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Hannover 96 Erst schauen, dann schrauben
Sportbuzzer Hannover 96 Erst schauen, dann schrauben
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00:26 24.04.2015
Von Christian Purbs
Michael Frontzeck.
Michael Frontzeck soll Hannover 96 vor dem Abstieg retten. Quelle: Ole Spata
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Hannover

Zuvor begrüßte er die etwa 200 Schaulustigen auf der Mehrkampfanlage mit einem „Guten Morgen“. Allzu weit hatte es der Nachfolger des entlassenen Tayfun Korkut nicht. Am späten Montagabend hatte Frontzeck im Hotel Courtyard am Maschsee eingecheckt, die Arena ist von dort nur einen ordentlichen Torwartabstoß weit entfernt.

Startschuss für Michael Frontzeck bei Hannover 96: Nach seiner Vertragsunterschrift am Montagabend hat der neue Trainer der Roten mit der ersten Übungseinheit am Dienstag seine Fünf-Spiele-Mission begonnen.

Die Mühe, sich in Hannover eine Wohnung zu suchen, wird sich der 51-Jährige nicht machen. Wenn alles so läuft, wie sich das Verein und Frontzeck wünschen und der Coach den Klassenerhalt schafft, dann wird der Rheinländer in der letzten Maiwoche den Fußball-Bundesligisten wieder verlassen und aus dem Hotel ausziehen. Frontzeck ist für die restlichen fünf Saisonspiele als Retter angeheuert, Zuschlag gibt es nur, wenn 96 in die Relegation muss. „Es gibt zwischen dem Verein und mir die klare Abmachung, dass ich diese fünf Spiele mache. Was im Sommer ist, weiß kein Mensch“, sagte der 96-Trainer gestern bei der offiziellen Vorstellung.

Lange grübeln musste er nicht, um bei den „Roten“ zuzusagen. „Ich habe ein paar Stunden überlegt. Es wird nicht einfach, es ist kompliziert, aber ich habe ein gutes Gefühl.“ Er habe in seiner ersten Ansprache versucht, der Mannschaft zu übermitteln, dass „es nicht um eine Einzelperson geht, sondern darum, in der Liga zu bleiben. Ich brauche noch ein, zwei Einheiten Zeit, und dann weiß ich, an welchen Stellschrauben ich drehen muss“, sagte Frontzeck.

Hannover 96 hat Michael Frontzeck als Trainer für die letzten fünf Saisonspiele verpflichtet.

Bei seiner ersten Trainingseinheit ging es für ihn deshalb erst einmal darum, sich einen Überblick zu verschaffen. Dabei suchte er auch den Kontakt zu Führungsspielern der „Roten“ und führte kurze Gespräche mit Kapitän Lars Stindl, Torwart Ron-Robert Zieler und Jan Schlaudraff. Unterstützt wurde Frontzeck von seinen beiden neuen Ko-Trainern Jan-Moritz Lichte, der zuletzt bei Bayer Leverkusen als Assistent von Sascha Lewandowski tätig war, und Steven Cherundolo.

Besonders der 96-Rekordspieler, der von 2004 bis 2005 als Profi unter dem damaligen Ko-Trainer Frontzeck spielte, wird in den nächsten Wochen als Ansprechpartner und Ratgeber für Frontzeck von großer Bedeutung sein. Der 36-Jährige hat den Kontakt zur Mannschaft nach seinem Rücktritt in der vergangenen Saison nie verloren und weiß um die Probleme im Team. Er ist einer, der schnell helfen kann und der der Mannschaft guttut.

Der Hammer bleibt im Schrank

Bei seiner offiziellen Vorstellung als neuer 96-Trainer präsentierte sich Michael Frontzeck gut gelaunt und gab bereitwillig Auskunft über seine Pläne in den nächsten Wochen. Das sagt der 51-Jährige über ...
... das Heimspiel gegen Hoffenheim: „Wir wollen zusammen mit den Fans etwas schaffen. Wir wollen das Spiel nicht neu erfinden und keine wilden Wechsel vornehmen. Am Sonnabend werden wir uns auf die wichtigen Dinge konzentrieren. Es geht um ganz einfache Tugenden.“

... die Negativserie der „Roten“: „Wenn man 13 Spiele nicht gewinnt und sich immer mehr dem Strich nähert, dann wird es immer schwierig. Ich weiß auch nicht, warum diese Sieglosserie gekommen ist. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir da jetzt einen Strich machen und nach vorne schauen. Es nutzt keinem zurückzuschauen. Wir nehmen das Ding neu auf.“

... seine Erfahrung als Trainer im Abstiegskampf: „Es ist gut zu wissen, was auf einen zukommt. Das A und O in dieser Situation ist es, die Nerven zu behalten und eine gesunde Mischung zu finden aus aggressivem und überlegtem Spiel. Es nützt nichts, wenn wir gegen Hoffenheim versuchen, das Stadion wegzureißen und den Kopf dabei ausschalten.“

... die Rückkehr der Ultras: „Das ist eine tolle Sache. Es zeigt, dass jeder weiß, worum es geht. Wir brauchen eine gute Atmosphäre im Stadion. Ich weiß, was in Hannover möglich ist, wenn das komplette Publikum hinter der Mannschaft steht. Es ist jedoch klar, dass der Funke vom Platz auf die Fans überspringen muss.“

... seinen Vorgänger Tayfun Korkut: „Ich weiß, dass er hier einen guten Job gemacht hat und dass es Kleinigkeiten waren, die dazu geführt haben, dass es nicht funktioniert hat. Für einen Trainer ist so eine Situation immer schlimm. Ich wünsche ihm alles Gute.“

... die letzten Monate, in denen er nicht als Trainer gearbeitet hat: „Ich habe viel Fußball geschaut, Tennis gespielt und ein bisschen French Open in Paris geguckt, das Finale zum Beispiel. Das war interessant. Auch was Trainingsmethoden angeht. Und meine Frau war auch nicht ganz unglücklich darüber, dass ich ein bisschen mehr Zeit für sie hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.“

... ein Trainingslager: „Ich habe darüber mit dem Mannschaftsrat gesprochen. Wir haben uns entschieden, das erst einmal nicht zu machen. Es bleibt jedoch ein gute Option für die kommenden Wochen.“ 

... den Umgang mit der Mannschaft: „In einer Situation, in der die Mannschaft angeschlagen ist und gerade ein Trainer entlassen wurde, ist es wichtig, für jeden Spieler da zu sein. Den großen Hammer rauszuholen und jetzt draufzuschlagen, das wäre die einfachste Möglichkeit. Das mache ich in der Regel nicht, schon gar nicht in der Öffentlichkeit.“

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