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Hannover 96 Bayern ist doch keine „Piss-Mannschaft“ mehr
Sportbuzzer Hannover 96 Bayern ist doch keine „Piss-Mannschaft“ mehr
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22:07 20.05.2015
Von Christian Purbs
Keine "Piss-Mannschaft" mehr: Schatzschneider nimmt den Ausdruck zurück. Aber nur diesen. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Dieter Schatzschneider firmiert beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 als „Vereinslegende“, als Rekordtorschütze mit insgesamt 134 Treffern hat er sich diesen Titel verdient. Schatzschneider weiß als ehemaliger Stürmer, dass ihm Verteidiger dazwischen grätschen. Mittwoch machte der mittlerweile 57-Jährige eine neue Erfahrung: Es war sein eigener Verein, der die Grätsche auspackte, um Schatzschneider zu stoppen. Denn die Vereinslegende hat 96 öffentlich und zur Unzeit im Abstiegskampf ein unnötiges Problem bereitet.

schatzschneider, der sich dafür rühmt, immer das zu sagen, was er denkt, hatte in der „Bild“-Zeitung den FC Bayern München als „Piss-Mannschaft“ bezeichnet und den Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters auch gleich noch eine Empfehlung für Trainer Pep Guardiola mitgegeben:  "Guardiola würde ich sofort nach Hause schicken", sagte er und fügte hinzu: "Der kann seine Mannschaft gegen Freiburg nicht motivieren."

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An seiner Kritik an Guardiola und der fehlenden professionellen Einstellung der Bayern hielt Schatzschneider auch Mittwoch fest. Er gab jedoch zu, bei seiner Wortwahl „überzogen“ zu haben. „Das eine Wort bin ich bereit zurückzunehmen. Aber zu dem Rest stehe ich“, sagte der ehemalige 96-Stürmer im Gespräch mit der HAZ. „Ich bin Fan und denke als Fan. Es gibt Situationen, in denen ich mehr mit dem Herz als mit dem Gehirn spreche.“

Die Bayern hatten nach der längst perfekten Meisterschaft am vorletzten Bundesliga-Spieltag mit 1:2 bei den Breisgauern verloren. Für 96 hatte diese Niederlage Auswirkungen. Hätte der deutsche Meister nicht durch ein Tor in der Schlussphase verloren, hätte 96 am letzten Spieltag schon ein Unentschieden gegen Freiburg zum Klassenerhalt gereicht.

Er habe nichts gegen den Verein FC Bayern, „das ist ein super Club. Aber in der Mannschaft war in den letzten Spielen zu wenig Professionalität. Das geht in der Bundesliga doch nicht, dass sie ihre eigenen Gesetze machen“, sagte der 57-Jährige. Er wisse, dass es am Saisonende nicht leicht für eine Mannschaft sei, „die 80 Spiele in den Beinen hat. Aber sie wird nun mal für 81 Spiele bezahlt.“ Schatzschneider legte Wert darauf, dass er seine Kritik als Privatperson geäußert habe. „Wenn das auf 96 bezogen wird, dann tut mir das weh.“

Hannover 96 beeilte sich damit, auf Distanz zu Schatzschneider zu gehen: „Sein Wortlaut ist völlig inakzeptabel“, sagte 96-Sprecher Alex Jacob: „Die Aussage Dieter Schatzschneiders über den FC Bayern ist ausschließlich seine persönliche Meinung.“

Doch so einfach ist die Angelegenheit nicht, selbst wenn es sich um eine Privatmeinung von Schatzschneider handelt. Denn der 57-Jährige arbeitet offiziell als Jugend-Scout von Hannover 96 und gilt als enger Vertrauter von Clubchef Martin Kind. Erst am vergangenen Wochenende hatte der Bezahlfernsehsender „Sky“ Schatzschneider beim Auswärtssieg in Augsburg wiederholt im Bild gezeigt – neben ihm immer Kind, der sehr verärgert sein soll über die Bayern-Schelte des früheren Profis. Viele 96-Fans sprachen in diversen Internetforen vom „Fremdschämen“ für Schatzschneider.

Besonders peinlich für 96 ist, dass bereits vorher Sportdirektor Dirk Dufner den Bayern indirekt Wettbewerbsverzerrung vorgeworfen hatte. „In der Regel werden in der Liga alle von den Bayern hingerichtet, plötzlich ist es anders“, hatte Dufner gesagt und sarkastisch angefügt: „Möglicherweise stellen bald vier oder fünf Vereine den Antrag, gegen die Bayern nur in den letzten Spielen zu spielen.“

Dufners Äußerungen kamen übrigens nicht nur in München schlecht an. Auch Freiburgs Trainer Christian Streich hat nach HAZ-Informationen mit Unverständnis reagiert. Er soll es als respektlos empfunden haben, den Freiburger Sieg auf die lasche Einstellung der Bayern zu reduzieren.

von Heiko Rehberg und Christian Purbs

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