jetzt müssen wir gewinnen.“ Die „Bild“-Zeitung hat nachgerechnet, dass das seit 149 Tagen nicht mehr geklappt hat.

Es spielt jetzt keine Rolle mehr, ob Kind bei Korkut zu spät gehandelt hat oder warum er überzeugt war, dass Sportdirektor Dirk Dufner für zehn Millionen Euro die richtigen Spieler findet. Es geht darum, das Abstiegsgespenst zu verscheuchen. Und darum,  dass es künftig einen weiten Bogen um Hannover macht.

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