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Hannover 96 Hannover 96: Das rote Regenerationswunder
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00:15 27.02.2013
Von Heiko Rehberg
Und wieder einer drin: Hamburgs Torhüter René Adler fliegt vergeblich dem Ball hinterher, der gerade zum 3:1 für 96 im Netz landet. Auch Torschütze Didier Ya Konan (hinten) schaut genau hin.
Und wieder einer drin: Hamburgs Torhüter René Adler fliegt vergeblich dem Ball hinterher, der gerade zum 3:1 für 96 im Netz landet. Auch Torschütze Didier Ya Konan (hinten) schaut genau hin. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Hannover

Der wunderschöne Fußballnachmittag in der AWD-Arena war gerade vorbei, da begann das große Rätselraten. Wie hatten sie das nur gemacht bei Hannover 96? Nur zwei Tage nach dem Europa-League-Spiel gegen Anschi Machatschkala legten die „Roten“ in der Fußball-Bundesliga im Nordderby gegen den Hamburger SV eine stürmische Energieleistung hin, an der nicht nur das Ergebnis - der deutliche 5:1-Sieg - bemerkenswert war.

Gäbe es ein Buch zum Spiel, dann müsste es wohl heißen: „Fit wie ein Turnschuh in 41 Stunden“. Untertitel: „Wie müde Beine schnell wieder munter werden.“ Herausgeber: Mirko Slomka.

Es war eine ereignisreiche Partie, als Hannover 96 am Donnerstag in der AWD-Arena gegen den Hamburger SV spielte. Die "Roten" siegten im Heimspiel mit 5:1.

Das übrigens auch in der Höhe völlig verdiente 5:1 von Hannover 96 stellt im Grunde das, was man über physische und psychische Belastungen im Fußball weiß, auf den Kopf. Der Hamburger SV war am vergangenen Spieltag auf den 5. Platz geklettert, befand sich also im Aufschwung und hatte die ganze Woche Zeit, Kopf und Körper zu schonen. 96 dagegen musste an einem kalten Donnerstagabend Schwerstarbeit im Europacup leisten und stand am Ende trotz einer guten Leistung (1:1) mit leeren Händen da, zum Kräfteverschleiß kam die Enttäuschung über das internationale Aus.

Knapp 41 Stunden später aber spielte 96 wie eine kollektiv in einen Jungbrunnen gefallene Mannschaft, während sich die Hamburger über den Platz schleppten, als hätten sie in der vergangenen Woche jeden Tag ein Europacupspiel mit Verlängerung bestritten. Verkehrte Fußballwelt.

Das verlangt nach Erklärungen. Thorsten Fink, der Hamburger Trainer, hatte keine. „Wenn der Gegner zwei Tage vorher in der Europa League spielt und wir dann nicht Vollgas geben, kann ich das nicht akzeptieren“, sagte Fink. Das war eine Beschreibung der 90 Minuten aus HSV-Sicht, aber keine Erklärung. Und Mirko Slomka, der 96-Trainer? Wie begründete er das hannoversche Regenerationswunder? Man habe länger ausgeschlafen und gut gegessen, sagte Slomka, was auf nette Art und Weise natürlich auch keine Erklärung war, denn Schlaf und vernünftige Ernährung gehören vor jedem Spiel zur Routine.

Was Fink nicht sagen konnte und Slomka nicht wollte: Fußball ist letztlich eine Frage der Einstellung. 96 hatte zwar müde Beine, aber das vermeidbare Ausscheiden gegen Machatschkala hatte bei den Spielern zu einer Trotzreaktion geführt. Ihren Frust setzten die „Roten“ in Kilometer und Kampfgeist um. Dazu kam die belebende Aussicht, dass in der kommenden Saison internationaler Fußball mit Gastspielen von Weltstars wie Samuel Eto’o (Machatschkala) nur möglich sein wird, wenn man gegen Spieler, die Per Ciljan Skjelbred (Hamburg) heißen, die Zweikämpfe gewinnt. Kurz: 96 wollte diesen Sieg viel mehr als die Hamburger, die beim Grübeln darüber, ob sie schon reif für den Europacup sind oder nicht, Kopfschmerzen bekommen hatten.

Während sich bei 96 Mame Diouf, der Torschütze zum 1:0 (7. Minute), trotz Erkältungsbeschwerden „wie ein Wahnsinniger für die Mannschaft einsetzte“ (Slomka), spielten die Gäste wie eine „Jugendmannschaft“ (Fink).

Zum großen Unterschied beim Willen und der Tatsache, dass Hannover 96 dank besserer Transferpolitik in der Vergangenheit einfach über die stärkere Offensivabteilung verfügt, kam ein Sonderfall. Dass ein gegnerischer Torwart, erst recht die Nummer 2 im Nationaltor, vier von fünf Treffern durch Fehler begünstigt, kommt selten vor.

René Adler kam bei Dioufs Kopfballtor zu spät, verursachte ungestüm den Elfmeter, den Szabolcs Huszti zum 2:1 für 96 verwandelte (39.). Er stand bei Didier Ya Konans Schuss zum 3:1 zu weit vor dem Gehäuse (45.) und ließ die Flanke, aus der Ya Konan das 4:1 machte (68.), durch seinen Fünfmeterraum passieren. Lediglich beim Schlusspunkt durch Mohammed Abdellaoue (85.) war Adler chancenlos.

Adlers Fehler waren spielentscheidend, die 96-Leistung mindert das nicht. Nürnberg (2:2), Machatschkala (1:1), Hamburg (5:1) - die Formkurve zeigt wieder langsam nach oben, auch bei einigen Spielern wie dem diesmal starken Sergio da Silva Pinto, Ya Konan oder auch dem eingewechselten Konstantin Rausch.

„Die Jagd auf die Europacup-Plätze ist eröffnet“, sagte Slomka. Und nur mal kurz am Rande erwähnt: Platz 4, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigt, liegt gerade mal fünf Punkte entfernt.

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