Ex-Hannover 96 Kapitän Lars Stindl im Interview
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Hannover 96 „Aber jetzt ist auch mal gut“
Sportbuzzer Hannover 96 „Aber jetzt ist auch mal gut“
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00:21 23.11.2015
Von Christian Purbs
Seit Beginn dieser Saison jubelt Lars Stindl im Trikot von Borussia Mönchengladbach, wie nach seinem Tor gegen Manchester City. Bei den Fans der „Roten“ ist der sympathische Profi immer noch sehr beliebt.   Quelle: dpa
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Hallo Herr Stindl, den ersten Trainerwechsel in der Fußball-Bundesliga gab es in dieser Saison bei Ihrem neuen Club Borussia Mönchengladbach. Sie müssen sich gleich heimisch gefühlt haben …

Der Start war für uns wirklich sehr unglücklich. Mit dem Sieg im Pokalspiel gegen St. Pauli hatten wir eigentlich einen guten Auftakt, in dem es auch für mich gut gelaufen ist. Nach der Niederlage gegen Dortmund sind wir dann aber in eine Negativspirale gekommen, haben insgesamt fünf Spiele verloren und waren auf einmal Letzter. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt.

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Haben Sie sich wie im falschen Film gefühlt?

Klar, wir alle dachten nur: „Hey, was ist hier los, was passiert hier?“ Unser großes Glück war, dass wir nach dem Trainerwechsel gegen Augsburg gewonnen haben und es danach gleich alle drei Tage weiterging, sodass wir unseren Schwung mitnehmen konnten. Und jetzt sind wir auf einem richtig guten Weg.

Sie haben in den ersten Spielen bei der Borussia auch nicht immer überzeugt.

Nein, und ich habe mir auch meine Gedanken gemacht. Meine Leistung war in den ersten Spielen nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass es ordentlich läuft.

Ist der neue Trainer André Schubert die einzige Erklärung für den Aufschwung?

Er hat mit seiner Art Lockerheit und Spaß vermittelt, was nicht heißt, dass wir das unter Lucien Favre nicht hatten. Aufgrund der Niederlagen waren der Trend jedoch negativ und die Stimmung nicht gut. Die Art und Weise von André Schubert, in der Kabine, aber auch beim Training, hat uns gutgetan. Aber auch die Mannschaft hat sich zusammengesetzt und gesagt: „Was wir bislang gezeigt haben, das kann nicht unser Anspruch sein. Man kann mal Schwierigkeiten haben, aber jetzt ist auch mal gut.“

Wie war Ihre Rückkehr nach Sevilla?

Das Stadion, die Stadt, das Trainingsgelände: Das war schon ein Déjà-vu. Das Spiel war dann leider nicht so gut wie damals mit 96, als wir es gepackt und die Gruppenphase der Europa League erreicht haben. Das 0:3 war eine unserer schlechtesten Leistungen, einfach zum Vergessen.

Aus Ihrer Zeit bei 96 wissen die Fans, dass Sie Europapokalspiele lieben. Ihre Gegner in der Champions League sind FC Sevilla, Manchester City und Juventus Turin: Da muss für Sie doch ein Traum in Erfüllung gegangen sein.

Absolut. Bei solchen Spielen dabei zu sein war auch ein Grund für meine Entscheidung, nach Gladbach zu wechseln. Wenn du nach Turin fliegst, im Stadion die Pokale und die zahlreichen Meistertitel siehst, die Bilder von ehemaligen großen Spielern wie Roberto Baggio und Zinedine Zidane an der Wand hängen und dir in den Katakomben Teammanager Pavel Nedved entgegenkommt, und du dann mit Spieler wie Gianluigi Buffon, Giorgio Chiellini auf dem Platz stehst; das ist schon etwas ganz Besonderes.

Seine Klasse hat Torwart Buffon zuletzt ausgerechnet im Champions-League-Rückspiel in Gladbach gezeigt, als er einen Kopfball von Ihnen kurz vor dem Ende großartig parierte.

Leider. Fünf Meter vor dem Tor darf man den schon mal reinmachen, ich hätte mehr gegen die Laufrichtung köpfen sollen. Das war schade, weil wir ein richtig gutes Spiel gemacht und uns leider nicht belohnt haben.

Und durch das 1:1 keine Chance mehr auf das Achtelfinale haben.

Stimmt. Aber wir haben ja noch zwei geile Spiele und dann noch die Chance, in der Europa League weiterzuspielen.

Gutes Stichwort. Mit Hannover 96 haben Sie in diesem Wettbewerb Spiele abgeliefert, die den Fans immer in Erinnerung bleiben werden. Zurzeit läuft es bei den „Roten“ jedoch nicht gut. Haben Sie erwartet, dass die Mannschaft so große Probleme bekommen wird?

Ich beobachte 96 natürlich weiter sehr intensiv. Es war ein schwieriger Sommer, was wohl auch an den ungewöhnlichen Strukturen im Verein lag. Hinzu kam der Verlust von einigen Spielern, der dem Verein wehgetan hat. Als 96 zehn Punkte aus fünf Spielen geholt hat, dachte ich, dass sie sich gefangen haben. Dann hat man es verpasst, sich abzusetzen. Keine Frage, es ist eine schwierige Phase für Hannover.

Am Sonnabend treffen Sie mit Gladbach auf Ihre früheren Mitspieler. Es ist für Sie das erste Mal, dass Sie in der Bundesliga gegen einen ehemaligen Verein spielen.

Ich habe ja nur zwei Vereine in meinem Leben gehabt.

Einer davon ist Ihr nächster Gegner Hannover 96.

Gegen die Jungs zu spielen, ist wirklich eine ganz neue Erfahrung und eine besondere Situation für mich. Es sind ja in der Startelf noch viele Spieler vom letzten Jahr dabei. Ich freue mich auf die Begegnung. Aber natürlich wissen wir alle, dass es am Samstag um 15.30 Uhr nur um das Spiel und die drei Punkte geht.

Beim 96-Sieg in Köln waren Sie im Stadion und haben zugeschaut. Wie kann man Sie überreden, öfter mal bei 96 als Glücksbringer vorbeizuschauen?

Da muss man mich nicht überreden. Wenn es zeitlich passt, bin ich mit Sicherheit vor Ort.

Zur Person

Lars Stindl kam im Sommer 2010 vom Karlsruher SC zu Hannover 96. Bei den „Roten“ absolvierte er in fünf Jahren insgesamt 165 Bundesligaspiele, in denen er 26 Tore erzielte. Zehn Treffer gelangen dem Offensivspieler in der vergangenen Spielzeit, damit hatte der 27-Jährige großen Anteil am Klassenerhalt von Hannover 96. Zu Beginn dieser Saison wechselte Stindl, der besonders in den Europa-League-Spielen von 96 für viel Furore sorgte, für eine Ablösesumme von drei Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach

Christian Purbs 20.11.2015
Christian Purbs 19.11.2015