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Hannover 96 „1. Liga ist kein Alltag“
Sportbuzzer Hannover 96 „1. Liga ist kein Alltag“
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00:15 05.08.2013
"Wichtig ist, die Spannung immer hoch zu halten.": 96-Klubchef Martin Kind.
"Wichtig ist, die Spannung immer hoch zu halten.": 96-Klubchef Martin Kind. Quelle: zur Nieden
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Hannover

Herr Kind, für Hannover 96 bei Victoria Hamburg steht das erste Pflichtspiel der Saison auf dem Programm. Wie groß ist Ihre Zuversicht, dass nach vier durch­wachsenen Auftritten in der 1. Pokalrunde diese Aufgabe gemeistert wird?
Die Eindrücke der beiden Trainingslager waren durchweg positiv, die Testspiele waren letztlich Muster ohne Wert. Wichtig ist, dass die Mannschaft ihre Geschlossenheit wiedergefunden hat. Deshalb bin ich optimistisch, dass in Hamburg ein deutlicher Sieg erreicht wird.

Wie wichtig wäre das für einen 
erfolgreichen Start in die Bundesliga 
die Woche darauf?
Ein Erfolg würde für Rückenwind sorgen. Von den ersten vier Spielen finden drei in Hannover statt, das ist eine große Chance für einen super Auftakt.

Diese Saison ist für 96 die zwölfte Bundesligaspielzeit in Folge. Ist die 
1. Liga inzwischen Alltag in Hannover?
Alltag? Nein. Dann müsste man dagegensteuern. Wichtig ist, die Spannung immer hoch zu halten. Als Klub haben wir uns etabliert, die Strukturen weiterentwickelt – das sind gute Voraussetzungen, um sich auch im zwölften Jahr in der Liga erfolgreich zu präsentieren. Das bedeutet am Ende zumindest einen einstelligen Tabellenplatz. Doch wir wollen mehr und streben Rang 6 an. Wir haben in diesem Jahr viel Geld in die Mannschaft investiert und den Haushalt weiter erhöht – da gibt es grundsätzlich schon einen Zusammenhang mit den sportlichen Zielen.

Als Sechster wäre Hannover wieder 
in der Europa League dabei. Ärgern
 Sie sich noch, dass es 96 verpasst hat,
 zum dritten Mal nacheinander 
international im Geschäft zu sein?
Dass wir es überhaupt zwei Jahre geschafft hatten, auf europäischer Bühne zu spielen, war ein außergewöhnlicher Erfolg. Zuletzt haben wir die Chance leider nicht nutzen können. Wir haben daraus gelernt und starten den nächsten Anlauf.

In der kommenden Saison plant Ihr Klub mit einem Haushalt von 73 Millionen Euro und damit so viel wie nie zuvor. Real Madrid will 100 Millionen Euro für die Verpflichtung eines walisischen Stürmers ausgeben, mit dessen Namen die wenigsten etwas anfangen können. Was geht Ihnen bei solchen Zahlen durch den Kopf?
Solche Dimensionen sind nicht mehr vernünftig. Woran wird denn bitte schön in einem solchen Fall der Wert eines Fußballspielers gemessen?

Wie viel Geld würden Sie maximal für die Verpflichtung eines Profis ausgeben?
96 hat sich wirtschaftlich gut entwickelt, wir haben eine sehr stabile Situation. Angesichts dessen könnte ich sehr mutig sein und sagen, dass wir vor einem teuren Transfer nicht zurückschrecken müssen. Aber wir werden das nicht tun, sondern unserer Linie treu bleiben: keine Wunschkonzerte, stattdessen Konzentration auf die Bundesliga. Was nicht ausschließt, dass wir mal für einen Transfer einen ansehnlichen Millionenbetrag aufwenden können. Dann muss das aber auch der Spieler sein, der der Star der Mannschaft ist und dies mit seiner Leistung belegt.

Auch bei über 30 Grad Außentemperaturen gibt es keine Trainingspause für die Profis von Hannover 96.

Haben Sie eigentlich noch Albträume, wenn Sie an das Jahr 1997 denken, als Hannover 96 vor der Zerreißprobe stand und Sie Verantwortung übernahmen?
Der Verein erfüllte damals in vollem Umfang den Tatbestand der Insolvenz. Was danach kam, mit dem Aufstieg von der 
3. in die 1. Liga, dem Stadionausbau oder der Europa League, war eine Entwicklung, die die Mühe wert war. Heutzutage sind wir nur in einer Hinsicht nicht wettbewerbsfähig: Das ist das Nachwuchsleistungszentrum. Ansonsten ist die Aufbauarbeit beendet, es gibt ein tragfähiges Fundament. Für den nächsten Schritt haben wir mit der Kapitalerhöhung die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen.

1997 war Hannover 96 noch ein klassischer Sportverein. 16 Jahre später verhandelt die Sales&Service-Gesellschaft Ihres Klubs mit dem Gesamtverein, um die letzten Anteile am Bundesligateam abzukaufen. Ist das der endgültige Schritt zur Trennung von Profisport und Breitensport bei 96?
Der ist eigentlich ja schon vollzogen. Nach meinem Verständnis ist Profifußball ein Wirtschaftsunternehmen, dafür braucht man entsprechende Strukturen. Der Breitensport muss seine Angebote auf gemeinnütziger Basis machen, auch in der Hinsicht gibt es bei Hannover 96 eine erfolgreiche Entwicklung. Mit der Folge, dass wir jetzt zwei gesunde Standbeine haben. Mit dem Verkauf der verbliebenen 15 Prozent würde der Gesamtverein seine Infrastruktur spürbar verbessern können, da gibt es noch erhebliche Defizite.

Sie haben sowohl in der Profisparte
als auch bei Hannover 96 e. V. wichtige Ämter inne. Verhandelt jetzt Martin Kind mit Martin Kind?
Ich bin an den Gesprächen in keiner Weise beteiligt. Da würde ich mich auch angreifbar machen.

Sie sind 69 Jahre alt. Wie sehen Sie selbst Ihre Perspektive bei 96?
Ich möchte die Aufgaben zu Ende bringen, von denen ich glaube, dass ich sie aus verschiedenen Gründen am leichtesten erledigen kann. Im Jahr 2017, spätestens 2018 soll das geschehen sein.

Vorher müssen Sie unter anderem noch einen Nachfolger für die TUI als Trikotsponsor finden ...
Wer das 2014 sein wird, wenn der Vertrag ausläuft, kann ich noch nicht sagen. Unser Ziel ist, 96 auch als nationale Marke voranzubringen. Vielleicht gelingt es ja, den Klub auch beim Hauptwerbepartner entsprechend zu repräsentieren, etwa im Bereich Konsumartikel oder Automarkt.

Im nächsten Jahr endet auch der Vertrag mit dem häufig kritisierten Internet-Kartenhändler viagogo. Sind Sie an einer Verlängerung interessiert?
Nach jetziger Einschätzung nicht. Intern wird bei uns über andere Modelle diskutiert.

Vor allem in der Vorsaison mussten Sie von einem Teil des Stammpublikums in der Nordkurve heftige Kritik einstecken. Der Klubchef wird von 96-Fans als Feind ausgemacht: Was empfinden Sie dabei?
Man darf hier nicht Ursache und Wirkung verwechseln. Ursache war das Verhalten einiger Fans insbesondere beim Pokalspiel gegen Dresden. Die Reaktionen darauf haben zu diesem Feindbild geführt. Mir war klar, dass das nicht stressfrei verlaufen würde, aber davon kann man sich bei notwendigen Entscheidungen nicht leiten lassen. Wenn jemand erwartet, dass wir freiwillig hohe Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik zahlen, dann liegt er falsch. Dass wir deshalb im Stadion viel Geld in Videotechnik installiert haben, halte ich vom Grundsatz für eine Fehlinvestion – trotzdem müssen wir es tun, um Straftäter ausfindig machen zu können. Lieber würde ich diesen Leuten 100.000 Euro für kreative Choreografien geben oder sie bei Reisen zu 96-Spielen unterstützen. Dieses Angebot steht.

Interview: Norbert Fettback
 und Christian Purbs

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